Kreisel ist kein Thema mehr

SCHATTDORF ⋅ Die Zufahrt von der Rynächtstrasse zum Gewerbegebiet an der Umfahrungs- und Militärstrasse soll fast ein Jahr lang gesperrt werden. Die Baudirektion erntet mit dieser Idee nicht nur Beifall.

02. Dezember 2016, 05:00

Das Gewerbe- und Industriegebiet Schattdorf ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Gebiet Kastelen respektive an der Umfahrungs-, Militär- und Rynächtstrasse sind neben Dätwyler Schweiz, Post, Manor, Jumbo, Tellpark oder Landi auch diverse KMU-Betriebe angesiedelt. Ein grosser Teil davon wird heute von der Gotthardstrasse in Schattdorf respektive vom Kreisel Wysshus her über die Rynächt-, Umfahrungs- und Militärstrasse erschlossen.

Aufgrund dieses erhöhten Verkehrsaufkommens soll der Knoten Kastelen, zu dem auch die Brücke über die Stille Reuss gehört, im Jahr 2018 erweitert werden. An einer Infoveranstaltung wurden die betroffenen Unternehmen und die Anstösser am vergangenen Mittwochabend über das geplante Bauvorhaben informiert.

Neue Brücke über die Stille Reuss

Als wichtigste Massnahmen am Knoten Kastelen sind geplant:

  • Bau einer breiteren und aus Gründen des Hochwasserschutzes um 30 Zentimeter angehobenen Brücke;
  • Verbreiterung der Rynächt­strasse von 6 auf 6,8 Meter und Einbau einer Linksabbiegespur mit Trenninsel;
  • Erstellen einer provisorischen Rad- und Gehwegbrücke über die Stille Reuss südlich der bestehenden Brücke.

Die öffentliche Planauflage für den sogenannten T-Knoten ist im Januar 2017 vorgesehen, die Vorbereitungsarbeiten sollen Ende 2017 anlaufen, den Deckbelag als Abschluss der Arbeiten möchte man im Mai 2019 einbauen. «Wir wollen dieses Projekt realisieren, bevor die Arbeiten für den Kantonalbahnhof Altdorf beginnen», begründete Gesamtprojektleiter Peter Vorwerk vom Amt für Tiefbau Uri den Terminplan.

Gewässerraum wird beansprucht

Die Baudirektion Uri rechnet für die Erweiterung des Knotens Kastelen mit Kosten von 7,2 Millionen Franken, wobei allein 1,5 Millionen Franken auf den Bau der neuen Brücke entfallen. Für die Verbreiterung der Rynächt- strasse und der Brücke soll der Gewässerraum beansprucht werden. Zudem ist eine Auskragung über die Stille Reuss projektiert. Mit der breiteren Brücke soll die Sichtweite für den von der Landi her Richtung Erstfeld oder Altdorf abbiegenden Verkehr von heute knapp 60 auf neu 80 Meter erhöht werden.

Um die neue Brücke zu bauen, will die Baudirektion Uri die Einfahrt von der Rynächtstrasse her Richtung Landi, Otto’s et cetera von Januar bis Dezember 2018 komplett sperren. «Dass wir damit nicht nur Beifall ernten, ist uns klar», betonte Baudirektor Roger Nager am Mittwoch. Damit lag er völlig richtig. Mehrere Vertreter von betroffenen KMU und Industriebetrieben bezeichneten die Sperrung als «unnötig, falsch und inakzeptabel». Diverse Betriebe hätten mit massiven Umsatzeinbussen oder Mehrkosten (etwa LSVA) zu rechnen. Sie sprachen sich für den Bau einer Notbrücke oder für einen Zweischichtbetrieb zur Verkürzung der Bauzeit aus.

