Altes Kulturgut bleibt erhalten

UNTERSCHÄCHEN ⋅ Nach dem Ballenberg hat auch das Freilichtmuseum Schächental ein renoviertes baugeschichtliches Museumsstück. Toni Arnold-Gisler hat einen jahrhundertealten «Nytler» vor dem drohenden Zerfall gerettet.
10. Februar 2018, 05:00

Bruno Arnold

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

Bei einer Wanderung von Unterschächen Richtung Alp Äsch konnte man vor Jahren allein auf dem Abschnitt «Erlenbödeli» bis «Schwandensteg» zwischen den Weilern Ribi und Schwanden noch rund 15 «Nytler» (siehe Box) entdecken. Um gleichmässig kühle Temperaturen und eine optimale Luftfeuchtigkeit nutzen zu können, wurden sie an schattigen und windgeschützten Orten gebaut. Die «Nytler» gehörten vor allem Landwirten aus der Umgebung, aber auch nichtbäuerlichen Familien aus Unterschächen, welche diese Kaltkeller als «Naturkühlschränke» nutzten.

Als auch im Schächental immer mehr elektrische Kühlschränke Einzug hielten, wurden die «Nytler» überflüssig. Ein aus dem 18. Jahrhundert stammendes und bereits stark zerfallendes Objekt, das am «Äschsträssli» stand, wurde Anfang der 1980er-Jahre sorgfältig abgebaut, abtransportiert, danach renoviert und zieht seither im Freilichtmuseum Ballenberg in Hofstetten bei Brienz als «Kaltkeller aus Unterschächen» das Interesse der Besucher auf sich.

Jahrhundertealte Objekte unbedingt erhalten

Im Gegensatz zum «Äschsträssli-Nytler» im Ballenberg droht den meisten der übrigen Kaltkeller, die dort ungenutzt Wind und Wetter ausgesetzt sind, immer mehr der totale Zerfall. Der 55-jährige Toni Arnold-Gisler («dr Steiner»), der aus Unterschächen stammt, hat dies erkannt – und auch reagiert. «Unsere Nachkommen sollen sehen können, wie unsere Vorfahren gelebt, gearbeitet, gebaut und wie sie sich die Natur zu Nutzen gemacht haben», sagt er. «Damit dies nicht nur in einem Museum möglich ist, müssen wir auch solche Objekte aus alten Zeiten vor Ort unter allen Umständen erhalten», betont Arnold.

Im Herbst 2015 hat «dr Steiner» deshalb einen der noch bestehenden fünf alten «Nytler» am Weg nach Äsch von zwei Eigentümern erworben. Dessen Bauzeit ist nicht bekannt, das Gebäude dürfte aber mehrere Jahrhunderte alt sein. Das Dach war eingedrückt, die meisten Schindeln waren verfault, die Türe fehlte, und auch das Mauerwerk drohte auseinanderzubrechen. «Mein Ziel war es nicht, in diesem Naturkeller einmal Esswaren oder Material lagern zu können», betont er. «Ich wollte diesen ‹Nytler› einfach vor dem totalen Zerfall bewahren und der Nachwelt als Kulturgut erhalten.» Der Kaltkeller ist Bestandteil des kantonalen Schutzinventars, das die Regierung im Jahr 1999 für die Gemeinde Unterschächen in Kraft gesetzt hat.

Holz für Schindeln ist nicht leicht zu finden

2016/17 hat Arnold seinen «Nytler» restauriert. Das alte Dach und der Eingangsbereich wurden abgerissen. Der gelernte Maurer hat die bergseitige Bruchsteinmauer mit den vorhandenen und wiederverwendbaren sowie mit zusätzlichen Steinen aus der Umgebung neu erstellt und die seitlichen Mauern saniert, wobei Stein auf Stein aufgeschichtet wurde. Arnold hat auch die Holzarbeiten selber ausgeführt. Dies erstaunt kaum, ist er doch in einem Sägerei-Zimmerei-Betrieb aufgewachsen, der von seinem Vater betrieben wurde. Das neue «Nytler»-Dach besteht aus Rundhölzern aus Fichtenholz, auf denen er die Grobschindeln aus «Tannigem» befestigt hat. Arnold hat das Holz selber gespalten und die Schindeln gleichmässig gefertigt. Durch das Spalten wird der natürliche Faserverlauf des Holzes nicht zerstört, was die gespaltenen Schindeln haltbarer macht als gesägte. «Geeignetes Holz für die Schindeln zu finden, war eine der grössten Schwierigkeiten», betont Arnold. Und schliesslich ist auch ein neuer Eingang mit einem Rahmenstock und einer Türe aus Lärchenholz entstanden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 13000 Franken.

Immer wieder von Wanderern angesprochen

Rund 200 Arbeitsstunden hat Arnold bei der Vorbereitung in der Werkstätte oder bei Arbeiten am «Nytler» selber investiert. Finanzielle Unterstützung erhielt er von der öffentlichen Hand und von einer Stiftung. «Vor Ort haben mich immer wieder Wanderer angesprochen», sagt Arnold. «Viele von ihnen kannten weder den Dialektausdruck ‹Nytler› noch den einstigen Verwendungszweck. Das hat mir bestätigt, dass es richtig ist, dieses Kulturgut unbedingt zu erhalten.»


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