Erstmals schafft eine Urnerin den Sprung

SWISS OLYMPIC ⋅ Die in Flüelen wohnhafte Anwältin Ruth Wipfli Steinegger ist seit Freitag neues Mitglied des Exekutivrats des Dachverbands des Schweizer Sports. «Die Wahl glich einem Hitchcock-Krimi», sagt sie.

28. November 2016, 05:00

Ruth Wipfli Steinegger wurde am vergangenen Freitag im fünften Wahlgang in den 18-köpfigen Exekutivrat von Swiss Olympic (siehe Box) gewählt. «Es war eine äusserst emotionale Sache», blickt sie auf den Wahlabend zurück. «Und als es in einem Zweikampf um den letzten der fünf frei gewordenen Sitze ging, erinnerte mich das Ganze gar an einen Hitchcock-Krimi. «Es hat wirklich Nerven gekostet.»

Die in Flüelen wohnhafte Anwältin gehört seit 2001 dem Zentralvorstand von Swiss Tennis an. Seit 2014 amtet sie als Vizepräsidentin. Daneben bringt sie Führungserfahrung auf allen Stufen des Verbands mit. Als Verwaltungsratspräsidentin der Swiss Open Gstaad AG (ATP-Herrenturnier) und als Delegationsmitglied Davis- und Fed-Cup ist sie zudem seit längerem auch eng mit dem Spitzensport verbunden.

«Ein Selbstläufer war das Ganze nicht»

Aufgrund dieses Leistungsausweises und ihrer Erfahrungen durfte sich Ruth Wipfli Steinegger zwar reelle Chancen ausrechnen, als Nachfolgerin von Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach in das leitende Organ des Dachverbands des Schweizer Sports gewählt zu werden. «Ein Selbstläufer war das Ganze aber trotzdem nicht», betont sie.

Kandidatur als «logische konsequenz»

«Wenn man sich von der Basis beim TC Dätwyler über den Regionalverband bis zum Zentralvorstand von Swiss Tennis engagiert hat, dann ist es eigentlich die logische Konsequenz, dass man das Ziel hat, im nationalen Dachverband des Schweizer Sports mitzuwirken», begründet Wipfli Steinegger ihre Kandidatur. «Denn dort werden die wichtigsten strategischen Entscheide für den Schweizer Sport gefällt.»

Gutes Beziehungsnetz aufbauen können

Doch gerade als Kandidatin aus einem kleinen Kanton wie Uri habe man es von Natur aus schwer. «Ich konnte mir aber bei meinen jahrzehntelangen Tätigkeiten für den Sport schweizweit ein sehr gutes Beziehungsnetz aufbauen, das über den Tennissport hinausreicht», erklärt sie. «Das dürfte mir wohl bei der Wahl in den Exekutivrat wichtige Stimmen gebracht haben.» Dass es geklappt habe, sei für sie ein vorgezogenes Geschenk zum baldigen 60. Geburtstag.

«Swiss Olympic sieht sich mit einer Vielfalt von grossen Herausforderungen im sportlichen, im wirtschaftlichen und vor allem im politischen Umfeld konfrontiert», weiss das neue und erste Urner Exekutivratsmitglied. «Ich freue mich sehr darauf, mehrheitsfähige Lösungen zu Gunsten des Schweizer Sports mitentwickeln zu können.» Als wohl grösste Herausforderung von Swiss Olympic sieht Wipfli Steinegger die allfällige Kandidatur für die Winterspiele 2026. Wie viel Zeit ihr neues Mandat in Anspruch nehmen wird, kann sie noch nicht abschätzen. «Das wird ganz davon abhängen, für welche Bereiche ich zuständig sein werde.»

«Engagierte und kompetente Fachfrau»

«Es freut mich sehr, dass Swiss Tennis als drittgrösster Schweizer Sportverband weiterhin im Führungsgremium von Swiss Olympic Einsitz hat», sagt Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach. «Mit Ruth Wipfli Steinegger erhält das Gremium eine engagierte, kompetente Fachfrau, die jahrelange wertvolle Erfahrung im nationalen und internationalen Sport wird einbringen können», lobt er seine Nachfolgerin im Exekutivrat.

85 Verbände mit 20 000 Vereinen

Swiss Olympic ist Nationales Olympisches Komitee der Schweiz und zugleich Dachverband der Schweizer Sportverbände, die olympische und nichtolympische Sportarten vertreten. Die 85 angeschlossenen Verbände zählen in über 20000 Vereinen 1,6 Millionen Mitglieder. Der 18-köpfige Exekutivrat ist das leitende Organ von Swiss Olympic. Er bereitet die Beschlüsse des Sportparlaments vor, sorgt für deren Vollzug und vertritt Swiss Olympic nach aussen. Der Exekutivrat setzt sich aus dem Präsidenten, den beiden Athletenvertretern, dem Vertreter des Bundes und demjenigen der Kantone, den vier Schweizer IOC-Mitgliedern und neun weiteren Mitgliedern zusammen.  

Bruno Arnold


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