Hundehalterin muss für zwei tote Hühner büssen

TIERSCHUTZ ⋅ Weil ihr Hund zwei Hühner gejagt hat, musste sich eine Urnerin gestern vor dem Landgericht verantworten. Nach langer Diskussion entschied sie sich jedoch, die Einsprache gegen den Strafbefehl zurückzuziehen und die Busse zu akzeptieren.
15. März 2017, 08:57

Im Juli 2014 ging eine Urnerin mit ihrem unangeleinten Hund in Flüelen spazieren. Im Bereich des Fussballplatzes hielten Pfadfinder zwei Hühner als Maskottchen in einem provisorischen Gehege. Als der Hund die gefiederten Tiere sah, griff er diese an und tötete sie, woraufhin der Pfadileiter die Polizei informierte. Da die Hundehalterin mit der Schilderung des Sachverhalts im Strafbefehl nicht einverstanden war, wurde der Fall gestern vor dem Urner Landgericht verhandelt.

Die Urnerin verzichtete auf einen Anwalt und probierte wortgewaltig, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Der Hund sei nicht etwa auf die Hühner losgegangen, wie sich das im Strafbefehl herauslesen lasse. Vielmehr sei er bereits an den Hühnern vorbei gewesen, als sie die Richtung gewechselt und ihn zu sich gerufen habe, worauf ihr der Hund sofort gefolgt sei. Dadurch seien die Hühner aufgeschreckt worden und hätten so die Aufmerksamkeit ihres Hundes erregt.

Huhn ins Maul genommen und geschüttelt

Dass die zwei Hühner in der Folge gestorben sind, stellte die Hundehalterin nicht in Abrede. Dass dies aber durch einen Biss passiert sein soll, stritt sie vehement ab. «Mein Hund hat die Hühner nicht gebissen. Er hat sie gejagt. Das ist ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied.» Dass ein Hund nicht beissen dürfe, sei klar. Das Jagen aber liege in der Natur jedes Hundes.

Konkret müsse man sich das so vorstellen, erklärte die Beschuldigte im Anschluss an die Verhandlung: Der Hund habe das eine Huhn lediglich ins Maul genommen und geschüttelt – «wie das Jagdhunde oder Hunde im Spiel mit Plüschtieren nun mal tun». Blut sei keines geflossen. Vielmehr habe sich das Huhn wohl das Genick gebrochen, das andere sei vor Schreck gestorben.

Sie verstehe nicht, wieso so ein grosses Drama um die Sache gemacht werde, hielt die Hundehalterin vor Gericht fest. Schliesslich habe sie den Pfadfindern den Verlust der Hühner mit 100 Franken beglichen. Ausserdem sei sie regelmässig dort spazieren gegangen, und ihr Hund gehorche sehr gut. «Dass da plötzlich Hühner sind, konnte ich beim besten Willen nicht voraussehen», so die Beschuldigte. «Das war ein Unfall, der jedem hätte passieren können.» Dass sie nun Verfügungen vom Veterinäramt erhalten habe, dass ihr Hund einen Maulkorb tragen und stets an der kurzen Leine gehalten werden muss, verstehe sie nicht. Und es stimme auch nicht, dass sie sich nicht an die Verfügungen halte, wie ebenfalls im Strafbefehl aufgeführt ist. Das Veterinäramt habe offenbar etwas gegen sie.

Hund darf Tiere und Menschen nicht gefährden

Heinz Gisler wies die Beschuldigte mehrmals darauf hin, dass die Verfügungen des Veterinäramts nicht Bestandteil der Verhandlung seien. Er müsse lediglich beurteilen, ob sie beim besagten Spaziergang in Flüelen gegen die Vorschriften über die Tierhaltung verstossen habe oder nicht. Derzufolge haben Hundehalter nämlich «Vorkehrungen zu treffen, damit der Hund Menschen und Tiere nicht gefährdet». Sie hätte also den Hund an der Leine führen sollen, um zu verhindern, dass die Hühner in Gefahr geraten. Dass sie mit der Situation nicht rechnen konnte, habe keinen Einfluss. Hundehalter müssten ihre Tiere jederzeit kontrollieren können und auch mit Unvorhergesehenem rechnen.

So liess Gisler mehrmals durchblicken, dass die Prozesschancen für die Beschuldigte gering seien. Bis sich die Hundehalterin schliesslich ein Herz fasste und die Einsprache gegen den Strafbefehl zurückzog. «Ich spare mir das Geld und die Energie lieber, um mit einem Anwalt gegen das Veterinäramt vorzugehen», so die Beschuldigte.

Damit ist der Strafbefehl in Rechtskraft erwachsen, und die Beschuldigte muss wegen fahrlässiger Missachtung der Vorschriften über die Tierhaltung eine Busse von 800 Franken zahlen sowie die amtlichen Kosten von 350 Franken tragen.

 

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch


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