«Kultur macht Gemeinschaft lebenswert»

ISENTHAL ⋅ Seit 25 Jahren ist die Chilbiausstellung ein fester Bestandteil des Dorflebens. Zum Jubiläum rufen die Isenthaler nun einige Highlights nochmals in Erinnerung. Zudem wurde ein Zeitdokument von 1991 nun auf DVD gebrannt.

17. Oktober 2016, 06:43

Nicht nur wegen der Tanzmusik in den Restaurants, sondern besonders wegen der Ausstellung, die in diesem Jahr zum 25. Mal durchgeführt wurde, kamen die einheimischen und auswärtigen Gäste an die Isenthaler Chilbi. Die Vernissage der Ausstellung «25 Jahre Chilbiausstellung Isenthal» mit der neuen Tonbildschau «Das Tal hinter der Insel» fand am Samstagabend statt.

Begrüsst wurden die vielen Besucher an der Jubiläumsaustellung gesanglich vom Jodelchörli Isenthal und dem Vorsitzenden der Kulturkommission, Josef Schuler, sowie Gemeindepräsident Pirmin Bissig. «Wir feiern heute ein würdiges Jubiläum», sagte Bissig. «Deshalb sehen wir hier je ein Plakat oder ein Objekt aus den Ausstellungen von 1991 bis 2015. Hier sieht man deutlich, wie sich Isenthal in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hat, und ich bin fast sicher, dass die anderen Urner Gemeinden fast neidisch auf uns sind.»

«Zur Kultur gehört auch Arbeit»

Denn im Jahr 1991 war es soweit. Unter dem Titel «Das Tal hinter der Insel» wurde an der Chilbi eine Tonbildschau mit bleibenden Erinnerungen von Irène Elber gezeigt. Die rund 160 Dias wurden unzählige Male vorgeführt, bis die Apparatur nicht mehr funktionierte, und so geriet sie in Vergessenheit. Die Kulturkommission gab deshalb im vergangenen Frühjahr den Auftrag, dieses eindrückliche Zeitdokument auf die Jubiläumsaustellung hin zu digitalisieren. Nun kann die Tonbildschau auch als DVD gekauft werden. Es ist fast unglaublich, wie die alten Dias perfekt überarbeitet wurden und die Bilder heute in den wunderschönsten Farben erstrahlen, fast so, als seien sie erst kürzlich mit einer hochmodernen Kamera aufgenommen worden.

Bei der Jubiläumsansprache, die Josef Arnold-Luzzani hielt, fragte er sich, was macht eigentlich ein Leben in der Gemeinschaft lebenswert? «Wenn Kultur geschaffen wird, wie hier in Isenthal», sagte er. «Und diese ist nicht zum Verstecken, sondern zum Zeigen da.»

Die Mitglieder der Kulturkommission haben bereits im Jahr 1993 das Gemeinde- und Kirchenarchiv aufgebaut und die Kulturgüter inventarisiert. Einige Ausstellungsthemen des vergangenen Vierteljahrhunderts illustrieren dies. «Berglandwirtschaft im Wandel der Zeit, so hiess etwa die Ausstellung im Jahr 2000. Dort stand an einer Plakatwand: «Je mehr der Mensch alles verbetoniert, umso mehr wächst die Sehnsucht nach der gepflegten Natur.» Ein Jahr später wurde die Geschichte der Isenthalerstrasse aufgezeigt. Oder 2007 thematisierte die Ausstellung die Isen­thaler Geschlechter. «Es entstand damals eine Stammbaum-CD», so Josef Arnold. Vor vier Jahren hiess der Titel der Ausstellung «So isch äs gsi». Damals wurden Perlen aus dem Fotoarchiv geholt – aus jener Zeit, als «Post-Toni» Gasser noch auf Ski die Post verteilte, als die Baumstämme auf der Reistbahn zur Isleten befördert worden sind, oder man noch in Aschwandens Dorflädeli einkaufte. Vor zwei Jahren hiess das Thema dann «Weisch nu? Gsichter und Gschichtä us Isithal». Gezeigt wurden elf berührenden Porträts von damals.

«Zur Kultur eines Dorfes gehört auch Arbeit», sagte Arnold. Sie schafft nicht nur Verdienst, sondern, wer Arbeit hat, fühlt sich aufgewertet und schafft Zufriedenheit.»

Rund um die Chilbiausstellung sind eine Vielzahl von Broschüren und Bücher entstanden – so etwa die Broschüren «Naturlehrpfad Gitschenen», «Berglandwirtschaft im Wandel der Zeit», «Gwärb Isenthal», «Dorferneuerung» oder «Isenthal, eine kleine Welt». Besonderes Lob erhielt Margrit Arnold. Denn sie hatte 23 Jahre lang die Kulturkommission präsidiert, und dies neben ihren Aufgaben als Gemeindepräsidentin und Landrätin. Seit einiger Zeit präsidiert aber Josef Schuler die Kulturkommission. «Er ist begeisterungsfähig und kann ins Feuer geraten von Ideen und Gedankenanregungen», sagte Josef Arnold über ihn. Schuler habe mit seinen vielen Artikeln immer wieder auf Isenthal aufmerksam gemacht.

«Wir wurden richtig überrannt»

Für den Gemeindepräsidenten Pirmin Bissig war jede Ausstellung ein schönes Erlebnis, aber jene, die sich den Isenthaler Geschlechtern gewidmet hatte, bleibe ihm unvergesslich. «Damals wurden wir von den Besuchern richtig überrannt.» Der frühere Kulturdirektor, alt Regierungsrat Josef Arnold, sagte zur Ausstellung: «Hier wird es jedem deutlich, dass die Isenthaler in diesem Tal richtiggehend verwurzelt sind. Persönlich hat mich jedes Thema angesprochen, aber das geschichtliche war für mich immer besonders wertvoll.»

Paul Gwerder, Isenthal


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