Netzwerk setzt sich für Syrer ein

LANDWIRTSCHAFT ⋅ Eine Gruppierung von Bauern versucht in Syrien gegen den Hunger zu kämpfen. Nun informiert sie auch in Altdorf über das Vorhaben.

02. Dezember 2016, 05:00

In Syrien leben nach Angaben der UNO fast eine Million Menschen unter Belagerungszustand. Die Zahl habe sich innerhalb von sechs Monaten verdoppelt. Die Menschen in den belagerten Dörfern und Städten seien dringend auf Hilfsgüter angewiesen. Allein in dem von der Aussenwelt abgeschnittenen Ortsteil der syrischen Grossstadt Aleppo leben laut Schätzungen der UNO rund 250000 Personen unter äusserst misslichen Bedingungen. Der fünfjährige Krieg hat schon mehrere hunderttausend Tote gefordert. Die Flüchtlingszahl sowohl im In- wie auch im Ausland geht in die Millionen.

Im März 2014 gründete eine bäuerliche Bewegung mit dem Slogan «Hunger ist keine Waffe!» das Netzwerk «der 15. Garten». Dies mit dem Ziel, sich gegen die Aushungerungspolitik der Regierung in allen Gegenden Syriens einzusetzen und sich so von internationalen Hilfslieferungen unabhängig zu machen. Denn die abgeschiedenen Regionen werden von diesen Lieferungen wegen der Kriegswirren gar nicht erst erreicht.

Ein anderes Bild von Syrien

Doch wegen des Besitzmonopols, an dem das syrische Regime strikte festhält, fehlt der Bewegung das dringend nötige Saatgut. «Der 15. Garten» versucht deshalb die Saatgutbeschaffung im Ausland. Auf Urner Initiative stellen Heval Nebo, ehemaliger Gefangener und heute Gärtner in Süddamaskus, und Ansar Hevi, Übersetzerin, das Projekt am 6. Dezember, 19 Uhr, im Restaurant Fomaz in Altdorf vor. Offen ist die Veranstaltung für alle Interessierten. Ziel ist, dass die Besucher dabei ein anderes Bild von Syrien erhalten. Eines, das nicht von Terror, Bomben und Flucht bestimmt ist, sondern von Gärten, Selbstbestimmung, dem Glauben an Frieden sowie einer besseren Zukunft.

Landesweite Agrarkrise

Misswirtschaft, klimatische Veränderungen und die herrschenden Kriegswirren haben in Syrien zu einer landesweiten Agrarkrise geführt. Dazu kommen Teuerung, Schwarzhandel und Marktblockaden. Das ehemalige Agrarexportland Syrien hat inzwischen 60 Prozent seiner Geflügel-, 40 Prozent seiner Schaf- und 30 Prozent seiner Rinderproduktion verloren. Die Ausfuhr von Brotgetreide ist praktisch zerstört. Millionen von Syrern verlassen wegen der verzweifelten Lage ihre Heimat. Dass es daneben in Syrien noch einen vielfältigen Alltag gibt, ist weniger bekannt. Und nicht alle wählen die Flucht.

Doch wegen der gezielten Belagerung im Land, durch die das Verhungern als Bestrafung der Bevölkerung seitens des Regimes eingesetzt wird, ist die Nahrungssouveränität ein wichtiges Ziel und eine Überlebensstrategie geworden. «Der 15. Garten» hat sich in Syrien in den letzten anderthalb Jahren rasant entwickelt. In bombardierten Städten und abgeriegelten Dörfern bebaut die Bewegung neue Allmenden, Schutthalden und gereinigte Abfallflächen oder sogar Flachdächer mit Agrargütern an. Sie breitet sich über ganz Syrien aus, um in der Bevölkerung das alte Wissen im Anbau von Nahrungsmitteln wieder bekannt zu machen.

Die beteiligten Bauern und Gärtner sind nicht bereit, die humanitäre Katastrophe in ihrem Heimatland hinzunehmen. Mit ihren Fähigkeiten wollen sie allen vom Hunger bedrohten Mitmenschen helfen, dies im eigenen Land und in den Flüchtlingslagern der syrischen Anrainerstaaten. Über «den 15. Garten» werden in und um Syrien Fähigkeiten in nachhaltiger Landwirtschaft und im Gartenbau in Kursen weitergegeben. Somit ist die Organisation ein immer wichtigerer Bestandteil der syrischen Zivilgesellschaft, eine Überlebensnotwendigkeit.

red

Hinweis

Das Projekt «der 15. Garten» wird am 6. Dezember, 19 Uhr, im Restaurant Fomaz vorgestellt.


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