Immer mehr Auswärtige bauen

KANTON URI ⋅ Die Bauwirtschaftskonferenz Uri blickt mit Skepsis in die Zukunft. Sorgen bereiten die immer grösser werdenden Pakete, die oft nicht ohne Zusammenarbeit mit anderen Firmen zu bewältigen sind.
16. März 2017, 07:36

Georg Epp

redaktion@urnerzeitung.ch

Kräne und Baumaschinen zieren zurzeit überall im Urner Tal­boden das Ortsbild. Doch obwohl im Hochbau Hochbetrieb herrscht, stehen viele Baumeister vor Problemen. Dies ging aus der 21. Plenarversammlung der Bauwirtschaftskonferenz Uri hervor. Präsident Benno Kälin zumindest zeichnete ein düsteres Bild für die Zukunft. Zwar sind die Mitglieder der Bauwirtschaftskonferenz Uri (BWK) im Planungssektor sehr gut ausgelastet – und es gibt eher zu viele als zu wenig Aufträge. Doch Geld zu verdienen, sei schwierig, da die Margen sehr schlecht seien.

Beim Kanton wird zurzeit kaum gebaut. Das Ende der Investitionen in das Hochwasserschutzprogramm spürt man im Tiefbau deutlich. Dafür ist der private Wohnungsbau momentan sehr aktiv. Allerdings sind immer häufiger auswärtige Investoren mit eigenen Planer- und Unternehmerteams in Uri vertreten. Und weiter wird befürchtet, dass der Leerwohnungsbestand zunimmt.

Immer grössere Projektpakete

Ausserdem ist der Trend festzustellen, dass Projekte in der Regel grösser und komplexer werden – wodurch grössere Kapazitäten bei der Planung benötigt werden. Die eigenständigen Urner Büros sind in diesem Markt gefordert und gezwungen, sich projektweise zu einer IG zu gruppieren oder sich sogar grossen auswärtigen Planern anzuschliessen. Dadurch werden aber auch immer wieder Nischen geöffnet, die durch kleinere Urner Planer ausgenützt und ausgefüllt werden können. Sorgen bereiten der BWK auch die vielen Auflagen des Amts für Umweltschutz, wovon Planer wie Bauleiter betroffen sind. «Den Auflagen und der Kontrolle derselben durch die Umweltdirektion und die Bewilligungsbehörden fehlt oft die Nähe zur Ausführungs- und Umsetzungspraxis», meinte Benno Kälin.

Der Präsident kann sich zudem dem Eindruck nicht verwehren, dass Grossprojekte den einheimischen Planern und Unternehmen nicht zugetraut werden. «Es fehlt das Vertrauen in ihre Qualität, Kompetenz und Kapazität.» Die Öffentlichkeit müsse zu den bestehenden Urner Unternehmen mehr Sorge tragen. Gerade auch, um sich profilieren zu können. Mit einer geeigneten Vergabepraxis und mit geeigneten Projektdefinitionen könnten Spezialisten gefördert und Qualitäten geschaffen werden beziehungsweise erhalten bleiben.

Mit Stolz präsentierte Benno Kälin die Mitgliederstatistik. Die BWK hat aktuell 59 Mitglieder: davon 16 Bauunternehmen, 15 Architekturbüros, 16 Ingenieurbüros, 8 Betriebe im Bereich Beton, Betonvorfabrikation, Baumaterialien, Transporte, 3 Banken und 1 Gönner.

Ein grosser Beitrag an die Volkswirtschaft

Die Bauwirtschaftskonferenz repräsentiert eine Mitarbeiterzahl von knapp 1300 Arbeitnehmern, das sind rund 60 Prozent der im Baugewerbe Tätigen und etwa 7 Prozent aller im Kanton Uri Beschäftigten. Von den 55 Urner Bau- und Planungsfirmen sind 42 Lehrbetriebe, sie bilden gesamthaft jährlich 129 Lernende aus. «Die Bauwirtschaft des Kantons Uri trägt mit ihrem Angebot an Arbeitsplätzen einen grossen Teil zur Volkswirtschaft bei», so ­Benno Kälin.

Kassier Oskar Vollenweider präsentierte Mehreinnahmen von 687 Franken, das Vermögen des Verbandes beträgt aktuell 31751 Franken.

Der Urner Baudirektor Roger Nager informierte die Teilnehmer der Plenarversammlung über die Planung rund um den Kantonsbahnhof Altdorf, der Teil des regionalen Gesamtverkehrskonzepts ist (siehe Seite 19). Für die Wirtschaft und für die Urner Bevölkerung sei der Kantonsbahnhof sehr wichtig. «Die Nachbarkantone Schwyz, Nidwalden und Obwalden beneiden uns, dass es der Kanton Uri geschafft hat, den Urner Talboden so zu planen, dass mit dem Kantonsbahnhof Altdorf ab 2021 die Neat-Halte im Kanton Uri Tat­sache werden», so Nager.


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