Rat stellt Weichen für Alpnutzung

KORPORATION URI ⋅ In 70 Minuten hat der Grosse Rat gestern wegweisende Geschäfte erledigt. Unter anderem wurden eine neue Verordnung über das Alpkonzept und die Beteiligung an der KW Schächen AG beschlossen.
01. Oktober 2016, 05:00

Die Grundidee der Alpnutzung hält den heutigen Verhältnissen, die von der nationalen Landwirtschaftspolitik und dem Strukturwandel geprägt sind, nicht mehr stand. Nun wird sie zeitgemässer. Der Korporationsrat Uri hat gestern die vom Engeren Rat beantragte Verordnung über das Alpkonzept mit 31 zu 0 Stimmen gutgeheissen. «Diese Verordnung schafft Transparenz und Rechtssicherheit für alle Beteiligten», betonte Vizepräsident Peter Ziegler gestern. «Wichtig ist aber auch, dass sie auf Freiwilligkeit beruht.»

Rat will grössere Betriebseinheiten schaffen

Mit der Verordnung werden verschiedene Ziele verfolgt. Unter anderem möchte der Engere Rat auf den Alpen grössere Betriebseinheiten schaffen, bei Betriebsaufgaben die rationelle Nutzung der Alp fördern sowie bereits Nutzungsberechtigte privilegieren. Ein weiteres Ziel besteht darin, dass Bauern, die ihr Vieh schon lange auf die Alp treiben, ihre Investitionen absichern können. «Zudem will man dafür sorgen, dass Älpler individuell entscheiden können, wie sie die Alp bewirtschaften wollen», betonte Ziegler in seinem Referat.

Der Rat nahm drei Änderungen am vorgelegten Entwurf vor: Das erstellte Alpkonzept wird dem Korporationsrat schriftlich zur Kenntnis gebracht (30 zu 1 Stimme). Das Alpkonzept erlaubt den Korporationsbehörden neu, bisherige Nutzungen, die dem Alpkonzept widersprechen, zu beenden. Dies könnte zum Beispiel bezüglich Verwendung von nicht mehr alpwirtschaftlich genutzten Hütten (31 zu 0) zum Tragen kommen. Und schliesslich soll für noch umzusetzende Alpkonzepte die neue Verordnung gelten (30 zu 1). Sofern nicht 60 stimmberechtigte Korporationsbürger innerhalb von 30 Tagen nach der Publikation im «Amtsblatt» verlangen, dass die Verordnung der Korporationsgemeinde auf dem Altdorfer Lehn vorgelegt wird, tritt sie per heute Samstag in Kraft.

Bürgergemeinde Gurtnellen wird entschädigt

Ohne Gegenstimme gutgeheissen wurde ein Dienstbarkeitsvertrag mit der Sicherheitsdirektion Uri, der Bürgergemeinde Gurtnellen und der Kies AG Butzen, Amsteg. Es geht dabei um das 7 Hektaren umfassende Waldreservat Männigenwald. Die Kies AG Butzen darf ihre Deponie bei Gurtnellen erweitern und dafür einen bestehenden Wald roden. Im Gegenzug wird im Männigenwald ein neues Waldreservat ausgeschieden. Für den damit verbundenen Nutzungsverzicht wird die Bürgergemeinde von der Kies AG Butzen mit total 30 000 Franken entschädigt.

Statt wie bisher die Aeschlimann Kraftwerk AG, die in Bürglen ein Kleinstkraftwerk betreibt, soll künftig die noch zu gründende KW Schächen AG den Unterlauf des Schächens nutzen können. Der Landrat hat am Mittwoch die entsprechende Konzessionserteilung gutgeheissen (siehe auch unsere Zeitung vom 29. September). Gestern hat nun der Korporationsrat mit 29 zu 2 Stimmen eine Beteiligung der Korporation Uri von 15 Prozent (900000 Franken) an der KW Schächen AG beschlossen. Der Kanton wird sich mit 34 Prozent beteiligen, die Elektrizitätswerk Altdorf AG (EWA) mit 51 Prozent.

Korporation erhält rund 80000 Franken pro Jahr

Die Korporation wird für ihre Beteiligung von 15 Prozent jährlich 45 000 Franken erhalten. Zudem kann sie mit Wasserzinsen von rund 36 000 Franken pro Jahr rechnen. Der Kanton wird die Konzession von der Aeschlimann Kraftwerk AG zurückkaufen. Das Bürgler Unternehmen wird dafür mit rund 1,5 Millionen Franken entschädigt. Davon muss die Korporation 225 000 Franken übernehmen. Die KW Schächen AG wird das Wasser ab dem bestehenden Unterwasserkanal des KW Bürglen fassen und in eine Zentrale nahe der Schächenmündung in die Reuss leiten.

Schliesslich sagte der Rat gestern mit 31 zu 0 Stimmen Ja zum Verkauf einer Korporationsparzelle. Die Einwohnergemeinde Erstfeld kann 58 m2 Allmendboden zum Preis von 1160 Franken erwerben, um die geplante definitive Ausweichstelle an der Reussstrasse zwischen der Abzweigung zum Autobahnzubringer und der Zufahrt zur Strabag zu realisieren.

Bruno Arnoldredaktion@urnerzeitung.ch


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