Der Islam rückt in den Fokus

BILDUNG ⋅ Die Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Uri hat die diesjährige Schulpräsidienkonferenz durchgeführt. Die beiden Hauptthemen des Tages waren die Schulaufsicht und Religionen im Schulalltag.
19. Mai 2017, 08:24

«Bsuech im ... Kreisschulland Urner Oberland»: Unter diesem Titel präsentierten die Schüler der Kreisschule Urner Oberland das Leben an ihrer Schule. Die eindrückliche multimedial-musikalische Show war der heiter-sympathische Auftakt zur diesjährigen Schulpräsidienkonferenz. Diese fand auf Einladung der Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Uri (BKD) am Mittwoch, 17. Mai, in der Aula des Schulhauses in Göschenen statt.

«Das Bildungswesen ist ein komplexes System», sagte Landammann Beat Jörg, Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Uri, zur Begrüssung der rund vierzig Teilnehmer. «Aber gerade weil das Bildungswesen so komplex ist, ist es auch enorm vielfältig, flexibel und entsprechend leistungsfähig.» Es gelte also nicht, die Komplexität des Bildungssystems zu reduzieren, sondern es gehe vielmehr darum, die Komplexität mit geeigneten Instrumenten und Verfahren beherrschbar zu halten.

Religiöse Konflikte im Schulalltag

Ein wesentlicher Teil dieser komplexen Steuerung ist die Schulaufsicht. Diesem Thema widmete sich die Konferenz am Morgen im Rahmen des ersten Schwerpunktthemas «Schulaufsicht auf verschiedenen Ebenen des Bildungssystems». Basierend auf den gesetzlichen Grundlagen, mit Blick auf die gelebte Praxis und anhand konkreter Beispiele setzten sich die Teilnehmer mit den Aufgaben und dem Zusammenspiel der vier Aufsichtsebenen Erziehungsrat, Bildungs- und Kulturdirektion beziehungsweise Amt für Volksschulen, Schulrat und Schulleitung auseinander. Vertieft behandelt wurden einzelne Fragestellungen in einem Podiumsgespräch mit Landammann Beat Jörg, Guido Baumann, Schulleiter von Andermatt, Philippe Dubacher, Schulratspräsident von Seedorf, und David Zurfluh, Mitarbeiter im kantonalen Amt für Volksschulen.

Das zweite Schwerpunktthema der Konferenz: «Religionen im Schulalltag mit Fokus Islam». Religionswissenschafterin Nicole Wagner gab zunächst einen Überblick über Muslime in der Schweiz. Anschliessend referierte sie über religiöse Konflikte im Schulalltag. Anhand konkreter Beispiele diskutierten die Konferenzteilnehmer im Anschluss mögliche Haltungen und Handlungsempfehlungen. Zum Schluss dieses Themenblocks informierte das Amt für Volksschulen über Religionen im Lehrplan 21. Gemäss neuem Lehrplan wird das Thema Religionen sowohl auf der Primarschulstufe (Natur, Mensch, Gesellschaft; NMG) als auch auf der Oberstufe (Ethik, Religionen, Gemeinschaft; ERG) unterrichtet.

Referenzen bei einer Neueinstellung verlangen

Zu Beginn der Konferenz hatte Beat Spitzer, Vorsteher des Amts für Volksschulen, kurz die Einstellung von Lehrpersonen in Uri thematisiert. Aktueller Anlass dafür waren die Missbrauchsvorwürfe im «Fall Jegge». Wie Beat Spitzer informierte, führe die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) eine schwarze Liste mit Lehrpersonen ohne Unterrichtsberechtigung. Bei Neuanstellungen von Lehrern in Uri konsultiert die BKD jeweils diese Liste. Weiter empfahl Beat Spitzer den Schulbehörden, bei jeder Neuanstellung konsequent die Referenzen des vorherigen Ar­beitgebers einzuholen. Darüber hinaus kann der Schulrat von einem Stellenbewerber einen Sonderprivatauszug verlangen. Der Erziehungsrat werde in den kommenden Monaten noch diskutieren, ob künftig bei allen Neuanstellungen von Lehrpersonen in Uri zwingend ein Sonderprivatauszug einzufordern sei, so Beat Spitzer.

Informationen erhielten die Teilnehmer schliesslich noch zum Thema «Integration fremdsprachiger Schüler». Der Erziehungsrat hatte einen entsprechenden Bericht zur Kenntnis genommen und das Amt für Volksschulen mit der Umsetzung der Handlungsempfehlungen beauftragt. Allfällige Änderungen, zumal im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ), werden voraussichtlich auf das Schuljahr 2018/19 hin in Kraft treten.

red


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