Die Festung ist um eine Attraktion reicher

GOTTHARD ⋅ Die ehemalige Militärfestung Sasso San Gottardo widmet sich in einer neuen Ausstellung der Geschichte der Kristallverarbeitung. Die «Wunderkammer» spannt aber auch einen Bogen zur Gegenwart.
25. Juni 2017, 05:00

Jonas von Flüe

jonas.vonfluee@luzernerzeitung.ch

Die Temperatur sinkt markant. Wer die ehemalige Militärfestung Sasso San Gottardo auf der Gotthard-Passhöhe betritt, muss sich warm anziehen. 7 Grad beträgt die Temperatur im über 200 Meter langen Eingangsstollen. Während draussen die Sonne scheint, erwartet die Besucher drinnen ein kühles, aber faszinierendes Höhlensystem, das seit gestern um eine Attraktion reicher ist: die «Wunderkammer».

Die neue Ausstellung widmet sich der Geschichte der Bergkristallverarbeitung. Der Name «Wunderkammer» soll an die Renaissance erinnern, als Adlige in ihren Palästen sogenannte Wunderkammern eingerichtet hatten. «In diesen Kammern fanden sich exotische Tiere und Pflanzen, vor allem aber Schmuck und Gegenstände aus Bergkristallen», erklärt Kuratorin Cristina Kaufmann. «Sie waren zu jener Zeit ein wichtiges Statussymbol.»

Seit zwei Jahren ist die Kristallwelt ein grosser Bestandteil der Festung. 2015 wurde die 1,5 Tonnen schwere Riesenkristallgruppe, welche die Strahler Franz von Arx und Elio Müller 2008 am Planggenstock entdeckt hatten, in die Festung verschoben und in einer Kaverne ausgestellt. Seither ist sie der Zuschauermagnet schlechthin. 20 000 Besucher konnte die Festung im Vorjahr verzeichnen, genau so viele Gäste strebt Betriebsleiter Damian Zingg in diesem Jahr an. «Die Buchungen sind bis jetzt sehr gut», erklärt er.

Funde aus den Alpen landeten in Mailand

Seit zwei Jahren arbeitet auch Cristina Kaufmann in der Festung. Mit der neuen Ausstellung werde den Besuchern, die sich für die Riesenkristalle interessieren, auch deren Bedeutung erläutert. Die «Wunderkammer» besteht im Wesentlichen aus drei Teilen:

Auf Informationstafeln wird erstens der Geschichte und der Entstehung der Bergkristalle auf die Spur gegangen. So erfährt man, dass Kristalle bis ins 17. Jahrhundert für unschmelzbares Eis gehalten und praktisch alle Funde aus den Zentralalpen nach Norditalien, vor allem nach Mailand, transportiert wurden. Dort wurden sie von Kunsthandwerkern zu wertvollem Schmuck verarbeitet. Heute gelangen hingegen fast alle Kristallfunde in Sammlungen.

Zweitens können die Besucher in mehreren Vitrinen Gegenstände aus Bergkristallen bewundern: zum Beispiel historischer Schmuck, Uhren, ein Rosenkranz und das Altarkreuz der Pfarrkirche Andermatt aus dem 17. Jahrhundert. Mit der Schmuckkollektion «Herz der Schweiz» bekommt auch die Gegenwart ihren Platz. Das Schweizer Label «Elvetia» lässt die Strahler-Tradition wieder aufleben und fertigt Ringe und Ketten aus Kristallen.

Der dritte Teil widmet sich der Kunst: Der Steinhauser Maler Markus Uebelhart zeigt mit seinen Bildern verschiedene Facetten der Urner Bergkristalle.

Schöne Ergänzung zum Herzstück

Die «Wunderkammer» bietet somit eine schöne Ergänzung zum eigentlichen Herzstück von Sasso San Gottardo: den Riesenkristallen vom Planggenstock. Ihr Anblick ist schlicht und einfach faszinierend und regt die Fantasie an – auch nach mehrmaliger Betrachtung.

Hinweis

Die Festung ist im Juli täglich ausser Dienstag und im August täglich geöffnet. Für Gruppen ist eine Anmeldung obligatorisch.


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