Urner Sennen zeigen ihre Künste

BÜRGLEN ⋅ Anhänger von Brauchtum und Folklore kamen an der Sennenchilbi voll auf ihre Kosten. Beim Fahnenschwingen passierte zwar das eine oder andere Missgeschick – doch die Sennenfamilie nahm es mit Humor.

10. Oktober 2016, 05:00

 

Für jene, die den ersten Höhepunkt der Sennenchilbi in Bürglen nicht verpassen wollten, war gestern nichts mit Ausschlafen. Die festlich gekleidete Sennenfamilie machte sich bereits kurz vor 9 Uhr auf den Weg zur Kirche, um dem von Wendelin Bucheli geleiteten Festgottesdienst beizuwohnen. Während der Einzug nur vereinzelt Zuschauer anzulocken vermochte, waren es nach der Messe umso mehr Schaulustige, die sich bei kaltem, aber trockenem Wetter auf dem Kirchplatz versammelten.

Zu sehen gab es dort das traditionelle Fahnenschwingen, bei dem nicht einfach irgendwer die Fahne schwang, sondern der kürzlich gewählte Sennenvater Sepp Arnold, Unterschächen. Neben ihm gaben auch die ebenfalls neu bestimmten Beamten Peter Schuler (Hauptmann), Beat Gisler (Statthalter), Maurus Imholz (Vorfähnrich) und Fabian Arnold (Nachfähnrich) ihre Künste zum Besten. Jeder der fünf wartete mit einer Solodarbietung auf.

Künste bringen Publikum zum Schmunzelnr

Zusätzlich warf auch noch der abgetretene Sennenvater Toni Arnold die Fahne in die Höhe. Dabei zeigte sich, dass auch in dieser koordinativ sehr schwierigen Disziplin noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Es gab grösstenteils etwas zaghafte Vorführungen zu sehen, zumindest im Vergleich mit den absoluten Könnern. Ab und zu fiel das Banner beinahe oder sogar ganz zu Boden, was die Auftretenden allerdings nicht tragisch nahmen. Ihnen und dem Publikum entlockten diese kleinen Missgeschicke eher heitere Schmunzler.

Eröffnet wurde der Reigen durch Vorfähnrich Maurus Imholz, der die Wirkung der Schwerkraft mit voller Wucht zu spüren bekam. Er konnte die Fahne nach einem besonders hohen Wurf nicht mehr fangen.

Die beste Note für seinen Auftritt hätte wohl Hauptmann Peter Schuler erhalten. Seine Darbietung wirkte jedenfalls sehr kontrolliert und fast wie aus einem Guss. Auf eine Jury wird allerdings seit Jahren verzichtet. Sehr beachtlich hielt sich auch Sennenvater Sepp Arnold. Seine Vorführung, gespickt mit recht hohen Würfen und Übersteigern, wurde vom Publikum jedenfalls mit einem besonders langen und lauten Applaus belohnt.

Die Erfahrungen liegen lange zurück

«Angesichts der Tatsache, dass wir im Vorfeld nur dreimal ein wenig geübt haben, bin ich ganz zufrieden», sagte der Sennenvater. «Die Ausführung ist mir einigermassen gelungen.» Bereits vor 45 Jahren hatte Arnold als Fahnenschwinger auf dem Kirchplatz von Bürglen gestanden, damals als neu gewählter Sennenhauptmann. Von den damaligen Erfahrungen konnte er allerdings nicht gross profitieren, wie er ­augenzwinkernd verriet: «Ich musste alles wieder neu lernen und praktisch bei null beginnen.»

Als Letzter griff traditionsgemäss der abgetretene Sennenvater zur Fahne. Toni Arnold setzte auf die gleiche Taktik wie schon im Vorjahr. Er verzichtete gänzlich auf hohe Würfe und kam dadurch ohne Patzer über die Runden.

Sennenvater erlebt Unvergessliches

Sein zweites persönliches Highlight erlebte der Sennenvater dann beim nachmittäglichen Einzug mit der Sennenfamilie zum Festgelände, auf dem ein buntes Programm geboten wurde. Die Palette reichte von Trachtengruppen über Alphornbläser und Trychlern bis hin zu Auftritten der Sechsermusik und des Musikvereins Bürglen. Vor Ort waren auch verschiedene Handwerks- und Käsestände sowie diverse Kinderattraktionen. Mit dabei waren auch wieder Fahnenschwinger, diesmal jedoch absolute Könner ihres Fachs.

«Ich bin sehr stolz, dass ich dieses Ehrenamt wahrnehmen darf», sagte Sennenvater Arnold. «Das wird bestimmt ein unvergessliches Erlebnis hier an dieser Sennenchilbi.» Ganz besonders freue er sich darauf, zusammen mit der Sennenfamilie zu feiern und zu festen. Die Ehre des Amts sei gross, allerdings stehe er nicht so gerne im Mittelpunkt. «Wenn ein anderer zum Sennenvater gewählt worden wäre, hätte mich dies keineswegs geärgert.»

Urs Hanhart


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