Der Gotthard-Basistunnel besteht weiteren Härtetest

ERSTFELD ⋅ Noch nie durchfuhr ein Güterzug von solcher Länge den neuen Gotthard-Eisenbahntunnel. Bei der Premiere mit dabei war gestern auch Eugen Wipfli.

07. Februar 2016, 05:00

Thomas Heer

Exakt 1500 Meter lang war der Güterzug, der gestern zu Testzwecken vom Nordportal in Erstfeld nach Pollegio im Tessin unterwegs war. Um diese Dimension ins richtige Licht zu rücken, sei folgender Vergleich erlaubt: Die allermeisten Menschen – auch wenn sie die letzten Energiereserven anzapfen – benötigen fünf Minuten oder mehr, wenn sie von einem Ende dieser Zugkombination zum anderen gelangen wollen. Da Güterwagen auf ebener Strecke nicht von selber rollen, sorgten auf der 57 Kilometer langen Tunneldurchfahrt drei Lokomotiven des Typs RE 620 für den nötigen Schub.

Zum aussergewöhnlichen Ereignis war als einer von nur ganz wenigen auch der Urner Eugen Wipfli eingeladen. Man könne einfach Geni zu ihm sagen, lässt er den Besucher bei der Begrüssung wissen. Dieser 67-jährige Geni geniesst seit vier Jahren den Ruhestand. Sein Berufsleben lang widmete er sich in verschiedenen Funktonen der Eisenbahn. Zuerst arbeitete er bei den SBB als Visiteur, später in einer Cheffunktion. Die letzten Jahre war Wipfli als Teamleiter im Interventionszentrum für Zugkontrolleinrichtungen tätig. Sein Arbeitgeber hiess damals SBB Infrastruktur.

Technologie sorgt für Sicherheit

Die Fahrt von Erstfeld, dort, wo die Züge von Norden her ins Gotthard­massiv eintauchen, bis nach Pollegio in der Leventina dauerte gestern rund 50 Minuten. Vor der Abfahrt verspürte Geni Wipfli «ein Kribbeln» im Bauch, wie er sagte. Während der Fahrt berichtete der Pensionär von seinen Eindrücken. Via sein Handy machte er folgende Aussage: «Es läuft alles prima. Wir sind mit bis zu 80 Stundenkilometern unterwegs.» Prima verlief der Test bis zum Schluss.

Während für Geni Wipfli die Passage durch den Gotthard den Charakter einer Vergnügungsfahrt hatte, war Markus Koch am gestrigen Tag als Berufsmann gefordert.

Der studierte Maschineningenieur ist seit 2013 für die Testaktivitäten auf den offenen Strecken und an den Sicherungsanlagen auf der gesamten Neat-Achse am Gotthard verantwortlich. Für den 57-jährigen Alptransit-Angestellten ging es gestern darum, zu testen, ob die Sicherungsanlagen in der Lage sind, eine Zugkombination von der eingangs erwähnten Länge zu verarbeiten. Der Gotthard-Basistunnel ist ein Bauwerk, in dem modernste Technologie eingebaut wurde. Immer mit dem Zweck, dass sich im längsten Eisenbahntunnel der Welt die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles künftig möglichst nahe gegen null drücken lässt. Das Schlimmste, was dereinst im Gotthard passieren könnte, sei ein Brand, erklärt Markus Koch. Eine Feuersbrunst kann beispielsweise entstehen, wenn Räder derart heiss laufen, dass sich das Material entzündet. Um ein solches Ereignis frühzeitig zu erkennen, befinden sich im neuen Gotthard-Eisenbahntunnel zwei Messstellen, welche die Temperatur jedes Rades messen. Wird eine gewisse Schwelle überschritten, schlägt das System Alarm. Nötigenfalls können Löschzüge aufgeboten werden, gleichzeitig einer von Norden, der andere von Süden kommend. Jeder Zug, der den Gotthard in Zukunft durchfährt, wird während der gesamten Fahrt von Mitarbeitern im Kontrollzentrum von Pollegio überwacht. Fahrplanmässig kann der Gotthard-Basistunnel im Dezember in Betrieb genommen werden.


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