Kantonsspital reagiert auf leere Betten

URI ⋅ Patienten verlassen heute die Geriatrie im Schnitt deutlich schneller als noch vor zwei Jahren. Deshalb hat man nun die Abteilung von drei auf zwei Stockwerke verkleinert.

02. Februar 2016, 05:00

Die Menschen in der Schweiz werden immer älter. Entwickelt sich die Bevölkerung im Kanton Uri wie erwartet, so wird die Zahl der Personen über 65 Jahren laut Bundesamt für Statistik (BFS) bis zum Jahr 2035 massiv ansteigen: Aktuell leben in Uri rund 6250 Personen, die das Pensionsalter erreicht haben. 2035 sollen es 10 300 sein. Diese demografische Entwicklung hat Einfluss auf den Bedarf an Plätzen in der Geriatrie, in Alters- und Pflegeheimen.

Anzahl Patienten ist konstant

Mit dieser Prognose im Hinterkopf überrascht es, dass die Anzahl belegter Betten in der Geriatrieabteilung des Kantonsspitals Uri (KSU) in den vergangenen zwei Jahren deutlich gesunken ist. Als Reaktion darauf wird in der Geriatrie des KSU seit Januar sogar eines von drei Stockwerken nicht mehr belegt. «Wir haben aber immer noch etwa gleichviel Geriatrie-Patienten wie früher», betont Silvia Rosery, Leiterin des Pflegedienstes. «Doch heute ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer deutlich kürzer.»

Diese Entwicklung hat unter anderem eine politische Ursache: Der Kanton hatte 2012 beschlossen, dass die Geriatrieabteilung mit dem Neubau des KSU bis spätestens 2023 verschwindet. Dann werden im Spital keine stationären Langzeitpflegeplätze mehr betrieben. Und somit wird auch keine «Pufferfunktion» zu Gunsten der Gemeinden mehr erbracht. Der Langzeit-Versorgungsauftrag für ältere Mitmenschen fällt also bald ausschliesslich den Gemeinden zu. Diese reagieren schon heute darauf, indem mehr Angebote im Pflegebereich geschaffen werden. Zudem ist mit Inkrafttreten der neuen Pflegefinanzierung per Januar 2011 «Akut- und Übergangspflege» als eigene Leistung im Krankenversicherungsgesetz (KVG) aufgenommen worden. Die Leistungen der Akut- und Übergangspflege können somit sowohl ambulant durch die Spitex oder andere Pflegefachpersonen als auch stationär durch Pflegeheime erbracht werden.

«Offensichtlich haben solche Faktoren zu einer Veränderung geführt, die wir nun spüren», erklärt Rosery. «Gemeinden holen Geriatrie-Patienten heute schneller zu sich ins Alters- oder Pflegeheim. Es ist auch so, dass Patienten aus dem Akutspital vermehrt direkt nach Hause gehen und sich dort pflegen lassen – etwa von der Spitex.» Wiederum andere würden Rehabilitationszentren aufsuchen oder sonstige Entlastungsangebote in Anspruch nehmen.

«Verschiebung ist positiv»

«Ich vermute, dass es mittlerweile mehr Alternativlösungen für eine Langzeitpflege gibt», so Rosery. «Diese Entwicklung ist gewollt und aus Sicht des Spitals positiv. Persönlich glaube ich auch nicht, dass diese Verschiebung bereits abgeschlossen ist.» Bei einer relativ konstanten Anzahl Geriatrie-Patienten verzeichnete das KSU 2012 insgesamt rund 10 000 Pflegetage. 2014 waren es 6500.

Kein Patient wird abgewiesen

Bis Ende 2015 verfügte das KSU in der Geriatrie über 39 Betten. Seit Anfang 2015 blieben regelmässig 12 bis 15 dieser Betten leer. «Auch schon 2014 hatte es immer wieder ungenutzte Betten», erinnert sich Rosery. «Ein Spital denkt auch unternehmerisch. Für uns hat es deshalb wenig Sinn gemacht, weiterhin drei Stockwerke zu betreiben. Dafür braucht es deutlich mehr Personal.» Noch wird das unbelegte Stockwerk aber nicht alternativ genutzt. «Wir wollen die Entwicklung abwarten», sagt Rosery. Man gehe aber nicht davon aus, dass sich die Situation plötzlich ändert. Das Spital hat die Urner Gemeinden bereits im Dezember über das Zusammenlegen der Stockwerke informiert. «Auch jetzt haben wir noch freie Betten», versichert Rosery. «Wir haben nie einen Patienten abgewiesen.»

Anian Heierli


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