Altdorferin will mit SRF auf Pilgerreise

CASTING ⋅ Das Schweizer Radio und Fernsehen plant eine neue Produktion zum Thema «Leben wie vor 500 Jahren». Im Sommer pilgern vier Freiwillige mit einem Radiomoderator durch die Schweiz. Auch die Urnerin Marie-Therese Zgraggen war beim Casting dabei.
07. März 2017, 07:16

Salome Infanger

salome.infanger@urnerzeitung.ch

Eine Pilgerreise erleben, wie sie vor 500 Jahren hätte stattfinden können. Unter mittelalterlichen Bedingungen 240 Kilometer in zwölf Tagen zu Fuss bestreiten. Für die 63-jährige Altdorferin Marie-Therese Zgraggen wäre dies eine Herausforderung. Darum hat sie sich für das Projekt von SRF beworben, bei dem genau dafür Leute gesucht wurden. Am vergangenen Samstag nahm sie in Oensingen auf Schloss Neu-Bechburg am Casting teil.

Das Radio SRF 1 und die Fernsehsendung «Schweiz aktuell» suchten Freiwillige für ihre geplante Produktion «Leben wie vor 500 Jahren». Eine Familie wurde gesucht, die wie im Spätmittelalter auf einem Bauernhof leben möchte, sowie vier Einzelpersonen, die wie im Reforma­tionsjahr 1517 eine Pilgerreise von Basel Richtung Lausanne durchführen. Die Pilgerreise wird vom 24. Juli bis 4. August dauern und von Radiomoderator Ralph Wicki geführt. Das Konzept ist ähnlich wie jenes der im vergangenen Sommer ausgestrahlten Sendung «Schweiz aktuell am Gotthard».

Interesse an Mittelalter bewegt zur Teilnahme

In einer Radiosendung hörte Zgraggen den Aufruf und beschloss, sich für das Casting für die Pilgerreise zu bewerben. Sie laufe und wandere viel in ihrer Freizeit, sagt Zgraggen. «Die Idee einer Pilgerreise unter mittelalterlichen Bedingungen interessiert mich sehr. Ich bewege mich gerne auf unbekannten Wegen.» Die Konkurrenz ist gross: 260 Personen haben sich für das Casting beworben, 32 davon wurden dazu eingeladen.

Schlussendlich werden vier Personen ausgewählt, die das Abenteuer wagen dürfen. Während der Reise übernachten die Pilger in Klöstern, Pilgerstätten oder in der freien Natur. In ihrem Wanderbeutel haben sie nur das Nötigste dabei. Ziel ist es, selber zu erfahren, wie sich eine Pilgerreise im Jahr 1517 abgespielt haben könnte.

Teamgeist und Fitness sind gefragt

Während eines halben Tages wurden die Kandidaten im Rahmen eines Castings getestet. «Wir wurden beobachtet, wie wir uns im Team verhalten», erzählt Zgraggen. «Wir mussten zu viert entscheiden, was wir auf eine Pilgerreise mitnehmen würden.» Die Gruppe musste sich insgesamt auf Material von maximal acht Kilo einigen, das in einen Pilgerbeutel passt. Als Frauen hätten sie sich zum Beispiel gegen die Männer durchsetzen müssen, einen kleinen Holzkamm mitnehmen zu dürfen.

Für die Pilgerreise müssen die Teilnehmer in guter körper­licher Verfassung sein. Die Tests dazu seien anstrengend gewesen, sagt Zgraggen. Fragebogen zu ihrer Gesundheit ausfüllen und Sportübungen machen mussten die Teilnehmer. Zusätzlich mussten die Vierergruppen einen Orientierungslauf mit verschiedenen Posten absolvieren, bei denen man zum Beispiel seine Fähigkeiten zum Feuermachen beweisen musste. Ein Posten beinhaltete ein Gespräch mit Pilgerleiter Wicki, der seine möglichen Mitreisenden besser kennen lernen wollte. Auch die Leitung der Produktion wollte wissen, wie sich die Personen in schwierigen Situationen verhalten, die auf der Pilgerreise bei Wind und Wetter auftreten könnten. Die fünf Pilger müssten schliesslich für zwölf Tage aufeinander vertrauen können. «Passend zum Thema wurde auch noch unser Wissen über das Mittelalter und die Reformation getestet», sagt Zgraggen. Sie hat sich durch das Lesen von Büchern viel Wissen über das Mittelalter angeeignet. Die ehemalige Krankenpflegerin beschäftigt sich auch schon lange mit Heilkräutern und stellt daraus Salben und Tinkturen her.

Auch nach dem Casting ist Zgraggen zuversichtlich, dass sie das Projekt meistern könnte. «Ich denke, ich habe genug Ausdauer und bin auch nicht empfindlich.» Für sie war aber bereits das Casting eine spezielle Erfahrung. Überrascht war Zgraggen vom Durchschnittsalter der Teilnehmer. «Im Vorfeld dachte ich, es würden Leute mitmachen, die bereits pensioniert sind und viel Zeit haben.» Vor Ort aber waren dann unter den 23 bis 74 Jahre alten Teilnehmern überraschend viele junge Leute.

Zgraggen sagt: «Es wäre ein reines Wunder, wenn ich ausgewählt werden sollte. Alle 32 Personen haben eine Chance.» Falls dieses Wunder wirklich eintrifft, würde sie sich aber sehr freuen. «Mit dieser Erfahrung könnte ich auch meine Grenzen austesten.»


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