Pro Natura Uri geht die Arbeit nicht aus

ALTDORF ⋅ Schwerpunktmässig beschäftigte sich Pro Natura Uri im Vereinsjahr 2015/16 wiederum mit Wasserkraftwerken und dem Ausbau der Skiinfrastrukturanlagen in Andermatt.

06. Oktober 2016, 05:00

Die Mitglieder von Pro Natura Uri trafen sich am Dienstagabend im Kolpinghaus in Altdorf zur Jahresversammlung. «Im Jubiläumsjahr kam unser Tier des Jahres, die Ringelnatter, etwas zu kurz», sagte die Vorsitzende, Annalise Russi. «Umso mehr wollen wir uns dieses Jahr der Wasserspitzmaus widmen, dem Winzling, der nur rund 20 Gramm wiegt.

«Erst kürzlich hatten wir ein Erfolgserlebnis», sagte Russi weiter, «als sich der Kanton, die Korporation Uri sowie Pro Natura zusammentaten, um den in der Schweiz rar gewordenen blauen Käfer mit dem Namen Alpenbock zu fördern.» Die Versammlungsteilnehmer hatten die seltene Gelegenheit, einen lebendigen Alpenbockkäfer zu bestaunen.

Trio lässt sich im Vorstand bestätigen

Beim Traktandum Wahlen liessen sich die Vorsitzende, Annalise Russi, sowie Heinz Eberhard und Bruno Imhof für ein weiteres Jahr bestätigen. Pro Natura Uri weist gesunde Zahlen aus, denn Kassier Heinz Eberhard konnte einen Gewinn von rund 18 000 Franken vermelden.

Keine Freude an der neuen Talstation

Die seit 1995 amtierende Geschäftsstellenleiterin von Pro Natura Uri, Pia Tresch, hielt einen Rückblick auf die Tätigkeit der Urner Sektion. «Im vergangenen Jahr hat uns wiederum das Tourismusresort Andermatt stark beschäftigt», erklärte sie. «Es wird langsam zum Dauerbrenner», erklärte Tresch. «Besonders gestört hat uns, dass die neue Talstation der Gondelbahn von Andermatt auf den Nätschen nicht in den Bahnhof integriert wurde, sondern dass jetzt eine neue Talstation gebaut wird», hielt die Geschäftsstellenleiterin fest. «Ich weiss nicht, ob man nicht wollte oder nicht konnte. Zudem waren wir mit den Bauherren nicht immer einer Meinung, insbesondere, wenn Schutzgebiete tangiert wurden.» Pro Natura begleite die Bauprojekte kritisch und stelle sicher, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten würden. «Wir bieten aber Hand für eine optimierte, nachhaltige Planung im Sinne des Natur- und Landschaftsschutzes», betonte Tresch.

Neues Schutzgebiet in Bauen gesichert

«Erfreulich ist hingegen, dass es uns gelungen ist, mit der Liegenschaft Schwäntlen in Bauen ein neues, besonders naturnahes und in vieler Hinsicht ökologisch wertvolles Schutzgebiet mittels Dienstbarkeitsvertrag zu sichern», sagte die Geschäftsstellenleiterin. Pro Natura übernimmt damit die Verantwortung für dieses Schutzgebiet und wird die einzigartige Flora und Fauna sowie den wertvollen Waldrand nach den Zielen eines Naturschutzgebiets nachhaltig pflegen.

Im Leistungsbericht schreibt Pia Tresch: «Pro Natura Uri wirkte wiederum bei verschiedenen Abstimmungskampagnen und in Komitees mit. Enttäuscht war man über das Abstimmungsresultat über den Bau der zweiten Strassenröhre am Gotthard.» Ebenfalls mitgewirkt hat die Sektion im «Axenkomitee», das die längst nötige Umfahrung von Sisikon unterstützt. Flagge gezeigt hat Pro Natura auch bei der Abstimmung zur West-Ost-Verbindung. Eine neue Umfahrungsstrasse, die das Dorfgebiet von Altdorf entlasten soll, aber den ökologisch sehr wertvollen Schächenwald und deren Anwohner neu belastet, erachtete der Vorstand als nicht zielführend.

Holzzäune im Meiental sind saniert worden

Im Meiental dienten bis vor wenigen Jahrzehnten traditionelle Weidezäune aus Lärchenholz zur Weide- und Parzellenabgrenzung. Diese Zäune werden heute nicht mehr ersetzt, weil dies sowohl viel Holz als auch viel Arbeitszeit benötigt. Unter der Leitung von Beat Zgraggen wurden in den vergangenen Jahren weite Abschnitte mit den typischen Holzzäunen wieder saniert. Schon zum 14. Mal organisierte Zgraggen eine Arbeitsferienwoche dort, wo insbesondere den Bauern geholfen wird. Besonders gefreut habe ihn aber auch, dass er in letzter Zeit immer wieder Rehe im Reussdelta gesehen habe. «Dies war früher nicht so», stellte Zgraggen fest.

Regula Hodler stellte die Jugendgruppe WWF und Pro Natura Uri für Kinder ab der 2. Klasse kurz vor. Diese führt diverse Anlässe durch: Tiere beobachten, im lebendigen Bach nach Spuren suchen, eigene Salben herstellen oder auch Exkursionen et cetera.

Biologe Urs Wüthrich zeigte nach der GV in einem Diavortrag, wie sich das Urserntal verändert. Wüthrich hat im Auftrag von Pro Natura Uri eine Momentaufnahme des Ist-Zustands erstellt. Den Schwerpunkt des Vortrags legte er auf das Gebiet Andermatt–Oberalppass. «Es wird immer nur von der Skiarena gesprochen», bedauert Wüthrich. «Diese wunderbare Gegend hat auch in der schneefreien Zeit viel zu bieten. Ich denke etwa an die Fauna und Flora, die man dort als Wanderer antreffen kann.»


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