Diese Konzerte sind auch eine Augenweide

ANDERMATT ⋅ Beim Klassik-Osterfestival wird die Musik mit passenden Farben untermalt. In der Schweiz sind Lichtchoreografien im Bereich der ernsten Musik eher ungewöhnlich. Trotzdem macht das Beispiel nun aber auch Schule.
13. April 2017, 08:05

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Bei ruhigeren Klängen wird die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Andermatt in sanfte Pastelltöne getaucht. Wenn die Instrumente und Stimmen im Orchester und Chor lauter werden, leuchten die Farben kräftiger. Beim Klassik-Osterfestival, das am vergangenen Palmsonntag gestartet ist, gibt es für das Publikum nicht nur viel zu hören. Auch das Auge geniesst mit.

Der Farbton des Lichts wird dem auf der Bühne gespielten Klassikstil und der Intensität der Musik angepasst. In der Sprache der klassischen Musik heisst dies: Barockmusik wird anders beleuchtet als Musik der Romantik. Bei einem Adagio braucht es andere Farben als bei einem Allegro.

Kirche wird nicht zum Discolokal

Das Klassik-Osterfestival findet zurzeit zum dritten Mal statt. Inzwischen haben sich die Veranstaltungen in der Kirche St. Peter und Paul etabliert. Doch zu Beginn brauchte es auch Überzeugungsarbeit. «Die Verantwortlichen der Pfarrei Andermatt waren skeptisch», sagt Heinz Mulle von der Firma Swiss Light in Altdorf. «Sie wollten kein Discolokal.»

Inzwischen konnten die Veranstalter alle überzeugen, dass man zwar bei den Konzerten dem Publikum optisch etwas bieten will, aber trotzdem die Ästhetik der Barockkirche erhalten kann. «Die architektonischen Besonderheiten des Kirchenschiffs, der Hochaltar und der Chor kommen durch das Licht sogar noch stärker zur Geltung», gibt sich Mulle überzeugt. Es könne ein beeindruckendes Ambiente mit spezieller Tiefenwirkung geschaffen werden. Details in der Kirche könnten beleuchtet und hervorgehoben werden.

«International ist das gang und gäbe, dass Klassikkonzerte mit einer Lichtchoreografie untermalt werden», weiss Jörg Conrad, Intendant des Festivals. «In der Schweiz ist man diesbezüglich eher konservativ.» Beim Klassik-Osterfestival in Andermatt habe man Pionierarbeit geleistet.

«Das ganze Farbspektrum zur Verfügung»

«Die Verbindung von Musik und Licht ermöglicht eine ganz andere Art, ein Konzert zu geniessen», so Conrad. «Das Auge hört mit.» Die Reaktionen des Publikums seien durchweg sehr positiv. Langsam komme man auch in der Schweiz auf den Geschmack. Andere Klassikfestivals würden ebenfalls beginnen, auf eine Lichtchoreografie zu setzen. Heinz Mulle und seine Mitarbeiter verwenden modernste LED-Technik. «Dadurch sind feine Farbwechsel möglich», erklärt er. «Die Veranstalter können aus dem Vollen schöpfen und haben das ganze Farbspektrum zur Verfügung.» Zudem mache die Technik auch aus energetischer Sicht Sinn, weil sie langlebig, energiesparend und sehr effizient sei. Die Firma plant und installiert die gesamte Beleuchtungstechnik. «Das Licht ist dann nach einer entsprechenden Instruktion leicht zu bedienen», sagt er. «Jeder Scheinwerfer kann bei Bedarf einzeln angesteuert werden.»

Besondere Anpassungen braucht es aber für das Kar­freitagskonzert. Alle sollen im Scheinwerferlicht stehen. Kein leichtes Unterfangen bei derart vielen Sängern und Musikern auf der Bühne: Mit dabei sind der Kirchenchor Bürglen, der Chor molto cantabile und die Festival Strings. Danièle F. Perrin, Mitorganisatorin des Klassik-Osterfestivals, bedient das Mischpult und wechselt Farben und Intensität. Mit ihrer Arbeit hofft sie, beim Publikum nicht nur über die Musik, sondern auch über das Licht Emotionen zu wecken.

Bei Neat-Grosseinsätzen viel dazugelernt

Die in Altdorf ansässige Firma Swiss Light verfügt über eine grosse Erfahrung mit Beleuchtung und Beschallung im Event-Bereich. «Aktiv waren wir ins­besondere auch bei den Grossveranstaltungen beim Bau der Neat», so Mulle. Die Ansprüche seien in diesem Bereich sehr hoch gewesen. Das Arbeiten un­ter Tag habe einen grossen Planungsaufwand mit sich gebracht. Die benötigten Materialien mussten dabei nach einem genau vorgegebenen Plan an ihren Zielort transportiert werden. Gelernt hat Mulle dabei vor allem, mit den Gegebenheiten und dem Ambiente vor Ort zu arbeiten. «Das wirkt viel authentischer und ist nicht gekünstelt.»

Bei der Arbeit für das Klassik-Osterfestival in Andermatt achtet man insbesondere auch darauf, dass der Kirchenbetrieb nicht gestört wird. So sieht man die verlegten Kabel kaum. Die Scheinwerfer sind so aufgestellt, dass sie nicht gross auffallen. Denn über die Ostertage geht der Betrieb in der Kirche weiter wie gewohnt. Die Musik selbst wird in der Kirche nicht verstärkt. «Das würde den Klang eventuell verfälschen», sagt Mulle. «Die Instrumente sollen in der Kirche in ihrem natürlichen Klang zu hören sein.» Einzig die Ansagen sind mit Mikrofon und Lautsprecher unterstützt. Das Klassik-Osterfestival bietet zwar musikalisch hochstehende Klassik. Das Programm richtet sich aber bewusst an ein breites Publikum. «Wichtig ist uns ein Konzerteinstieg, der das Publikum sanft an die Klassik heranführt», sagt Conrad. So lasse man das Konzert beispielsweise mit Beethoven oder Mozart beginnen und mit Ravel ausklingen.

Das Konzept scheint aufzugehen. Bereits beim Eröffnungskonzert mit den Festival Strings und dem Flötisten Sébastian Jacot gab es Standing Ovations. Und auch für die kommenden Konzerte ist der Ticketverkauf gut angelaufen.

Hinweis

Das Klassik-Osterfestival in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Andermatt dauert bis Ostermontag. Billette sind beim Ticket­center Uri, Telefon 041 874 80 09, erhältlich.


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