«Es ist eine Mentalitätsfrage»

ARBEITSLOSIGKEIT ⋅ Einige Kantone machen mit Kampagnen auf die Anliegen älterer Arbeitskräfte aufmerksam. In Uri sieht man keinen Handlungsbedarf und verweist auf die Zusammenarbeit mit Schwyz.

19. Oktober 2016, 05:00

Philipp Zurfluh

Die aktuellsten Arbeitslosenzahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen eine klare Tendenz auf: Gemäss der Statistik waren im September knapp 36 000 Menschen über 50 arbeitslos. Das entspricht einem Anteil von 25,2 Prozent.  Nun gibt es verschiedene Kantone, die sich für Stellensuchende, die über 50 Jahre alt sind, mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen einsetzen. So hat beispielsweise der Kanton Zug vor kurzem unter dem Titel «Alter vor Potenzial» eine solche Aktion lanciert. Im Kanton Uri jedoch fehlte bisher eine solche Kampagne.

Trotzdem ist die Problematik auch im Kanton Uri bekannt. Ältere Stellensuchende haben zunehmend Schwierigkeiten, wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Markus Indergand, Vorsteher des Amts für Arbeit und Migration der Volkswirtschaftsdirektion, sagt im Interview, wie sich der Kanton Uri für die Belange der über 50-Jährigen einsetzt. Er erklärt, warum man auf eine Kampagne zur Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema verzichtet.

Markus Indergand, wie setzt sich der Kanton Uri für Stellensuchende ein, die über 50-jährig sind?
Der Kanton unternimmt nichts Spezielles für Arbeitslose, die über 50-jährig sind. Wir arbeiten aber in diesem Bereich eng zusammen mit dem Kanton Schwyz. Dieser hat ein Programm lanciert, das sich um den Berufswiedereinstieg für diese Altersgruppe kümmert. Wir schicken ältere Stellensuchende nach Schwyz, die vom dortigen Job-Coaching profitieren können. Wir haben bisher äusserst positive Rückmeldungen erhalten.

Was halten Sie von Kampagnen, die sich dieser Problematik widmen und die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren?
Grundsätzlich befürworte ich Aktionen, die auf das Problem aufmerksam machen wollen. Wenn man jedoch bei uns die Arbeitslosenzahlen über die Altersstruktur hinweg betrachtet, besteht zurzeit im Kanton Uri kein Handlungsbedarf. Das Problem ist viel weniger akut als in anderen Kantonen. Wir sind jedoch ständig im Austausch mit den Zentralschweizer Kantonen und diskutieren Massnahmen für die Arbeitsintegration auch von älteren Arbeitnehmern.

Inwiefern engagiert sich der Kanton generell, um Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren?
Unser Ziel ist es, alle Arbeitslosen möglichst rasch und nachhaltig wieder in eine neue Arbeitsstelle zurückzuführen. Für Lehrabgänger haben wir spezifische Angebote, die beim Einstieg in die Berufswelt helfen.

Ist der Kanton Uri im Vorteil, weil die Zusammenarbeit zwischen dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) und den Arbeitgebern seit Jahren so gut funktioniert?
Das RAV arbeitet eng mit den Unternehmen zusammen. Es versucht, die Arbeitslosen zeitnah bei einem Arbeitgeber unterzubringen und zu beschäftigen. Das RAV kümmert sich intensiv um die Anliegen von Stellensuchenden und leistet ihnen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess Unterstützung.

Die aktuellsten Arbeitslosenzahlen zeigen, dass die Arbeitslosenquote in Uri bei gerade mal 0,9 Prozent liegt. Welche Gründe sehen Sie, warum die Zahl deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt liegt?
Uri liegt seit Jahren deutlich unter dem Durchschnitt der Schweizer Kantone. Es hat sicher auch damit zu tun, dass die Urner ihre Eigenverantwortung wahrnehmen. Nach dem Verlust des Arbeitsplatzes wollen die Urner möglichst rasch wieder einen Job finden. Es ist somit auch eine Mentalitätsfrage.


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