Kläranlage mit bewegter Geschichte

ARNI ⋅ Der Bau und die ersten Jahre der Pflanzenkläranlage waren eine schwierige Zeit. Heute jedoch funktioniert die Anlage einwandfrei. Aus verschiedenen Gründen ist es aber bei dem einen Projekt geblieben.
18. April 2017, 09:28

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Es war ein Pilotprojekt und daher mit einigen Unsicherheiten verbunden. Vor zehn Jahren wurde auf dem Gemeindegebiet Gurtnellen eine der ersten Pflanzenkläranlagen in der Deutschschweiz gebaut. Auf dem Arni sollte fortan die Natur das Abwasser reinigen.

Philipp Sicher, der das entsprechende Ressort damals im Gurtneller Gemeinderat innehatte, kannte Pflanzenkläranlagen aus Frankreich. «Wir hatten nach einer günstigen Alternative für die Abwasserreinigung gesucht», erinnert er sich. «Daher haben wir uns gedacht, wir könnten es einmal versuchen und auf dem Arni eine Pflanzenkläranlage bauen.»

Zweimal waren Projekte an der Urne gescheitert

Neue Ideen waren damals gefragt. Das EWA und Private hatten Parzellen auf dem Arni, die sie bebauen wollten. Doch ohne neue Kläranlage war dies nicht möglich. Da die Bebauungspläne zehn bis zwölf Parzellen betrafen, durfte die Abwasserentsorgung aber auch nicht zu teuer sein.

Bereits zweimal hatte die Gurtneller Stimmbevölkerung an der Urne Kreditbegehren für eine Kläranlage auf dem Arni abgelehnt. Im Juni 2001 wurde ein Kredit von 2,2 Millionen Franken bachab geschickt. Das Projekt hätte eine Abwasserleitung nach Amsteg und dort die Einleitung ins bestehende öffentliche Kanalisationsnetz vorgesehen. Ende 2002 verwarfen die Stimmberechtigten ein weiteres Kreditbegehren von 1,2 Millionen Franken. Geplant waren dabei zwei separate Kleinkläranlagen auf dem Arni.

Eine Pflanzenkläranlage war eine günstigere Variante und fand schliesslich Gnade beim Stimmvolk. Auf dem Arni konnte mit dem Bau einer solchen Anlage im Hinterarni und eines Stufenpumpwerks im Vorderarni begonnen werden. Das Projekt beinhaltete zudem eine öffentliche WC-Anlage. Am 11. März 2007 stimmten die Gurtneller mit 154 Ja zu 107 Nein einem entsprechenden Kredit von 1,4 Millionen Franken zu. Die Stimmbeteiligung war mit 53 Prozent sehr hoch. Dies wohl insbesondere, weil das Geschäft im Vorfeld für einige Diskussionen gesorgt hatte. Auch mit mehreren Flugblättern war für und gegen das Projekt argumentiert worden. Dabei ging es vor allem um die Kosten, die finanziellen Beteiligungen, Baubeiträge und Anschlussgebühren und darum, ob auf dieser Höhe eine solche Anlage überhaupt funktioniert.

Die Befürworter behielten schliesslich die Oberhand. Das Ja bedeutete nun aber, dass in den entsprechenden Bauzonen auf dem Arni gebaut werden konnte. Denn mit der Kläranlage wurde es möglich, die entsprechenden Gebiete im Vorder- und Hinterarni zu erschliessen und die Abwasserentsorgung zu gewährleisten. Und dies alles sollte möglich sein, ohne das Abwasser kostspielig nach Amsteg abzuleiten.

Der damalige Gemeindepräsident Beat Jörg war nach der Abstimmung sehr glücklich über das Resultat. «Mit der Zustimmung zum Bau der Pflanzenkläranlage wird die touristische Entwicklung des Naherholungs- und Ferien­gebietes Arni einen wichtigen Schub erhalten», gab er sich überzeugt.

