Wanderweg beflügelt das Gastgewerbe

GOTTHARD ⋅ Der Vier-Quellen-Weg zieht Wanderer von überall her in den Kanton Uri. Diese Saison verschafft er den Hütten so viel Gäste wie noch nie – und nicht nur ihnen.

16. Oktober 2016, 05:17

Tommy Dätwyler bringt wenig aus der Ruhe. Hoch ob Andermatt bewirtet er seit 25 Jahren Skitourenfahrer, Schneeschuhläufer und Wanderer. Doch diese Saison war für den Hobby-Hüttenwart der Vermigelhütte eine besondere. «So viele Gäste wie in diesem Jahr hatten wir noch nie.» Besonders die letzten zwei Monate der Saison, die heute zu Ende geht, seien stark besucht gewesen.

Dafür verantwortlich ist laut Dätwyler das Wetter. Doch nicht nur. Auch der Vier-Quellen-Weg trug zum guten Geschäft bei. Der hochalpine Wanderweg führt durch das Gotthardmassiv und verbindet dieRhein-, Reuss-, Ticino- und Rohne-Quellen miteinander. Der Weg ist 85 Kilometer lang – in fünf Etappen aufgeteilt.

Weg zieht Deutsche und Holländer an

Berggänger können die Teilstrecken einzeln ablaufen oder alle zu einer grossen Tour zusammenhängen. Die Vermigelhütte liegt am Ende des ersten Abschnittes. «Mehr als die Hälfte unserer Gäste wollen den ganzen Vier-Quellen-Weg absolvieren», sagt Tommy Dätwyler. Und das bei jedem Wetter: «Häufig kommen diese Wanderer aus den Niederlanden oder Deutschland. Sie haben die Tour geplant und machen sie auch, wenn es regnet.» Denn sie seien ja extra hergereist. Der Weg ist für Dätwyler ein Segen. Seit er 2012 eröffnet wurde, sei die Auslastung der Vermigelhütte im Herbst kontinuierlich gestiegen. Die Hütte bietetPlatz für 25 Personen. Wanderer, die bei Tommy Dätwyler keinen Platz mehr haben, müssen ausweichen. Worüber sich Pia Honegger freuen dürfte. Sie bewartet die in der Nähe gelegeneMaigelshütte. «Wir hatten eine sehr gute Saison, nur das Jahr 2003 war noch besser.» Auch sie findet den Vier-Quellen-Weg «eine sehr gute Sache». Die Worte der Hüttenwartin sind wie Musik in den Ohren von Paul Dubacher. Der Seedorfer gilt als Urner Wanderpapst. Er hat den Wanderweg im Gotthardmassiv geschaffen. «Natürlich freut es mich, dass der Tourismus profitieren kann. Der Weg ist wichtig für die Region.» Das Gastgewerbe fördern wollte er damit aber nicht in erster Linie. «Natürlich spielt das bei so einem Projekt eine Rolle. Doch mir ging es darum, einen hochalpinen Wanderweg zu erstellen und den Leuten das Element Wasser näherzubringen.» Dass jetzt die Gastronomie und das Gewerbe davon profitierten, sei aber erfreulich.

Zu den Profiteuren des Vier-Quellen-Weges gehören neben lokalen Lieferanten auch das Gotthard-Hospiz und die Pian­secco-Hütte in der Nähe der Ticino-Quelle. Bei den Verantwortlichen ist der Tenor gleich: «Die Saison war sehr stark», sagt Urs Ortelli vom Hotel auf dem Gotthard. Und Enrica Vella von der Piansecco-Hütte meint: «Wir beherbergen auffällig viele Wanderer, die den Vier-Quellen-Weg ablaufen.» Doch der Weg hat vorerst als Lebensader für die Hütten und Hotels am Gotthard ausgedient. Die meisten Betriebe beenden heute die Saison, die Maigelshütte ist noch bis nächsten Sonntag geöffnet – sofern Reservationen eintreffen. Über den Winter hinweg sind die Hüttenauf Anfrage und meist an den Wochenenden bewartet – wenn das Wetter mitspielt. In der kommenden Wandersaison stehen die Hütten wieder für die laufenden Gäste bereit. Der Vier-Quellen-Weg wird sie wohl auch dann wieder anspülen.

Kilian Küttel


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