Die Tage von «Wegis» Lift sind bald gezählt

URI ⋅ Die Begeisterung für den Schnee hat den gebürtigen Zürcher Erich Wegmann vor 25 Jahren nach Andermatt geführt. Jetzt soll «sein» Sessellift abgerissen werden.
27. März 2016, 05:00

Die Skisaison ist bald zu Ende. An der Talstation des Sessellifts Andermatt-Nätschen wollen es die Skifahrer und Snowboarder aber nochmals wissen. Erich Wegmann kommt nicht dazu, untätig in seinem Häuschen zu sitzen. Der 60-jährige Maschinist des Sessellifts steht draussen bei seinen Gästen. Er nimmt Kinder und Frauen am Arm und hilft ihnen, sich auf einen herannahenden Sessel zu setzen. «Ich sehe es sofort, wenn jemand Angst hat», sagt Wegmann. Dann lässt er den Lift auch mal langsamer laufen. Das geminderte Tempo macht es einfacher, sich auf einen Sessel zu setzen.

Eine Prise Galgenhumor?

Der 1,2 Kilometer lange Sessellift auf den Nätschen wurde 1983 erbaut. Der Zahn der Zeit hat an der Anlage genagt. «Wie lange fährt der Lift noch?», fragte kürzlich ein Gast. «Bis 16.15 Uhr», gab Wegmann trocken zur Antwort. Er denkt nur an das, was heute ist. Mit dem bevorstehenden Ende des Sessellifts kann sich der 60-Jährige nicht ganz anfreunden. Geplant ist, den Lift abzureissen und stattdessen eine Achter-Gondelbahn zu bauen (siehe Box).

Im Skigebiet ist Erich Wegmann bekannt. Alle nennen ihn nur «Wegi». Und das hat seinen Grund: «Es gab einen Pisten- und Rettungschef, der ebenfalls Erich hiess», erzählt er. «Wenn er per Funk verlangt wurde, konnte es vorkommen, dass stattdessen eine Antwort von mir kam.» Um solche Verwechslungen zu vermeiden, hiess er fortan «Wegi». Er hat schon vieles gesehen. Ein Gast ist besonders in Erinnerung geblieben. Er versuchte, mit seinen Ski auf dem Sessel hinzuknien statt zu sitzen. Mit fatalen Folgen: Die Ski zersplitterten in alle Richtungen.

Ein Vierteljahrhundert in Uri

Erich Wegmann stammt ursprünglich aus Zürich. Seinem Dialekt hört man das auch heute noch an. Nach Andermatt hat es ihn damals wegen des Schnees und der kalten Temperaturen verschlagen. Er lebt bereits seit 25 Jahren im Urserntal. Zuerst hat er jeweils im Sommer als Maurer auf dem Bau gearbeitet. Im Winter hätten dann alle im Skigebiet geholfen. «Früher habe ich an verschiedenen Skiliften gearbeitet, doch am besten hat es mir an der Talstation des Sessellifts gefallen», so Wegmann. Seit 23 Jahren ist er hier schon als Maschinist tätig. Wenn die Wintersaison zu Ende geht, ist er als Greenkeeper auf dem Golfplatz in Realp im Einsatz.

Was die Sicherheit betreffe, sei der Lift nach wie vor auf einem guten Stand, versichert «Wegi». Ginge es nach ihm, würde er noch mindestens fünf Jahre laufen. «Dann werde ich pensioniert», sagt er mit einem Schmunzeln. Bei der neuen Bahn sei ihm zwar eine Anstellung zugesichert, doch derart viel Kundenkontakt wie heute werde er bestimmt nicht mehr haben, sagt er wehmütig.
 

Noch sind Einsprachen hängig

Skiarena MZ. 130 Millionen Franken werden insgesamt in die Modernisierung und Erweiterung der Skiarena Andermatt-Sedrun investiert. In diesem Jahr ist der Bau einer Achtergondelbahn geplant, die von Andermatt nach Nätschen und weiter auf den Gütsch führt. Die Bahn wird die bisherigen beiden Sessellifte auf den Gütsch ersetzen.

Starttermin ist nicht definitiv

Zurzeit ist aber gemäss Markus Berger, Leiter Kommunikation bei Andermatt Swiss Alps, der Starttermin für die Bauarbeiten noch nicht definitiv. Es sind einzelne Einsprachen hängig. Gebaut werden soll in diesem Jahr auch eine Sesselbahn von Unterstafel zum Gütsch, die den Skilift Grossboden ersetzen wird. Sie wird idealerweise zusammen mit der neuen Gondelbahn erstellt. Des Weiteren soll in diesem Jahr auf dem Nätschen ein Kinderpark entstehen. Definitiv 2016 wird die Sesselbahn vom Oberalppass nach Calmut Tatsache.

Weitere Anlagen sollen 2017 gebaut werden. So eine Bahn vom Oberalppass auf den Schneehüenerstock.

Markus Zwyssig


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