Notbrücke würde fast 1 Million Franken kosten

Gemäss Vorwerk kann die Bauzeit auch mit dem vorgeschlagenen Zweischichtbetrieb nicht wesentlich verkürzt werden. Zu berücksichtigen seien aber entsprechende Mehrkosten. Der Kanton hat auch die Variante Notbrücke geprüft, jedoch wieder verworfen. Neben der Beeinträchtigung des Hochwasserschutzes hätten auch der grosse temporäre Landbedarf, die um rund drei Monate verlängerte Bauzeit und nicht zuletzt die hohen Kosten von rund 900 000 Franken gegen diese Variante gesprochen. «Im Unterhaltsprogramm 2016 bis 2019 sind 22 Millionen Franken eingestellt, rund ein Drittel davon für den Knoten Kastelen», betonte Nager. «Wir sind verpflichtet, die Mittel verantwortungsvoll und im Interesse aller Urner einzusetzen.»

Gegen den T-Knoten wurden aber auch grundsätzliche Argumente vorgebracht. Die Sicherheit der Richtung Erstfeld oder Altdorf abbiegenden Verkehrsteilnehmer werde trotz erhöhter Sichtweite nicht verbessert, weil der Verkehr Richtung Gotthardstrasse beim Knoten Kastelen neu auf zwei Fahrspuren erfolge.

Als Alternativen wurden anlässlich der Infoveranstaltung der vorgezogene Bau des Knotens Rossgiessen (siehe Box) oder eine Kreisellösung beim Knoten Kastelen gefordert. «Ein Kreisel beansprucht mehr Platz und könnte nur mit dem Erwerb von heute gewerblich genutztem Land realisiert werden», so Vorwerk. «Zudem würde der Verkehrsfluss auf der Rynächtstrasse behindert und damit auch deren Attraktivität beeinträchtigt.»

Notbrücke nochmals genau anschauen

«Wir werden die heute Abend geäusserten Vorschläge, aber auch die Bedenken prüfen und nun in einem nächsten Schritt erneut das Gespräch mit den direktbetroffenen Anstössern suchen», versprach Roger Nager zum Schluss des Infoanlasses. «Die Verantwortlichen der Baudirektion werden zudem die Variante Notbrücke nochmals genauer prüfen», erklärte der zuständige Regierungsrat. «Ein Zurück auf Feld 1 respektive zur Variante Kreisel gibt es aber sicher nicht», gab Nager jedoch unmissverständlich zu verstehen.

Knoten Rossgiessen favorisiert

Um das Gewerbe- und Industriegebiet in Schattdorf besser zu erschliessen, wurde 
am vergangenen Mittwochabend mehrmals die Realisierung des Knotens Rossgiessen als beste Variante genannt. Diese Idee sähe die Verlängerung der südlich der Dätwyler-Produktionshallen verlaufenden Erschliessungsstrasse Richtung Stille Reuss vor, aber auch den Bau einer neuen Brücke im Gebiet Rossgiessen. 

«Die Planungshoheit für ein solches Projekt liegt aber nicht beim Kanton, sondern bei der Gemeinde Schattdorf», betonte Baudirektor Nager am Mittwoch. Er stellte jedoch für den Fall einer Realisierung in Aussicht, eine finanzielle Beteiligung des Kantons zu prüfen.  

Erschliessungsfrage wird ein Thema

Der Gemeinderat Schattdorf hat in jüngster Vergangenheit das neue Siedlungsleitbild entwickelt. Daraus ergibt sich auch das Projekt «Entwicklungsschwerpunkt Arbeitsplatzgebiet Schattdorf», das nun konzeptionell aufgearbeitet wird. «Im Rahmen dieses Projekts möchten wir aufzeigen, welche Entwicklung die Gemeinde Schattdorf für sein Gewerbe- und Industriegebiet vorsieht», sagt Gemeinderat Urban Renggli auf Anfrage. «Im Rahmen des Projektverlaufs wird die Erschliessungsfrage bestimmt ein Thema sein», betont der zuständige Gemeinderat. Welche der bereits diskutierten Ideen – darunter auch die Variante, den Knoten Rossgiessen mit einer neuen Brücke über die Stille Reuss zu erschliessen – umgesetzt würden oder ob neue Erkenntnisse in den Diskussionen mit der Arbeitsgruppe entstehen würden, werde sich aber erst im Verlaufe der eingeleiteten Projektarbeiten zeigen. Sämtliche Entwicklungsstrategien und Erschliessungsmöglichkeiten wären dann gemäss Renggli einer entsprechenden Würdigung zu unterziehen.

Bruno Arnold


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