Berner Hütte ist in Urner Händen

ROTSTOCK ⋅ Luzia Gisler aus Spiringen ist seit vier Jahren Hüttenwartin auf der Rotstockhütte. Am vergangenen Sonntag beendete sie mit ihrem Team die Saison 2016, die ihr gute Belegungszahlen brachte.

07. Oktober 2016, 06:31

Im Herbst kehren nicht nur die Älpler mit ihren Tieren von den Alpen ins Tal zurück. Auch die meisten Hüttenwarte beenden nach und nach die Saison. So schloss auch Luzia Gisler am 2. Oktober die Türen der Berner Rotstockhütte.

Vor vier Jahren ging für die im Döldig in Spiringen aufgewachsene Frau ein Traum in Erfüllung. Die heute 37-jährige Urnerin durfte damals die Verantwortung für die auf 2039 Meter über Meer gelegene Rotstockhütte im Berner Oberland übernehmen.

Hüttenwartin mit Leib und Seele

Man merkt es sehr schnell: Luzia Gisler ist die geborene Hüttenwartin, von weit her begrüsst sie ihre Gäste. Speziell freut sie sich, wenn Verwandte und Bekannte sowie Urner Bergsteiger und Wanderer die Hütte besuchen. Nach fast zehn Jahren Arbeit in ihrem erlernten Beruf als Hauspflegerin bei der Spitex Uri zog es Luzia Gisler ins Wallis in eine Saisonstelle. Sehr schnell merkte sie, dass ihr die Arbeit in der Gastronomie sehr viel Freude bereitet. Als Serviceangestellte im Bergrestaurant Gletschergrotte in Saas-Fee und als Hüttenhilfe in der Weissmieshütte in Saas-Grund wurde der Wunsch nach und nach stärker, selber eine Berghütte zu übernehmen. 2013 besuchte sie den Hüttenwartekurs. «Das habe ich nie bereut, und ich freue mich bereits wieder auf die Saison 2017», sagt sie.

Von Anfang Juni bis im Oktober bewartet

Die Hütte mit 45 Plätzen ist jeweils von Anfang Juni bis Anfang Oktober bewartet und liegt am Fusse des Schilthorns auf der Poganggenalp – mit Aussicht auf ein herrliches Bergpanorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Hütte kann von Stechelberg hinter Lauterbrunnen oder von Mürren aus erreicht werden. Der Zustieg ist aber auch von oben herab möglich: vom Schilthorn oder von der Zwischenstation Birg aus.

Sie sei sich stets bewusst gewesen, dass Hüttenwart ein Allroundjob mit vielen Facetten und hohen Anforderungen und fast mehr Berufung als Beruf sei, betont Luzia Gisler. «Als Hüttenwartin ist man Gastronom, Touristiker, Logistiker, Techniker und vieles mehr in einer Person.»

Für sie steht aber das Wohl der Gäste auf der Hütte immer im Mittelpunkt. Hütten sind für viele Bergsteiger, Wanderer, Naturfreunde, Frischluftsuchende oder Bewegungshungrige nicht nur Unterkunft und Basis in den Bergen, sondern fast so etwas wie ein «Fluchtpunkt», ein Ort der Freiheit, der Träume und Emotionen.

Familie und Freunde helfen jeweils mit

Luzia Gisler ist sich auch bewusst, dass die Belastung und die täglichen Arbeitsstunden hoch sind. Es gibt viele Tage, an denen vier Personen voll beschäftigt sind. Dann gibt es auch die Schlechtwettertage, an denen nur wenig Gäste zur Hütte hinaufsteigen. Im Durchschnitt einmal pro Woche bringt der Helikopter 750 Kilogramm Material zur Rotstockhütte, zu der keine Strasse führt. Stolz ist sie auf ihr zuverlässiges Helferteam mit zwei Vollzeitangestellten, Mutter Vreni und vielen Freunden, die an den Wochenenden mithelfen.

Nach wenigen Wochen Ferien geht es für Luzia Gisler bereits wieder los: Auch im Winter freut sie sich, Gäste zu bedienen, und zwar an der Skibar im Arvengaden im Skigebiet Grindelwald.

Georg Epp


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