Russen und Schweizer gedenken

ANDERMATT ⋅ An der feierlichen Zeremonie beim Suworow-Denkmal waren prominente Gäste dabei. Der russische Botschafter, Alexander Golovin, und der Schweizer Divisionär, Lucas Caduff, zählten zu den zahlreichen Gästen.

26. September 2016, 05:05

Am Samstagmorgen wehte wie immer von der Schöllenenschlucht ein kräftiger Wind Richtung Teufelsbrücke. Anders als an anderen Tagen, sprachen die Menschen, die Richtung Suworow-Denkmal pilgerten, zum grossen Teil russisch. Zur Erinnerung an den Alpenfeldzug von General Alexander Wassiljewitsch Suworow, der die Schweiz von den Franzosen befreite, fand eine traditionelle feierliche Gedenkzeremonie statt.

Dabei waren auch die jungen Suworow-Kadetten, Rekruten der Moskauer Militärmusikschule. Der Botschafter Russlands in Bern, Alexander Golovin, begrüsste zusammen mit Divisionär Lucas Caduff, Kommandant Territorialregion 3, dem auch der Kanton Uri angehört, die vielen zivilen und militärischen Ehrengäste. Danach spielten die Musiker die russische und Schweizer Landeshymne.

Wie Suworow die Franzosen in Andermatt besiegte

Zuerst kam der russische Botschafter, Alexander Golovin, auf den Feldzug von Suworow zu sprechen. «Oberitalien war 1799 auch Schauplatz des Zweiten Koalitionskrieges», blickte er zurück. Russische und österreichische Truppen hätten die Franzosen in zahlreichen Schlachten in Italien besiegt. «Für das vereinte russisch-österreichische Kontingent wurde am 24. Februar 1799 Suworow als Oberbefehlshaber eingesetzt», so der Botschafter. Die siegreiche Schlacht bei Novi gegen die Soldaten von Napoleon am 15. August 1799 habe den Feldzug beendet.

«Der Plan Suworows war es nun, mit seiner 21 000 Mann zählenden Armee durch einen überraschenden Vorstoss quer durch die Alpen in den Rücken der Truppen von General André Masséna vorzustossen.» Obwohl die Russen noch nie zuvor in den Bergen gekämpft hätten, sei es ihnen gelungen, an diesem denkwürdigen 24. September den Gotthardpass von den Franzosen zu erobern. «Danach passierten sie unter dem Beschuss der Franzosen die Teufelsbrücke und zogen durch die Schöllenenschlucht nach Altdorf», so der Botschafter weiter. «Dort entschied sich Suworow, für ein waghalsiges Manöver über den Kinzigpass ins Muotatal zu ziehen, obwohl seine Armee zu diesem Zeitpunkt bereits sehr erschöpft war.»

Glorreiches Kapitel der russischen Geschichte

«Dies ist ein glorreiches Kapitel der russischen Geschichte, obwohl danach das Ziel des Alpenfeldzugs nicht erreicht wurde. Der vielversprechende Plan verwandelte sich in ein kräftezehrendes Abenteuer ohne militärischen oder politischen Nutzen», sagte Alexander Golovin. Der Botschafter bedankte sich danach bei den Schweizern, welche immer wieder positiv General Suworows gedenken. «Heute wollen wir an die gefallenen Soldaten, gleich welcher Nation, im Jahr 1799 hier an dieser Gedenkfeier erinnern.»

Caduff: «Das Volk muss Vertrauen in Armee haben»

Divisionär Caduff bedauerte es in seiner Ansprache, dass die vielen Kriege immer wieder viel Schrecken bringen. Er befürchte, dass es auch in Zukunft wohl nie einen umfassenden Frieden auf der Welt geben werde. «Deshalb braucht es militärische Streitkräfte, die wenn immer möglich, das friedliche Zusammenleben zwischen den Völkern ermöglichen», betonte Caduff und weiter: «Die russischen Soldaten hatten Feldmarschall Suworow vorbildlich vertraut, und das gilt auch heute noch – das Volk muss Vertrauen in die Armee haben und sich auf diese in Krisenzeiten verlassen können.»

Danach legten zwei Soldaten ­einen Kranz beim Denkmal nieder, und dieser wurde durch geistliche Würdenträger gesegnet. Am Schluss der Zeremonie legten Dutzende von Frauen, von denen viele in der russischen Botschaft tätig sind, rote Rosen und Nelken beim Denkmal nieder. «Für mich war dies eine sehr emotionale Feier, und es ist absolut wichtig, dass wir uns an diese Zeiten erinnern und wir den gefallenen Soldaten die nötige Ehre erweisen», sagte Lucas Caduff.

Urner für Verdienste in Bern ausgezeichnet

Für den Andermatter Ferdinand Muheim war der vergangenen Samstag ein wichtiger und zugleich schöner Tag. Er hat sich mit viel Herzblut für die Erhaltung des Denkmals eingesetzt. Dafür wurde er vor fünf Jahren in der Botschaft der Russischen Föderation in Bern «für die Verdienste um die Verewigung des Andenkens an gefallene Vaterlandsverteidiger» ausgezeichnet.

Paul Gwerderredaktion@urnerzeitung.ch


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: