Das Boulder-Fieber ist ausgebrochen

SCHATTDORF ⋅ Klettern erfreut sich einer immer grösseren Beliebtheit. Dies ist auch im Kanton Uri spürbar. Die Boulderhalle des Vereins Granit Indoor in Schattdorf stösst ob des Booms bereits an ihre Kapazitätsgrenzen.
31. Dezember 2017, 05:00

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Nicht nur das Sportklettern mit Seil und Gurt, sondern die spielerische Variante Bouldern, bei der an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe der Weg nach oben gesucht wird, findet bei der breiten Bevölkerung Anklang. Bouldern hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung erlebt – auch im Kanton Uri.

Das stellt auch Beni Walker fest. Er ist im Vorstand des Bouldervereins Granit Indoor, der in Schattdorf vis à vis des Einkaufscenters Otto’s eine moderne 250 Quadratmeter grosse Boulderhalle betreibt. «Die Nachfrage nach qualitativ hochstehenden Kletter- und Boulder-Möglichkeiten wird immer grösser.» Dies widerspiegeln die Besucherzahlen deutlich. «Wir spüren das wachsende Interesse», sagt Walker. Dies hat auch damit zu tun, dass seit diesem Jahr die Kletterhalle in Andermatt nur noch unter speziellen Auflagen benutzt werden darf, was die Verantwortlichen von Granit Indoor sehr bedauern.

Ohne Fronarbeit wäre nichts gegangen

2013 hat der Verein die Kräfte verschiedener Kletterakteure im Kanton Uri gebündelt und dank immenser Freiwilligenarbeit eine Boulderhalle auf die Beine gestellt. «Unsere finanziellen Mittel waren gering, und wir waren auf jede noch so kleine Unterstützung angewiesen», erklärt Vorstandsmitglied Walker.

Die Mitgliederzahl ist rasant gestiegen. Von anfänglich 50 Mitgliedschaften sind es heute bereits 200, darunter sind aber auch viele Familienmitgliedschaften. «Bei uns haben 380 bis 400 Personen unbeschränkten Zugang zu unseren Räumlichkeiten.» Ein Grund für den regen Zulauf sei auch der tiefe Eintrittspreis sowie die Mitgliedschaftsgebühr im Verhältnis zu anderen Kletterstandorten in der Zentralschweiz (siehe Box).

Wenn es die Zeit ermöglicht, ist der 28-Jährige zweimal in der Woche beim Bouldern anzutreffen und frönt seinem Hobby. «Mir gefällt die Freiheit, die ich empfinde. Für eine Route gibt es nicht nur eine, sondern verschiedene Lösungen.» Zum Bouldern braucht man wenig: bequeme Kleidung, Kletterschuhe und vielleicht etwas Magnesium. Bei der Trendsportart steht nicht Kraft im Vordergrund, sondern eine ausgefeilte Technik, so Walker. «Es braucht Cleverness und Improvisationsvermögen, falls mal ein Griff zu weit entfernt oder nicht zu halten ist.» Diese Sportart habe einen weiteren positiven Effekt: «Sie fördert das kreative Denken.»

Neuer Standort ist in Planung

Anklang findet das Bouldern auch bei Kindern und Jugendlichen, wie Walker zu berichten weiss. «Bouldern bildet bei Kindern ein Selbstwertgefühl und kann die Eigenverantwortung stärken.» Ein Vorstandsmitglied hat sogar für seine Abschlussarbeit des Lehrerdiploms eine Anleitung für spielerischen Spass für Kinder beim Bouldern erstellt («School goes vertical»).

Für den Boulderverein ist klar, dass für die Besucher rasch mehr Fläche zur Verfügung gestellt werden muss. «Am Wochenende nutzen viele Familien das Angebot, da kommt es immer wieder zu Engpässen.» Diesem Umstand soll in absehbarer Zeit Abhilfe verschafft werden. Laut «Granit Indoor» würde ein weiterer Standort zur Debatte stehen. Diverse Gespräche haben bereits stattgefunden. «Spruchreif ist noch nichts», erklärt Vorstandsmitglied Beni Walker. Der Verein Granit Indoor ist zuversichtlich, dieses Projekt in den nächsten Jahren mit viel Energie realisieren zu können. «Wir wünschen uns, dass der Boom weiter anhält.»

Schweiz ist ein Kletterparadies

In der Zentralschweiz finden sich gleich mehrere grössere Kletteranlagen, bei denen Boulder-Enthusiasten auf ihre Rechnung kommen. Im luzernischen Kriens befindet sich etwa das City Boulder, wo auf rund 1000 Quadratmetern geklettert werden kann (www.cityboulder.ch).
Auch das Kletterzentrum Pilatus Indoor in Root verfügt über 325 Quadratmeter an Boulderfläche (www.pilatusindoor.ch). Ähnlich gross (330 Quadratmeter) ist der Boulder-Gade in Arth (www.boulder-gade.ch). Über einen Boulderraum verfügt zudem auch die Kletterhalle Wolhusen (www.sac-entlebuch.ch).
Einen Überblick über die schweizerischen Boulderhallen findet man auf www.kletterportal.ch. Mit 1200 Quadratmetern an Kletterfläche ist das B2 in Basel die wahrscheinlich grösste Halle der Nation (www.bzwei.ch).
Übrigens: Ab 2020 ist das Sportklettern, inklusive der Disziplin Bouldern, erstmals olympisch. Die Olympischen Sommerspiele 2020 werden im japanischen Tokio stattfinden. (io)

Hinweis

www.granitindoor.ch


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