Uri ist für den AKW-Störfall gerüstet

JODTABLETTEN ⋅ Uri lagert Jodtabletten für die Bevölkerung zentral. Die Regierung ist gegen eine vorsorgliche Verteilung in alle Haushalte, die 50 bis 100 Kilometer von einem Kernkraftwerk entfernt liegen.

01. Dezember 2016, 05:00

Wird bei einem Störfall in einem Atomkraftwerk (AKW) Radioaktivität freigesetzt, müssen der Bevölkerung Jodtabletten verteilt werden. In den Gemeinden im Umkreis von 50 Kilometern ist eine vorsorgliche Abgabe an die Haushalte Pflicht. Für Personen, die mehr als 50 Kilometer von einem AKW entfernt wohnen, muss dies innerhalb von zwölf Stunden geschehen. Mit der Einnahme der Tabletten kann radioaktiv indiziertem Schilddrüsenkrebs vorgebeugt werden.

Der Bund überlegt sich, die Jodtabletten auch an alle Haushalte im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern vorsorglich abzugeben. Alle Urner Gemeinden liegen im Umkreis von einem oder zwei Kernkraftwerken. Die Distanz zum nächstgelegenen KKW beträgt 65 bis 95 Kilometer.

«Die Jodtabletten für die Urner Bevölkerung werden zentral durch den Kanton gelagert», hält die Regierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Landrat Toni Moser (SP, Bürglen) fest. «Damit die Verteilung auf die Gemeinden und die Abgabe an die Bevölkerung innerhalb der bundesrechtlich vorgeschriebenen Zeit von zwölf Stunden erfolgen kann, sind die Jodtabletten entsprechend der Bevölkerungszahl nach Gemeinden vorbereitet und abgepackt.» Darin eingeschlossen sei auch eine angemessene Reserve je Gemeinde.

Gemeindeführungsstäbe für Abgabe zuständig

Wird bei einem Störfall Radioaktivität freigesetzt, bringt die Zivilschutzorganisation Uri die Jodtabletten ab der zentralen Lagerstelle zu den Gemeindekanzleien. Für die Abgabe an die Haushalte sind die Gemeindeführungsstäbe verantwortlich. «Die nächste Überprüfung der kommunalen Detailkonzepte erfolgt 2017 im Rahmen der regelmässigen Schulung der Stabschefs der Gemeindeführungsstäbe durch den kantonalen Führungsstab», so die Regierung.

Kanton und Gemeinden tragen Verantwortung

Der Bund trägt die nicht durch die Betreiber von Kernkraftwerken gedeckten Kosten für die vorsorgliche Beschaffung, die Kontrollen, den Ersatz und die Entsorgung der Jodtabletten sowie für die Information der Bevölkerung und der Fachleute. «In Uri sind es der Kanton und die Gemeinden, die ihre anfallenden Kosten für die Verteilung, Lagerung und Abgabe der Jodtabletten tragen», schreibt die Regierung.

Der Regierungsrat spricht sich gegen eine vorsorgliche Verteilung der Jodtabletten in alle Haushalte auch im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern aus. «Der Bundesrat hat erst 2014 als Folge der Reaktorkatastrophe von Fukushima die Ausweitung der Verteilgrenze in alle Haushalte von 20 auf 50 Kilometer beschlossen», so die Regierung. «Es ist genügend Zeit vorhanden, um die Verteilung und Abgabe der Jodtabletten an die Urner Bevölkerung vorzunehmen.» Durch die zentrale Lagerung der Jodtabletten für die Bevölkerung könne auch gewährleistet werden, dass die richtigen Bedingungen für die Lagerung der Jodtabletten jederzeit eingehalten würden. «So werden Jodtabletten nicht beschädigt, und sie gehen auch nicht verloren.»

Bei einem Ereignis mit erhöhter Radioaktivität ordnet der zuständige Bundesstab an, in welchen Gebieten die Jodtabletten an die Bevölkerung abzugeben und wann sie einzunehmen sind.

«Nur der richtige Zeitpunkt für die Einnahme sorgt dafür, dass kein radioaktives Jod in die Schilddrüse eingelagert werden kann», betont die Regierung. «Eine zu frühe oder zu späte Einnahme würde somit die Schutzwirkung der Jodtabletten reduzieren.»

Die im Kanton Uri gewählte Vorgehensweise habe den Vorteil, dass die Bevölkerung bei der Abgabe der Jodtabletten über deren Einnahme informiert werden könne.

Bruno Arnold


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