Postauto-Chauffeur ohne Fahrausweis: Polizei holt Lenker direkt ab der Strasse

KANTON URI ⋅ Im Urner Oberland wurde ein Postauto-Chauffeur von der Polizei angehalten. Er war ohne Führerausweis unterwegs, der Atemalkoholtest fiel jedoch negativ aus – nicht wie kurz zuvor.
11. April 2018, 05:00

Zwischen Gurtnellen und Wassen hat die Polizei am Morgen des 26. März einen in Uri wohnhaften Postautochauffeur ausländischer Herkunft angehalten. Dieser war mit dem Bahnersatzbus auf der Linie Flüelen–Göschenen unterwegs. Er durfte nicht mehr weiterfahren und wurde von der Polizei zur Befragung mitgenommen. Ein kurzfristig aufgebotener Ersatzchauffeur übernahm das Steuer und beförderte die Fahrgäste – unter ihnen auch Kindergärtler – mit etwas Verspätung weiter Richtung Göschenen. Dieser Vorfall führte im Urner Oberland zu grossen Diskussionen und zu wilden Spekulationen.

Die Kantonspolizei Uri bestätigt den geschilderten Sachverhalt. «Unsere Patrouille hat bei der Kontrolle festgestellt, dass der Lenker des Fahrzeugs ohne gültigen Führerausweis unterwegs war», sagte Stabschef Gusti Planzer auf Anfrage. Er betonte aber: «Die Atemalkoholprobe beim Postautochauffeur war negativ.» Gerüchteweise war bereits von einem betrunkenen Buschauffeur die Rede gewesen.

Warum aber die eher ungewöhnliche morgendliche Kontrolle? Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass die Polizei dem Chauffeur nur wenige Tage vorher den Führerausweis wegen Trunkenheit am Steuer abgenommen hatte. Dazu wollte Planzer mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren keine Auskunft erteilen. Fest stehe jedoch, dass sich der Chauffeur für mindestens zwei Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz zu verantworten habe.

Arbeitgeber war nicht informiert

Die Bahnersatzfahrten werden von der Firma Mattli AG im Auftrag von Postauto Zentralschweiz ausgeführt. Geschäftsführer Pascal Mattli bestätigte auf Anfrage, dass seinem Mitarbeiter nach einer Fahrt mit seinem privaten Personenwagen der Ausweis entzogen worden war. «Er hat am Montag danach seine Arbeit angetreten, ohne mich zu informieren», so Mattli. «Ich habe erst nach der polizeilichen Kontrolle davon erfahren und den Vorfall Postauto Zentralschweiz umgehend gemeldet.»

Keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit

«Bei Postauto akzeptiert man nicht, dass Fahrer elementare Verkehrsregeln verletzen», sagte Beat Wiget am Dienstag unserer Zeitung gegenüber. «Wir haben die Situation mit der Firma Mattli in der Folge besprochen», so Wiget. Auf die Zusammenarbeit zwischen Postauto Zentralschweiz und dem Urner Unternehmen werde der Vorfall aber keine Auswirkungen haben. «Für unser Unternehmen in der Zentralschweiz sind rund 250 Chauffeure unterwegs», so Wiget. «Solche Ereignisse sind Einzelfälle, die auch nicht nach vertraglichen Massnahmen rufen, gerade wenn die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen ansonsten problemlos funktioniert», so Wiget. Ein solcher Vorfall kann für einen Chauffeur einen Verweis, aber unter Umständen auch eine Entlassung zur Folge haben. «Die konkrete Massnahme ist Sache des Arbeitgebers, wurde in diesem Fall aber mit Postauto abgesprochen», erklärte Wiget am Dienstag. Gemäss Pascal Mattli hat der Chauffeur nach dem Vorfall die Kündigung erhalten.

Wer ein Motorfahrzeug führt, obwohl ihm der Führerausweis «verweigert, entzogen oder aberkannt» wurde, muss gemäss Strassenverkehrsgesetz (SVG) mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Oberstaatsanwalt Thomas Imholz verwies auf Anfrage auf das laufende Verfahren und gab zu bedenken, dass sich Fragen nach dem Strafmass nicht pauschal beantworten liessen. «Jeder Fall ist als Einzelfall zu betrachten und zu bewerten», gab er schriftlich Auskunft. Neben dem eigentlichen Sachverhalt seien also auch weitere Punkte wie allfällige Vorstrafen oder die persönlichen Verhältnisse von Bedeutung.

Florian Arnold und Bruno Arnold

redaktion@urnerzeitung.ch


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