Gemeinde übernimmt «Rosenberg»

ALTDORF ⋅ Die Korporation Uri und die Bürgergemeinde Altdorf ziehen sich aus der Leitung des Alters- und Pflegeheims Rosenberg zurück. Das Sozialwesen sei heute Sache der Gemeinde.
15. April 2017, 08:41

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Heute gehört das Alters- und Pflegeheim Rosenberg in Altdorf der Korporation Uri (50 Prozent), der Bürgergemeinde Altdorf (25 Prozent) und der Gemeinde Altdorf (25 Prozent). Doch dies dürfte sich nun bald ändern. Korporation und die Bürgergemeinde möchten sich aus der Leitung zurückziehen. Die Gemeinde Altdorf soll künftig die alleinige Verantwortung tragen.

Konkret heisst dies: Der «Rosenberg» braucht deshalb eine neue Trägerorganisation. Die einfache Gesellschaft soll per 2018 in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft übergehen. Am Donnerstag haben Gemeindepräsident Urs Kälin, Korporationsvizepräsident Peter Ziegler und Bürgerrat Stefan Jauch an einer Presseorientierung über die geplante Umstrukturierung informiert. Alle drei betonten, dass die geplante Änderung für die rund 130 Bewohner und 170 Angestellten keine Konsequenzen haben werde.

Gemeinde trägt bereits heute finanzielle Hauptlast

Dass sich Bürgergemeinde und Korporation nun aus der Trägerorganisation des «Rosenbergs» zurückziehen wollen, kommt nicht überraschend. «Das war eigentlich schon länger ein Thema», sagt Stefan Jauch. Und Urs Kälin ergänzt: «Es geht dabei auch niemandem um wirtschaftliche Vorteile, sondern um eine Optimierung des Betriebs.»

Die Gründe dafür sind vielschichtig: So gehört das Sozialwesen eigentlich bereits seit 1984 nicht mehr zum Aufgabenbereich der Korporation und der Bürgergemeinde. Zudem ist seit 2012 die Gemeinde für die Finanzierung der Landzeitpflege zuständig. Mit anderen ­Worten: Obwohl heute die Gemeinde die finanzielle Hauptlast des «Rosenbergs» trägt, hat sie bisher ein verhältnismässig kleines Mitspracherecht. Künftig kann sie aber mehr Einfluss auf die strategische Ausrichtung haben.

Korporation erhält dafür einen Bauernhof

«Dazu kommt, dass die Entscheidungswege durch die Beteiligung von drei Institutionen heute sehr träge sind», sagt ­Kälin. Das Altersheim brauche nun eine schnellere und flexiblere Struktur. Denn der «Rosenberg» müsse sich zunehmend auch im Markt behaupten. «Die Leute treten heute viel später in ein Heim ein», so Kälin. Dadurch gäbe es auch nicht mehr so lange Wartelisten. «Wir ­stehen also in Konkurrenz mit ambulanten Lösungen und anderen Heimen.»

Zudem muss das 1982 in Betrieb genommene Alters- und Pflegeheim in naher Zukunft umfassend saniert und dem gestiegenen Pflegebedarf angepasst werden. Dabei erhält die Gemeinde nun mehr Gestaltungsspielraum. Die Sanierung soll übrigens durch Rückstellungen aus dem Betrieb finanziert werden.

Bevor die bisherige Trägerschaft aufgelöst wird, müssen nun die Eigentumsverhältnisse geregelt werden. «Dies soll ohne Ausgleichszahlungen und Geldabflüsse vonstattengehen», sagt Korporationsvizepräsident Ziegler. Der Boden, auf dem das Heim im Baurecht steht, gehört heute je zur Hälfte der Korporation und der Bürgergemeinde. Die Bürgergemeinde übernimmt nun die gesamte Bodenfläche und nimmt folglich auch im künftigen Leitorgan wieder Einsitz. Dafür tritt sie der Korporation Uri die landwirtschaftliche Liegenschaft ­Byfang mit dem sogenannten «Waisenhaus- Gadä» an der ­Seedorferstrasse ab. Der rund 10 Hektaren umfassende Hof gehörte zum früheren Armengut der Bürgergemeinde.

Das letzte Wort hat das Altdorfer Stimmvolk

Die Bürgergemeinde Altdorf wird an ihrer Versammlung vom 27. April über den geplanten Austritt aus der «Rosenberg»-Trägerschaft befinden, der Korporationsrat an seiner Sitzung vom 23. Juni. Zudem ist im Herbst eine kommunale Urnenabstimmung in Altdorf geplant.

«Dass sich Bürgergemeinden und Korporationen durch die veränderten Rahmenbedingungen immer mehr aus Altersheimen zurückziehen, ist nichts Aussergewöhnliches», sagt Urs Kälin. Und Peter Ziegler ergänzt: «Ähnliche Betriebsmodelle haben sich zudem bewährt – auch im Kanton Uri.» Bürgergemeinden hätten ja bereits an mehreren Orten ihre Heime der Verwaltung der Gemeinde übergeben.


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