Hausärzte sollen entlastet werden

VERSAMMLUNG ⋅ In der medizinischen Grundversorgung wird ein neues Modell getestet. Es beinhaltet den Einsatz von sogenannten Pflegeexpertinnen.

21. März 2017, 07:50

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

An der gestern in Erstfeld abgehaltenen Urner Gesundheitskonferenz stand das Thema Einsatz von Pflegeexpertinnen in Hausarztpraxen im Zentrum. Mit mehreren Referaten wurde aufgezeigt, welche Möglichkeiten und Perspektiven Pflegeexpertinnen für die medizinische Grundversorgung bieten und wie die praktische Umsetzung im Kanton Uri geplant ist.

In Uri werden in den nächsten Jahren rund 50 Prozent der Hausärzte pensioniert. Nun laufen Bestrebungen, neue Versorgungsmodelle für die Hausarztpraxis zu entwickeln. Viel verspricht man sich vom Einsatz von Pflegefachpersonen mit Hochschulbildung, sogenannte Advanced Nurse Practitioners (ANP). Dieses Modell wird in vielen europäischen Ländern angewandt. In der Schweiz gibt es erst einzelne Hausarztpraxen, die Pflegefachpersonen einsetzen.

Das Schwerpunktthema wurde nicht von ungefähr gewählt. In Uri ist ein Pilotprojekt mit dem ­Titel Nurse Practitioners (NP) in der hausärztlichen Grundversorgung lanciert worden. Die beiden Ärzte Christoph Merlo und Stefan Essig vom Institut für Hausarztmedizin und Community Care in Luzern, das die Projektleitung ­innehat, stellten es gestern vor.

Gesundheitsdirektorin sieht Chancen

«Das ist ein sehr erfolgversprechender Ansatz», sagte Gesundheitsdirektorin Barbara Bär. «Alle Partner, die es braucht, sind mit an Bord.» Die Voraussetzungen würden stimmen. Sie sei überzeugt, dass der Einsatz von Pflegeexpertinnen vielfältige Möglichkeiten und Perspektiven bieten würde. Das Projekt verfolge eine nachhaltige und qualitativ hochstehende medizinische Grundversorgung durch die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Pflegeexpertinnen und Medizinischen Praxisassistentinnen. Mit dem Urner Pilotprojekt solle die Rolle der Pflegeexpertin in der Hausarztpraxis definiert, erprobt und evaluiert werden.

Zum Aufgabenfeld von NPs sagte Essig: «Durch die Kombination aus pflegerischem und erweitertem medizinischem Wissen können sie eine Vielzahl von Tätigkeiten in der Grundversorgung ausüben, unter anderem Hausbesuche und koordinative Aufgaben, wodurch Hausarztpraxen entlastet werden.» Mittlerweile ist in Uri eine NP rekrutiert worden. Es handelt sich um eine Pflegeexpertin des Kantonsspitals Uri. Sie wird mit einer Bürgler Hausarztpraxis zusammenarbeiten. Der Startschuss soll im Mai erfolgen, sofern der Regierungsrat den entsprechenden Projektbeitrag absegnet.

Abgerundet wurde der Infoblock mit einem Referat von Hausarzt Beat Staub und Pflegeexpertin ANP Corina Wyler, die in einer Hausarztpraxis im Tösstal zusammenarbeiten. Sie gaben Einblicke und berichteten über ihre Erfahrungen mit dem hierzulande noch seltenen Modell.

Projektleiter Hans Peter Stutz orientierte über die geplanten Tätigkeiten im Gesundheitsnetzwerk Uri. Dabei ging er auf die wachsende Bedeutung der Zusammenarbeit in der Grundversorgung ein. Stutz wies darauf hin, dass der Kanton Uri keine einfache Ausgangslage habe. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2013 sei er beim Gewinnen ­neuer Ärzte weit hinter den umliegenden Kantonen hinterhergehinkt.

Urner Ärzte zurück in den Kanton holen

«Es sind spezielle Anstrengungen nötig, um für Uri die bestmögliche Entwicklung zu erreichen», betonte Stutz. Konkret hat man Urnerinnen und Urner im Auge, die Medizin studieren. Man ist bestrebt, mit ihnen Kontakt zu halten und sie dazu zu gewinnen, dereinst in ihrem Heimatkanton tätig zu werden. Zweimal jährlich werden seit 2012 Veranstaltungen für diese Zielgruppe durchgeführt, beispielsweise Besuche in der Rega-Basis in Erstfeld oder im Kantonsspital Uri. «Bis jetzt war das Gesundheitsnetzwerk Uri hauptsächlich auf das Thema ärztliche Versorgung fokussiert», so Stutz. «Aber wir sind bestrebt, in Zukunft auch andere Berufsfelder, die zur Grundversorgung gehören, zu fördern und zu unterstützen.»


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