Sonderdividende trotz Gewinnrückgang

DÄTWYLER ⋅ Der Urner Industriekonzern Dätwyler hat 2014 seine Umorientierung vorangetrieben und Rückgänge bei Umsatz und Gewinn hinnehmen müssen. Für die Zukunft zeigt sich das Unternehmen trotz der Frankenstärke zuversichtlich. Der Firmenchef kündigte weitere Zukäufe an.

03. März 2015, 14:10

Im vergangenen Jahr schrumpfte der Umsatz um 9,4 Prozent auf 1,25 Mrd. Franken, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Grund war der Verkauf der Fachhandelssparte Maagtechnic Anfang April, womit rund 115 Mio. Fr. an Umsatz wegfielen. Die Akquisition der Columbia Engineered Rubber im Oktober konnte den Wegfall nicht kompensieren. Wechselkurseffekte schmälerten die Verkäufe zudem um 21,3 Mio. Franken.

Das Nettoergebnis ging um knapp 19 Prozent auf 97,9 Mio. Fr. zurück. Der Rückgang des Reingewinns erkläre sich vollständig mit höheren Steuerzahlungen, die im Vorjahr deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt gelegen hätten, teilte Dätwyler mit.

Die operative Leistung gemessen an der Marge wurde hingegen verbessert. Die EBIT-Marge verbesserte sich wegen des stärker rückläufigen Umsatzes von 9,8 auf 10,6 Prozent.

2014 ein «Übergangsjahr»

Operativ sei 2014 ein Übergangsjahr gewesen, heisst es in der Mitteilung. Der Schwerpunkt habe auf der Umsetzung der strategischen Integrationsprojekte gelegen. «Die kontinuierliche Steigerung der Ertragskraft zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», wird Firmenchef Paul Hälg zitiert.

Der Konzernbereich Technical Components habe durch den Verkauf von Maagtechnic die Komplexität reduziert und fokussiere sich seit April 2014 auf die Elektronik Distribution, heisst es in der Mitteilung. Der Konzernbereich Sealing Solutions habe die Produktionskapazitäten in den Tieflohnländern weiter ausgebaut.

Auf den starken Franken stellte sich der Konzern laut eigenen Angaben seit längerem ein. Dätwyler reduzierte die Abhängigkeit vom Schweizer Franken während mehrerer Jahre. Inzwischen werden weniger als 5 Prozent des Umsatzes in der Schweiz produziert und in den Euroraum exportiert.

Wachstumsziel verschoben

Der Industriekonzern setzte sich ein ehrgeiziges Wachstumsziel. Der Umsatz soll mittelfristig auf rund 2 Mrd. Fr. gesteigert werden, was einem Plus von 60 Prozent entspricht.

Wegen der anspruchsvollen Integrationsprojekte im Bereich Technical Components, die in den vergangenen Jahren verschiedene Unternehmen übernommen hat, des anspruchsvollen Marktumfelds und der Währungssituation bedingt sich Dätwyler mehr Zeit aus. So will der Konzern das Wachstumsziel bis 2020 erreichen; bisher war von 2017 die Rede.

«Wir wollen etwa je hälftig organisch und akquisitorisch wachsen», sagte Hälg an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. «Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr die eine oder andere Akquisition abschliessen können.»

Sonderdividende zum 100-Jahr-Jubiläum

Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Firma sollen die Aktionäre 2015 neben der regulären zusätzlich eine Sonderdividende erhalten. Der Verwaltungsrat beantragt die Ausschüttung einer Jubiläumsdividende von insgesamt rund 7,82 Fr. je Inhaberaktie und von 1,56 Fr. je Namenaktie.

Weiter werden der am 16. April stattfindenden Generalversammlung die Zuwahl von Jürg Fedier, dem Finanzchef von OC Oerlikon, und Hanno Ulmer, Vorstand der Doppelmayr Holding, in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Der Brite Neil Harrison führt seit Anfang 2015 den Konzernbereich Technical Components.

Das Hauptgeschäft des Urner Konzerns bildet unter anderem Dichtungen für die Automobilindustrie oder das Gesundheitswesen. Daneben vertreibt er Komponenten und Zubehör im Elektronik- und Automationsbereich. Das Unternehmen beschäftigt knapp 6800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

sda


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: