Andermatt eröffnet Vorzeigezentrum im Bereich Gesundheit

URI ⋅ Am 1. Dezember nimmt das Gesundheitszentrum den Betrieb auf. Damit wird der erste von mehreren Schritten zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung im Urserntal getan.

25. November 2016, 05:00

Dienstag, 22. November: Auf den Liegenschaften der Korporation Ursern an der Gotthardstrasse 22 und 24 in Andermatt herrscht emsiges Treiben. Auf der Parzelle 255 frisst sich ein Bagger in den Beton. Dort wird das markante Post­gebäude abgerissen. Ende 2018 soll auf diesem Grundstück das neue Seniorenzentrum stehen – inklusive eingemie­teter Poststelle Andermatt.

Auf der Parzelle 254 nebenan, im ehemaligen Kommandogebäude Süd der Armee, geben sich an diesem Morgen Maler, Schreiner und Elektriker die Türklinke in die Hand. Das denkmalgeschützte Haus wird seit Anfang 2016 für rund 4,5 Millionen Franken in ein Gesundheitszentrum umgebaut. Bauherrin ist – wie beim Seniorenzentrum dereinst auch – die Stiftung Betagten- und Pflegeheim Ursern, in der die Einwohnergemeinden Andermatt, Hospental und Realp, die Bürgergemeinde Andermatt und die Korporation Ursern vertreten sind.

Von der Arztpraxis bis zur Kindertagesstätte

«Mit dem Senioren- und Gesundheitszentrum haben wir eine integrative Lösung gefunden», freut sich Christoph Gähwiler, Leiter des Betagtenheims Ursern und Mitglied der von der Stiftung eingesetzten Projektgruppe. «Die Alters- und Gesundheitsversorgung des ganzen Urserntals kann im Neubau und in der Armee-Villa Süd an einem zentralen Ort zusammengefasst werden.» In der neuen Praxis im Parterre des denkmalgeschützten Hauses will Hausarzt Dr. med. Michael Schmid bereits in wenigen Tagen die Patienten empfangen – falls immer möglich zusammen mit einem Assistenten. Im ersten Obergeschoss werden eine Physiotherapie- und eine Notfallpraxis sowie der Mannschaftsraum für den Rettungsdienst des Kantonsspitals Uri untergebracht. Die Spitex Uri, eine Hörmittelzentrale und nach Möglichkeit auch ein Zahnarzt/Dentalhygieniker oder andere Gesundheitsdienstleister sollen im zweiten Ober­geschoss Platz finden. Schliesslich wird sich im neuen Dachgeschoss ab Februar 2017 die Kindertagesstätte Paradiesli von Celine Baumann einmieten.

Demnächst bezogen werden kann die knapp 1 Million Franken teure und von der Korporation Ursern finanzierte Tiefgarage nördlich des Gesundheitszentrums. Dort stehen bald 20 unter- und 14 oberirdische Parkplätze zur Verfügung. Aus der Tiefgarage kann man direkt ins Gesundheits- und später auch ins Seniorenzentrum gelangen. In der Garage wird zudem das Ambulanzfahrzeug des Rettungsdiensts des Kantonsspitals Uri stationiert sein (siehe auch Box).

Betagtenheim ist eingekesselt worden

Rückblick: Wunderschön im Grünen gelegen, mit Blick in eine herrliche Berglandschaft und Richtung Schöllenen, umgeben von Bäumen, Brunnen und Sitzgelegenheiten: So präsentierte sich das Betagtenheim Ursern an der Parkstrasse in Andermatt noch vor wenigen Jahren. Doch der einst ideale Wohn- und Lebensraum für Senioren ist mittler­weile durch die mächtigen Bauten des Ferienresorts von Samih Sawiris fast rundherum eingekesselt. Der Blick der Bewohner schweift nicht mehr zu den nahen Gipfeln, er bleibt an den Holz- und Betonwänden des Hotels The Chedi und der Residenzen hängen.

Sawiris-Projekt bringt Licht und Schatten

Wie die meisten Einheimischen, so freute sich auch der Leiter des Betagtenheims Ursern, Christoph Gähwiler, als die Pläne von Investor Samih Sawiris bekannt wurden: «Das Resort bringt dem Tourismus im Urserntal den ersehnten Aufschwung», zeigte er sich überzeugt. Der heute 68-jährige Gähwiler erkannte aber gleichzeitig auch, dass die Verwirklichung des «Chedi»-Projekts negative Konsequenzen für das Betagtenheim haben würde. «Das Hotel und die Appartements werden uns Licht und Aussicht nehmen», betonte er 2008 im Gespräch mit unserer Zeitung. «Das bringt eine massive Einbusse der Lebensqualität. Ein neuer Heimstandort ist somit ein absolutes Muss.»

Das «Chedi» war allerdings nicht der einzige Grund für die Umzugspläne. Gähwiler hatte längst erkannt, dass auch die Infrastrukturen des Heims den Anforderungen an ein modernes Betagten- und Pflegeheim in keiner Weise mehr entsprachen. Konkret meinte er etwa unattraktive Doppelzimmer, enge Gänge oder fehlende Personalräumlichkeiten. Und für den Heimleiter mit abgeschlossenem Ökonomiestudium war die Führung des Heims auch aus wirtschaftlichen Gründen mittelfristig nicht mehr tragbar – nicht zuletzt aufgrund des wachsenden Pflegeaufwands. 2009 wurde die Trägerschaft des Betagtenheims erstmals offiziell über die von Gähwiler initiierten Aktivitäten zur Neuausrichtung des Heims informiert.

Bereits damals hatte Gähwiler eine Vision, die über die reine Standortsuche für ein Betagten- und Pflegeheim hinausging: «Im Urserntal gibt es nicht nur die Bedürfnisse der Senioren, sondern auch das Problem der medizinischen Grundversorgung und des Notfalldiensts», so der Vorreiter. Für ihn konnte die Lösung nur ein Senioren- und Gesundheitszentrum Ursern sein. Oder anders gesagt: Ihm schwebte eine gesamtheitliche Lösung mit diversen Gesundheitsdienstleistungen unter einem Dach vor, dies in Kombination mit der neuen Senioren­residenz. «Ein solches Zentrum erlaubt es uns, Synergien zu nutzen», so Gähwiler. Betreffend Standort wurde man schliesslich bei der Armee, der Korporation Ursern und der Post fündig (siehe Box).

Seniorenzentrum ist bereits aufgegleist

In wenigen Tagen wird das Gesundheitszentrum von den ersten Mietern be­zogen. «Damit ist ein echter Meilenstein gesetzt», freut sich Gähwiler. Er erwähnt aber umgehend auch: «Meine Vision ist aber erst dann Realität, wenn auch das neue Seniorenzentrum mit 30 Einerzimmern und zwei Ferienstudios bezogen werden kann.» Dies dürfte Ende 2018 der Fall sein. Die Bauarbeiten für das rund 14 Millionen Franken teure Objekt werden Anfang 2017 aufgenommen.

Bruno Arnold


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