Uris Wirtschaft spürt Aufwind

PROGNOSE ⋅ Das Baugewerbe bleibt der Wachstumstreiber der Urner Wirtschaft. Im Gastgewerbe sind die Auswirkungen des Wechselkursschocks noch nicht ausgestanden.

25. November 2016, 05:00

Im Auftrag der Urner Kantonalbank (UKB) hat das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel die wirtschaftlichen Tendenzen in Uri analysiert. Gestern stellten der bald abtretende UKB-CEO Urs Traxel und Geschäftsleitungsmitglied Renzo Küttel die Ergebnisse vor. «Es gibt verhalten positive Zeichen aus der Wirtschaft», sagte Traxel. Im Export und im Tourismus dürfte sich nach schwierigen Monaten bald eine positive Wende zeigen. «Hingegen ist im Baugewerbe mit einem rückläufigen Wachstum zu rechnen», so Traxel.

BAK Basel erwartet, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz entgegen dem globalen Trend im laufenden Jahr um 1,6 Prozent zulegen wird. Der Kanton Uri liegt mit einem Plus von 1,9 Prozent sogar über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Für die Schweiz prognostiziert BAK Basel 2017 eine BIP-Steigerung von 1,7 Prozent. Uri dürfte mit einem erwarteten Wachstum von 1,5 Prozent im nächsten Jahr etwas unter dem schweizerischen Mittel liegen.

Bautätigkeit ist in Uri ausgesprochen hoch

Als Wachstumstreiber in Uri gilt die Bauwirtschaft. Im laufenden Jahr wird ein Wertschöpfungsplus von 7,1 Prozent erwartet. Die Zahl der Baubewilligungen hat sich von Juli 2015 bis Juli 2016 um fast einen Drittel erhöht, nachdem sie bereits zuvor stark gestiegen war. Zum Wachstum hat unter anderem das Bauprojekt des Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri beigetragen. Nun geht BAK Basel davon aus, dass sich die Dynamik in der Urner Bauwirtschaft 2017 auf hohem Niveau deutlich reduzieren wird. Das Wertschöpfungsplus dürfte in etwa im Bereich des gesamtschweizerischen Durchschnitts von 1,5 Prozent liegen. Traxel wies darauf hin, dass die Bautätigkeit in Uri momentan ausgesprochen hoch sei. Trotz der Ausweitung des Angebots sei die Nachfrage noch stärker, wodurch die Immobilienpreise überdurchschnittlich stark angestiegen seien. «Was gebaut wird, wird auch gekauft», so Traxel. Ein Problem sieht er bei den Altbauwohnungen: «Wir raten den Besitzern solcher Objekte dringend, diese möglichst gut im Schuss zu halten. Ansonsten wird es immer schwieriger, Mieter zu finden.»

Morgenröte gibt es für den Export. Nach erheblichen Verlusten im Zusammenhang mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses zeigen sich nun laut BAK Basel schweizweit wie auch in Uri deutliche Erholungstendenzen. In der Urner Investitionsgüterindustrie haben die Exporte von Januar bis August 2016 um 7,2 Prozent zugelegt. Bei den Kunststoffausfuhren hat sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 1,7 auf 1,0 Prozent verringert. 2016 rechnet BAK ­Basel für die Urner Kunststoff- und Investitionsgüterindustrie mit einem Wertschöpfungsplus von 1,8 Prozent. Für 2017 geht das Institut davon aus, dass eine weitere Steigerung erfolgt. Die Pro­gnose liegt im Bereich von etwas mehr als 2 Prozent.

Tourismusbranche hat zu kämpfen

Im Gastgewerbe sind die Auswirkungen des Wechselkursschocks noch nicht ausgestanden. Nachdem die Zahl der Hotelübernachtungen bereits 2015 rückläufig war (minus 1,3 Prozent), zeigt sich dieser Trend auch im bisherigen Jahresverlauf. Von Januar bis August ist die Nachfrage in der Hotellerie um 1,4 Prozent zurückgegangen, wobei dieser Rückgang allein durch die ausländische Nachfrage verursacht wurde. Immerhin erwartet BAK Basel dank der nachlassenden Frankenstärke und der Aufhellung am Konjunkturhimmel für den Tourismus eine Rückkehr in die Wachstumszone. «Ich bin optimistisch, dass das Tourismus­resort zum Laufen kommt», sagte Traxel zur Entwicklung im Urserntal. Es sei zwar keine explosionsartige, aber eine stete Steigerung zu erwarten.

Die Wirtschaftsprognose bescheinigt dem Urner Arbeitsmarkt eine gute Verfassung. So lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote in den ersten beiden Quartalen 2016 bei jeweils 1,0 Prozent (Schweiz 3,3 Prozent) und damit leicht tiefer als im Vorjahr. Für das kommende Jahr erwartet BAK Basel im produzierenden Sektor eine negative und im Dienstleistungssektor eine positive Entwicklung. Unter dem Strich dürfte die Beschäftigung leicht zunehmen. Prognostiziert ist ein Plus von 0,2 Prozent.

Urs Hanhart


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