Wo sollen Skitourengänger hin?

WINTER ⋅ Der Urner Ständerat Josef Dittli fordert, dass die Regeln bezüglich Skitouren gelockert werden. Dazu legt er sich zusammen mit dem Schweizer Alpen-Club mit dem Bundesamt für Umwelt an.
17. März 2017, 07:31

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Wenn es um den Schutz der Wildtiere in der Schweiz geht, wird manch einer emotional. Die Debatten um allfällige Wolfabschüsse oder gar, ob der Bär zu weit in die Gebiete des Menschen vordringt, keimen in regelmässigen Abständen auf.

Ein weiterer Streit wird ebenfalls um ein Bergthema ausgetragen. Es geht darum, wo Skitourengänger und geführte Touren im Winter ihre Spuren hinterlassen dürfen und wo der Schutz der Wildtiere Priorität hat. Protagonisten sind hierbei das Bundesamt für Umwelt (Bafu) und der Schweizer Alpen-Club (SAC) mit dem Urner Ständerat Josef Dittli im Rücken. Angefangen hat der Konflikt laut SAC-Zentralvorstandsmitglied René Michel 1991. Fahrt nahm der Streit im Juli 2012 auf. Seither ist die Revision der Jagdbannverordnung in Kraft. Sie besagt, dass nur noch die vom Bundesamt für Landestopografie vermerkten Routen für Wintertouren begangen werden dürfen. Die übrigen Routen, die der SAC in seinen Routenführern beschreibt, gelten nicht mehr.

Für die eigentliche Routenauswahl sind die Kantone nach den Regeln des Bafu zuständig. Hiermit sind nur noch ebendiese Routen erlaubt. Das heisst: Routen, die durch den SAC insbesondere für Bergführer und Skitourenleiter empfohlen wurden, waren bis zur Revision ebenfalls für Touren zugänglich, seither teilweise nicht mehr.

Wildtierschutz gegen Tourismus

Das ärgert den SAC wie auch den Bergführerverband. So wurden vor kurzem drei Routen auf das Schwarzhorn im Berner Oberland gestrichen. Die beiden Verbände seien nicht per se gegen Schutzgebiete, sie würden sich auch für diese einsetzen, heisst es beim SAC. Doch gehe es um die Ausgewogenheit zwischen Wildtierschutz einerseits und Nutzung der Natur durch Jagd und naturnahen Tourismus andererseits. Der SAC befürchtet, dass der Wintertourismus wegen übertriebener Schutzmassnahmen Schaden nehmen könnte. Denn die Wildtierbestände seien seit Jahren hoch. Ausserdem gebe es keine einzige Studie, die besage, dass Bergsportler Wildtieren schadeten.

Ständerat Josef Dittli (FDP) hat am Mittwoch dazu eine Motion eingereicht. Er fordert, dass der naturnahe Tourismus in Jagdbanngebieten gebührend berücksichtigt wird. So soll die alte Regel wieder aktiviert werden, die besagt, dass die Skitouren auch anhand der SAC-Literatur definiert werden können. «Ich bin selber ein aktiver Skitourengänger», erklärt Dittli auf Anfrage sein Engagement. Die Wildtiere hielten sich im Winter vorgängig im Wald auf, weswegen die nun ausgesprochenen Skitourenverbote oberhalb der Baumgrenze keinen Sinn ergäben.
Der ehemalige Regierungsrat, der auch für Jagdbanngebiete im Kanton zuständig war, kritisiert, dass das Bafu «eine schleichende Kompetenzerweiterung» vorgenommen hat. «Darum soll nun eine Korrektur vorgenommen werden, damit die von einem Tag auf den anderen auf kaltem Weg verbotenen Skitouren wieder ermöglicht werden.» Dittli befürchtet zudem – wie auch der SAC –, dass das Bundesamt für Umwelt auch Einschränkungen im Sommer ins Auge fassen könnte. Momentan gibt es noch keine solchen. Der Kanton Uri ist vom Konflikt wenig betroffen, wie Dittli sagt. Hier gibt es zwei Jagdbanngebiete: Im Gebiet des Urirotstocks und im Fellital. Dort sind gewisse Touren erlaubt.

Das Bafu erklärt auf Anfrage, dass es keine Auskunft geben könne, bevor der Bundesrat über die Antwort entschieden habe.
 

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