Ärztezentrums Sins: «Vielleicht war man etwas zu optimistisch»

SINS ⋅ Das Ärztezentrum muss im Sommer wegen Personalmangels seine Türen schliessen. Daniel Strub, der CEO des Spitals Muri, nimmt Stellung zu den Gründen, die zum Entscheid geführt haben.
19. April 2017, 05:00

Die Patienten des Ärztezentrums Sins müssen sich nach einem neuen Hausarzt umsehen. Per Ende Juli schliesst die Praxis an der Bahnhofstrasse ihre Türen. Dies, weil man nach diversen Abgängen im Ärzteteam die Stellen nicht mehr besetzen konnte (Ausgabe vom 15. April).

Anfang 2016 übernahm das Spital Muri das Ärztezentrum vom langjährigen Dorfarzt Rolf Glauser. Marco Beng, der damalige CEO des Spitals, hatte Grosses vor. Er äusserte sich sogar über Pläne, zu einem späteren Zeitpunkt eine noch grössere Gruppenpraxis zu realisieren. Sein Nachfolger Daniel Strub, der das Spital Muri seit Januar führt, nimmt im Interview Stellung dazu, weshalb es trotz allem nicht gelungen ist, die Praxis auf gesunde Beine zu stellen.

Daniel Strub, hat man die Situation seitens des Spitals Muri falsch eingeschätzt, als das Ärztezentrum 2016 übernommen wurde?

Das Spital Muri hat damals eine gut funktionierende und personell gut aufgestellte Praxis übernommen. Dass mehrere Ärzte das Zentrum verlassen würden, konnte man nicht vorhersehen. Was generell die Situation bei den Hausärzten angeht, war man vielleicht etwas zu optimistisch.

Hat sich der Entscheid, das Ärztezentrum zu schliessen, schon länger abgezeichnet?

Nein. Wir haben bis zum Schluss intensiv nach Lösungen gesucht. Gestartet sind wir mit drei Ärztinnen und einer Praxisassistentin. In der Zwischenzeit arbeiten nur noch zwei Ärzte in der Praxis. Vor kurzem erfolgte die Kündigung der ärztlichen Leiterin, was den Ausschlag gab, das Zentrum zu schliessen. Der Entscheid fiel dem Stiftungsrat und mir nicht leicht, es ist ein grosser Verlust für die Region. Wir bedauern es, dass wir mit unserem Vorhaben, die hausärztliche Versorgung in Sins zu erhalten, gescheitert sind.

Was hat man konkret getan, um die Vakanzen wieder zu besetzen?

Wir haben externe Unterstützung beigezogen, persönlich Ärzte angesprochen, Inserate geschaltet und uns mit verschiedenen Instituten sowie dem Freiämter Ärzteverband ausgetauscht. Trotzdem ist es uns nicht gelungen, die Lücken wieder zu füllen.

Wo sehen Sie die Gründe für die zahlreichen Abgänge?

Es gibt mehrere Gründe. Befristete Verträge, Mutterschaften oder der Wunsch, eine eigene Praxis zu eröffnen, gehören dazu. Diese Entscheidungen kann man den Beteiligten nicht übel nehmen. Aber offenbar ist es so, dass die Arbeit in einem Anstellungsverhältnis für junge Ärzte hier schlicht nicht attraktiv genug ist.

Hat man die Möglichkeit in Betracht gezogen, Ärzte aus dem Spital Muri in der Praxis einzusetzen?

Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Der Beruf des Spitalarztes ist ein anderer als der des Hausarztes. Im Spital haben wir kaum Personal, das für die Arbeit im Ärztezentrum qualifiziert gewesen wäre.

Rechnen Sie mit zusätzlichen Patienten im Spital Muri, wenn das Ärztezentrum Sins seine Türen schliesst?

Nicht direkt. Es sind nicht dieselben Leistungen, die wir im Spital anbieten. In der Notfallpraxis wird zusätzliche Infrastruktur für Sprechstunden entstehen. Doch das betrifft nur selten Themen, die ein klassischer Hausarzt in der Regel bearbeitet. Für die Patienten heisst es, dass sie sich einen neuen Hausarzt suchen müssen. Das gilt leider auch für das Zentrum Aettenbühl in Sins und das Maria-­Bernarda-Heim in Auw, wo die Ärzte der Sinser Praxis derzeit aktiv sind.

Interview: Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch


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