Der Bär ist in Obwalden angekommen

ENGELBERG ⋅ Nachdem Bär M29 im Kanton Uri unterwegs war, wurde er am Montag im Engelbergertal beobachtet. Das versetzt die Behörden aber nicht in Aufregung: Das Raubtier gilt als ruhiger Zeitgenosse.
Aktualisiert: 
09.04.2018, 18:00
09. April 2018, 15:55

Kilian Küttel

kilian.küttel@luzernerzeitung.ch

Am Montagmorgen staunten Mitarbeiter des Skigebiets Engelberg Titlis und ein ansässiger Wirt  wohl nicht schlecht, als sie eine bemerkenswerte Entdeckung machten: Im Gebiet Gerschnialp oberhalb von Engelberg sichteten sie einen Braunbären. Das Obwaldner Baudepartement geht davon aus, dass es sich dabei um das gleiche Tier handelt, welches bereits in den Kantonen Bern und Uri unterwegs war. In Uri wurde der Bär mit dem Namen M29 Mitte der letzten Woche entdeckt – und zwar im Raum Sustenpass. Nun überquerte er von dort aus also die Kantonsgrenze.

Sobald die Mitteilung des Wirtes und der Pistenarbeiter eingegangen waren, machte sich der zuständige Wildhüter auf zum Ort der Sichtung: «Jetzt haben wir die Gewissheit, dass der Bär tatsächlich bei uns ist», sagt Cyrill Kesseli, Leiter des Bereichs  Wildtiere und Jagd beim Kanton Obwalden. Die Behörden sind über das Auftauchen des tierischen Gastes nicht sonderlich überrascht. Kesseli: «Als wir die Meldung der Urner Kollegen erhielten, dass sich ein Bär in ihrem Areal aufhält, waren wir darauf gefasst, dass der Bär auch den Weg zu uns finden könnte.»

Einmal erlag der Bär der Versuchung

Die Obwaldner Behörden haben also mit dem Auftauchen gerechnet. Und sie werden auch nicht nervös, weil der Bär nun den Weg zu ihnen gefunden hat. Denn M29 gilt als unauffällig, ruhiges und scheues Tier: Erstmals wurde er im Mai 2017 im Kanton Bern fotografiert. Während seines Aufenthalts machte er nicht  grossartig auf sich aufmerksam. Die einzige Schadensmeldung ging in Bern im April 2017 ein, als M29 in ein Bienenhaus eingebrochen war. Auch Kesseli sagt: «Der Bär war bis anhin sehr unauffällig.» Ähnliches sagt Fabian Bieri, Leiter der Abteilung Jagd und Fischerei beim Kanton Nidwalden: «Ich nehme an, man kann sich schon glücklich schätzen, wenn man das Tier überhaupt einmal zu Gesicht bekommt.» Dies ist auch der Grund, weshalb man im Kanton Nidwalden vorerst davon absieht, Massnahmen einzuleiten: «Aber wir haben die ansässigen Landwirte dahingehend informiert, dass ein Bär in der Region unterwegs ist und ihnen mitgeteilt, worauf sie im Umgang mit dem Tier zu achten haben», so Bieri.

Ebenso haben die Kantone Ob- und Nidwalden aufgrund der aktuellen Situation eine Zusammenstellung mit Verhaltenstipps für Passanten und Wanderer erstellt. Wer ein Gebiet betritt, in dem sich ein Bär aufhält, sollte sich unter anderem die folgenden Ratschläge zu Herzen nehmen:

- Bleiben Sie auf Wanderwegen.

- Meiden Sie Beerengebüsch oder abgelegene Pilzgründe.

- Machen Sie mit Sprechen oder unaufgeregtem Lärm auf sich aufmerksam.

- Nehmen Sie ihren Hund an die Leine.

- Sollte es zu einer Begegnung mit einem Bären in der freien Natur kommen, gilt es auf folgende Punkte zu achten:

- Bleiben Sie ruhig stehen und versuchen Sie, die Situation zu erfassen.

- Versuchen Sie auf keinen Fall, sich dem Bären zu nähern.

- Ziehen Sie sich langsam zurück. Zudem sollten Sie niemals rennen, denn Bären sind viel schneller als der Mensch.

Nach der Sichtung von Montagmorgen hat sich die Spur von M29 übrigens wieder verloren, die Behörden kennen seinen aktuellen Aufenthaltsort nicht. «Es könnte auch sein», so Fabian Bieri vom Kanton Nidwalden, «dass er schon weitergezogen und in einem anderen Kanton ist.»


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