Richi Walker ist der «höchste» Urner im Wallis

OBERALETSCH ⋅ Richi Walker aus Attinghausen wollte mehr Lebensqualität und eine neue Herausforderung. Gefunden hat er dies als Hüttenwart.
05. Juli 2014, 05:03

Die Oberaletschhütte liegt auf 2640 Metern über Meer, mitten in der zum Unesco-Weltnaturerbe zählenden Gebirgslandschaft Jungfrau–Aletsch. Oben angekommen, wird der Gast vom neuen Hüttenwart Richi Walker begrüsst. Als «höchster» Urner im Wallis hat der Attinghauser die erste Wintersaison bereits hinter sich. Ende Juni hat er – gut erholt – die Sommersaison eröffnet. Es ist eher ungewöhnlich, dass im Wallis ein «Üsserschwiizer» eine Hütte bewarten darf. Bei der ersten Begegnung vor der Hütte wird jedoch klar, warum sich die Walliser mit Richi Walker eine Ausnahme leisteten. Der sympathische Mittfünfziger gibt als begeisterter Alpinist und Kletterer gerne Auskunft über die Gipfel und Touren, die reichhaltig vorhanden sind. Er gibt Auskunft über das Grosse Aletschhorn (4190 Meter über Meer), das Nesthorn (3822 Meter) und über viele andere Berge, und er kennt den Übergang ins Lötschental beim Beichpass. Die vielen Kletterrouten in der Gegend hat Richi zwar noch nicht persönlich getestet. Mit den Schwierigkeitsgraden zwischen 3 und 6c+ dürften sie aber im Bereich seines Könnens liegen.

In renommierten Häusern gekocht

Beim Abendessen lassen die kulinarischen Leckerbissen leicht vergessen, dass sich der Gast auf einer SAC-Hütte befindet. Als gelernter Koch mit Berufspraxis in renommierten Häusern wie dem «Schweizerhof» in Bern oder dem «Suvretta House» in St. Moritz lässt es sich der Urner nicht nehmen, abwechslungsreiche, kreative und geschmacklich interessante Menüs auf den Tisch zu zaubern. Dass alles frisch und selber gemacht wird, ist selbstverständlich.

Die Gäste im Auge behalten

Um den Hüttenbetrieb reibungslos in Schwung zu halten, stehen Walker jeweils zwei Hüttenhilfen zur Verfügung. Ein Betrieb auf dieser Höhe birgt spezielle Herausforderungen. So ist etwa das Wasser sehr knapp, und es muss im Winter gar durch Schneeschmelzen gewonnen werden. Der Solarstrom muss sparsam eingesetzt werden, und die Stromproduktion wird zudem mit dem Aggregat ergänzt. Zum Kochen wird Gas benutzt, und der Holzofen hilft, den Aufenthaltsraum an kalten Tagen zu wärmen. Eine weitere wichtige Aufgabe eines Hüttenwarts ist es auch, immer im Bild zu sein, wann welche seiner Gäste wo unterwegs sind. «Nur so kann man bei Schwierigkeiten rasch entscheiden, wann und wo Hilfe notwendig ist», weiss Walker aus Erfahrung.

Richi Walker wird oft gefragt, wieso er sich als Hüttenwart auf der Oberaletschhütte anstellen liess. Nachdem er mit 30 Jahren die Kochmütze ausgezogen hatte, absolvierte er ein Studium als Lebensmittelingenieur. Seither hat er in verschiedenen internationalen Firmen viel gesehen. «In den letzten Jahren habe ich mich immer öfter nach mehr Lebensqualität und einer neuen Herausforderung gesehnt», erzählt er. Er habe sich auch im Urnerland nach einer Hütte umgeschaut, jedoch in absehbarer Zeit keine Möglichkeit entdeckt. Die Stelle auf der Oberaletschhütte sei ein Glücksfall gewesen. Seine Vorgänger, Peter und Deby Schwitter, (bekannt aus «SRF bi de Lüt») mussten aus familiären Gründen nach einem Nachfolger suchen. Die Chemie zwischen den Schwitters und Walker stimmte wohl auf Anhieb. Noch heute kann er auf deren Unterstützung vertrauen. So war es Peter Schwitter, der den Urner im vergangenen Mai per Helikopter von der tief eingeschneiten Hütte – buchstäblich aus dem Bett – hinunter ins Tal flog und ihm somit die wohl längste mehrtägige Einsiedelei auf der Hütte ersparte.

«Neben dem Kochen liegt mir das Gesamtwohl der Gäste am meisten am Herzen», betont der Attinghauser. Auch anderweitig habe er noch viele Pläne, die er aber an dieser Stelle noch nicht verraten könne. Das wiederum veranlasst den heimwandernden Gast, sich bereits auf den nächsten Hüttenbesuch zu freuen oder sogar die nächste Tourenwoche auf der Oberaletschhütte bei Richi Walker zu planen.

Aufstieg von der Belalp aus

Der kürzeste Aufstieg stieg zur Oberaletschhütte beginnt auf der Belalp im Oberwallis. Er führt den Berggänger in 4 bis 5 Stunden über die Stiggelen, hinunter auf die alte Moräne und weiter zum Gletscherbach über die Brücke zur Nordseite. Bis hierhin findet im Frühling der bekannte Schafauftrieb ins Mittelaletschgebiet mit 1200 der Walliser Schwarznasen statt. Nun beginnt der Panoramaweg zur Hütte, der den Wanderer mehr und mehr in die fantastische Berg- und Gletscherwelt eintauchen und den Alltag abstreifen lässt. Der Panoramaweg wurde 2005 als Alternative zum immer schwieriger werdenden Hüttenzustieg über den schmelzenden Gletscher errichtet.

Hinweis

Weitere Infos unter www.oberaletsch.ch.


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