«Ein gutes Bild entsteht zuerst im Kopf»

KANTON URI ⋅ Ein neues Buch über den Klausen befasst sich mit unbekannten Aspekten des Baus der Passstrasse. Der Urner Fotograf F. X. Brun hat nach alten Bildern geforscht – und sich auf die Suche nach den Sujets gemacht.

27. November 2016, 05:00

Drei Jahre lang war der Urner Fotograf Franz-Xaver Brun ­(siehe Bild) für das Buch «Saumpfad – Lini – Speedway» entlang der Klausenpassstrasse unterwegs. «Der Pass ist nur im Sommer zugänglich, das schränkt zeitlich ein», sagt Brun. Zudem dauerte es oft Stunden, bis er ein Bild wie gewünscht im Kasten hatte. Beispielsweise wenn er ein vorbeifahrendes Postauto ablichten wollte.

Einmal war die Lichteinstrahlung nicht wie gewünscht. Ein anderes Mal querte, just als das Postauto vorbeifuhr, eine Gruppe Touristen die Strasse. Für das Buchprojekt, das er zusammen mit der deutschen Autorin Marion Sauter verwirklicht hat, erhielt Brun im Vorfeld viel Lob. Von der Kunst- und Kulturstiftung Heinrich Danioth wurde er mit einem Projektbeitrag unterstützt. Jetzt ist das Buch gedruckt. Gestern fand im Haus für Kunst Uri die Vernissage statt.

Unbekannte Aspekte des Passes werden beleuchtet

Ausgangspunkt für Bruns Arbeit waren historische Aufnahmen, die Michael Aschwanden um 1900 beim Bau der Passstrasse gemacht hat. F. X. Brun zeigt, wie es mehr als hundert Jahre später dort aussieht. Das neue Buch befasst sich mit unbekannten Aspekten des Baus der Klausenpassstrasse. Erzählt wird vom Dammweg auf dem Urnerboden, von einem Trambahnprojekt oder von der Militärstrasse.

Autorin Sauter ist Architektin und Kunsthistorikerin. Sie unterrichtet an der Hochschule Luzern Architekturgeschichte und hat von 2008 bis 2015 in Uri Baudenkmäler inventarisiert. Ihr Lexikonband zum Schächental und unteren Reusstal erscheint 2017. Die archäologische Ausgrabung eines Gebäuderests am Surenenpass, der aus der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.) stammt, krönte 2013 ihre Forschung. Das Klausenbuch, die Untersuchungen zur Verkehrsgeschichte, hat Sauter parallel zu ihrer Arbeit in Uri verfasst. Die historischen Bilder von Michael Aschwanden und die neuen Aufnahmen von F. X. Brun wiederum zeigen eine eigene Klausenpass-Geschichte auf. Aschwanden verwendete noch Fotoglasplatten. Brun arbeitet mit der heute gängigen Digitaltechnik. Im Direktvergleich wird ersichtlich, wie sich die Landschaft verändert hat. Nicht nur wurden neue Häuser und Strassen gebaut, sondern auch die anders verlaufende Waldgrenze verändert das Bild.

Als Rentner will er seine Bubenträume verwirklichen

Brun hat zwar bereits das Pensionsalter erreicht. Ans Aufhören denkt der 66-Jährige aber nicht. Das Handwerk des Fotografen hat er von der Pike auf gelernt. Die Grundausbildung machte er bei Richard Aschwanden, dem Sohn von Michael Aschwanden. Die Familie betrieb das Fotogeschäft Aschwanden in Altdorf. Später half Brun in Zürich und München aus. Er war als Free­lancer im Einsatz und arbeitete etwa in Deutschland, Frankreich, Italien, den USA und Japan.

1979 gründete Brun mit dem Fotografen Werner Bürgin in Zürich ein Fotostudio. Die beiden fotografierten für Banken, Automobilindustrie und Grossverteiler Inserate, Plakate und für andere Werbebotschaften. Vor zwei Jahren wurden nach 35-jähriger Tätigkeit Fotostudio und Firma aufgelöst. Bereits 2001 konnte Brun das Elternhaus in Altdorf übernehmen und zog von Zürich wieder in den Kanton Uri zurück.

«Von den grossen Werbeprojekten habe ich mich verabschiedet. Ich will jetzt vielmehr an Projekten arbeiten, die über all die Jahre liegen geblieben sind», sagt Brun. Er führt zwar immer noch kommerzielle Aufträge aus, will aber vor allem seine Buben­träume verwirklichen.

Einem Fotografen stehen heute viel mehr Werkzeuge zur Verfügung. Trotzdem ist Brun überzeugt: «Ein gutes Bild entsteht aber immer noch zuerst im Kopf.» Wichtig sei, dass man das Handwerk gelernt habe. «Was damals die Dunkelkammer war, sind heute die Bildbearbeitungsprogramme am Computer.»

Hinweis

Das Buch «Saumpfad – Lini - Speedway» umfasst 216 Seiten und ist im Buchhandel für 69 Franken erhältlich.

Markus Zwyssigmarkus.zwyssig@urnerzeitung.chMarkus Zwyssigmarkus.zwyssig@urnerzeitung.ch


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