Regierung verteidigt Nein zur Gotthardröhre

URI ⋅ Der Urner Regierungsrat ist weiterhin gegen einen zweiten Strassentunnel durch den Gotthard. Er stützt sich dabei auf die bisherigen Volksentscheide der Urner. Seiner Ansicht nach lässt sich eine zweite Röhre nicht mit der Sicherheit rechtfertigen.

03. Februar 2015, 17:14

Der Regierungsrat hat am Dienstag eine Interpellation der FDP Uri beantwortet. Diese wollte wissen, wieso der Regierungsrat die bundesrätliche Vorlage bekämpfe. Die Interpellanten bezeichnen diese als «Steilpass» für den Regierungsrat, um eine den «realen Interessen» Uris entsprechende Verkehrspolitik einzuschlagen.

Der Bundesrat und die eidgenössischen Räte möchten einen zweiten Tunnel bauen und diesen während der Sanierung der bestehenden, 1980 eröffneten Röhre im Gegenverkehr betreiben. Danach, das heisst ab zirka 2030, sollen beide Röhren je einspurig betrieben werden.

Der Regierungsrat weist darauf hin, dass die Urner Stimmberechtigten 2011 eine praktisch identische Vorlage abgelehnt hätten, eine Initiative der Jungen SVP. Inhaltlich hätten sie damals zu dem Nein gesagt, was jetzt gesamtschweizerisch zur Abstimmung komme. Die Regierung erwähnt zudem weitere Urnengänge, in denen sich die Urner gegen eine zweite Tunnelröhre ausgesprochen hätten.

Wird die zweite Röhre gebaut, nimmt nach Ansicht der Kantonsregierung der Druck zu, die Röhren nicht einspurig zu betreiben, sondern alle Fahrspuren zu nutzen. Die Schweizer Stimmberechtigten müssten dann nicht mehr über die hohen Kosten eines Tunnelbaus abstimmen, sondern nur noch darüber, ob eine gebaute und bezahlte Röhre voll genutzt werden solle.

Beschränkter Sicherheitsnutzen

Der Regierungsrat stimmt den Interpellanten zwar zu, dass zwei richtungsgetrennte Tunnelröhren sicherer seien als der heutige Tunnel mit Gegenverkehr. Der Sicherheitsnutzen sei aber beschränkt, schreibt er.

Die Kantonsregierung stützt sich auf ein Gutachten der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), gemäss der der Sicherheitsvorteil bei einer Verkehrszunahme von 3 Prozent schon wieder aufgehoben wäre, da das Unfallrisiko auf der gesamten Transitstrecke von Basel bis Chiasso zunehmen würde.

Da in schwere Unfälle meist Lastwagen verwickelt seien, müsse auf die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene gesetzt werden. Ferner gibt der Regierungsrat zu bedenken, dass bis 2030 wohl viele Autos mit elektronischen Assistenzsystem ausgestattet seien, die ein Abweichen von der Spur verhindern könnten. (sda)


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