Firma, die die Anlage gebaut hatte, ging in Konkurs

Doch es lief nicht alles nach Plan. Die Pflanzenkläranlage konnte zwar 2009 in Betrieb genommen werden. Zu Beginn entsprach die Reinigungsleistung aber nicht den Erwartungen. Auch kam es immer wieder zu Geruchsemissionen. Die Gründe dafür lagen bei der noch nicht entwickelten Wurzelschicht und bei Fehlern im Aufbau der verschiedenen Filtrationsschichten in den Vorklärbecken. Erschwerend kam hinzu, dass die Firma, die die Anlage gebaut hatte, in Konkurs ging.

Bergauf ging es erst, als Abwasser Uri gegründet wurde und sich nebst der anderen Gemeindeanlagen auch der Pflanzenkläranlage auf dem Arni annahm. Die Mängel konnten behoben werden. «Heute funktioniert die Anlage einwandfrei», sagt Beat Furger, Geschäftsführer von Abwasser Uri.

Trotzdem ist es im Kanton Uri aber bei dieser einen Anlage geblieben. «Eine Pflanzenklär­anlage braucht Platz», erklärt Furger. «Zudem kann eine solche nur von einer beschränkten Anzahl Einwohnern genutzt werden.» Eine solche Anlage könne also höchstens in einem Weiler oder einem kleineren Quartier betrieben werden. Auf dem Arni habe man Glück, dass die Anlage vor allem im Sommer gebraucht werde. «Die Vegetationszeit ist auf dieser Höhe deutlich kürzer als im Talboden», gibt Furger zu bedenken. Arni liegt auf 1370 Meter über Meer. Auch können nicht alle Pflanzen wie im Talboden verwendet werden. Aber die Praxis zeigte, dass es nach einigem Ausprobieren doch funktionierte. Heute jedenfalls regt sich kein Widerstand mehr gegen die Pflanzenkläranlage.

Zufrieden ist auch Karl Walker, jetziger Gemeindepräsident von Gurtnellen. «Die meisten Häuser auf dem Arni konnten inzwischen an die Pflanzenkläranlage angeschlossen werden», sagt er. Zudem seien verschiedene neue Gebäude von Privaten errichtet worden. Schranken gesetzt würden aber bezüglich Zweitwohnungsinitiative. Bewilligt wäre aber nach wie vor eine Überbauung im Gebiet Dorli. Das EWA möchte aber die entsprechenden Parzellen als Gesamtes einem Investor verkaufen. «Die Pflanzenkläranlage jedenfalls hat noch viele freie Kapazität für weitere Gebäude», so Walker.

So funktioniert die Pflanzenkläranlage

Die Pflanzenkläranlage auf dem Arni fällt nicht besonders auf. Für die Reinigung braucht es kein grosses Gebäude, sondern im Wesentlichen ein Schilffeld und Steine. Das Abwasser wird über ein Trennsieb geleitet und so von den Feststoffen befreit. Dann gelangt das Abwasser abwechslungsweise in eines der beiden Vorklärbecken. Die restlichen Feststoffe setzen sich dort ab. Bakterien in den Wurzeln der Schilfpflanzen wandeln diese Stoffe nach und nach in ein erdiges Substrat um. Dabei binden die Pflanzen Kohlenstoff.

Das vorgeklärte Wasser aus den beiden Becken durchfliesst den Mineralkörper des grossen Hauptklärbeckens, der mit bis zu sechzig verschiedenen Pflanzen durchwurzelt ist. Die speziell gezüchteten Pflanzen, die auf Kies und Lavasteinen gepflanzt sind, müssen ihre Nährstoffe aus dem Abwasser nehmen und reinigen es. Das saubere Wasser fliesst schliesslich in den Leutschachbach.

Hinweis

In der Rubrik «Uri damals» blickt unsere Zeitung zurück auf Ereignisse, die in Uri vor Jahren zu reden gaben. Die bisher erschienenen Beiträge dieser Serie finden Sie unter urnerzeitung.ch/dossier.


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