Die Genfer geben den Ton an

ALTDORF ⋅ Das erhoffte Fussballfest blieb aus: Denn die Cup-Träume des FC Altdorf sind gegen den Challenge-League-Club Servette FC jäh geplatzt. Und auch neben dem Platz sorgten vor allem die Servette-Fans für gute Stimmung.
14. August 2017, 05:00

Bruno Arnold und Elias Bricker

redaktion@urnerzeitung.ch

1850 Fussballfans strömten am vergangenen Samstag auf die Altdorfer Schützenmatte, unter ihnen auch rund 250 Fans des Servette FC. Neben dem Grossaufmarsch des Publikums stimmte auch das Wetter, und am Spielfeldrand hatten die Verantwortlichen und die vielen Helfer alles getan, um das Schweizer-Cup-Spiel des FC Altdorf (2. Liga interregional) gegen den Challenge-League-Club Servette FC zu einem einmaligen Erlebnis zu machen.

Doch zum erhofften grossen Fussballfest auf der Schützenmatte kam es trotzdem nicht. Schuld daran waren aber weniger die für das «Rahmenprogramm» verantwortlichen FCA-Leute oder die Akteure auf dem Spielfeld, sondern vielmehr die Altdorfer Fans. Sie blieben äusserst zurückhaltend und liessen sich am Samstag ganz einfach nicht aus der Reserve locken. Sogar der krampfhafte Versuch einiger enthusiastischer Fans, auf der «Ost-Tribüne» eine Welle anzureissen, blieb – zum grossen Leidwesen der Animatoren – völlig chancenlos.

Zu Beginn mutig und gut mitgespielt

Chancenlos blieb auch das Team des FC Altdorf. 0:6 lautete das brutale Verdikt nach 90 Minuten – obwohl die Urner Fussballer zu Beginn beider Halbzeiten mutig und gut mitgespielt hatten und die Niederlage in dieser Höhe nicht ganz dem Spielgeschehen auf dem Platz entsprach.

FCA-Trainer Pedro Somoza zeigte sich denn auch mit dem Spiel seiner Mannschaft «nicht unzufrieden». «Für die am Dienstag beginnende Meisterschaft stimmt mich die Leistung – sowohl in kämpferischer wie auch in spielerischer Hinsicht – durchaus zuversichtlich», meinte er nach der Partie gegen die Genfer. «Vergessen wir nicht: Servette ist ein Challenge-League-Club», sagte Somoza. «Dass die Genfer, die drei Ligen höher klassiert sind, fast in Bestbesetzung aufgelaufen sind, beweist ganz deutlich, dass sie uns Respekt gezollt und uns nicht unterschätzt haben. Nach dem letztjährigen frühen Cup-Aus beim Promotion-League-Verein FC Breitenrain wollten die Genfer in diesem Jahr unbedingt eine Runde weiterkommen. Das haben sie mit ihrem Einsatz und Kampfwillen deutlich unter Beweis gestellt.»

«Maroons» sorgen für grosse Stimmung

Auch Servettes Mittelfeldspieler Boris Ces­pedes zollte den Urner Fussballern Respekt. «Altdorf hat gut und aggressiv gespielt», so Cespedes. «Solche Gegner wie Altdorf müssen wir durchaus ernst nehmen. Wir müssen auch gegen einen Verein aus einer tieferen Liga alles geben. Denn als Challenge-League-Club kann man gegen einen kleinen Dorfklub eigentlich nur verlieren.»

Ins gleiche Horn blies auch Servette-Cheftrainer Meho Kodro. «Ich habe meinen Spielern vor dem Spiel nochmals deutlich gemacht, dass wir Altdorf nicht unterschätzen dürfen.» Zudem sagte er, dass der Schweizer Cup für ihn und die Spieler immer etwas Besonderes sei: «Oft herrscht auf den Fussballplätzen eine ganz spezielle Stimmung. Doch die Spieler dürfen sich vom Fest neben dem Platz nicht ablenken lassen. Das ist vor allem für die unerfahrenen Spieler jeweils nicht ganz einfach. Am Schluss zählt nur, wer auf dem Platz gewinnt.»

Aber nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz gaben am Samstag die Genfer den Ton an – obwohl sie zahlenmässig deutlich in der Minderheit waren. Allen voran die Maroons, die Mitglieder des Deutschschweizer Servette-Fanclubs, sorgten für Stimmung. Sie trieben ihre Mannschaft von der 1. bis zur 90. Minute mit Trommelschlägen und Schlachtrufen nach vorne. «Der harte Kern der Fans reist an jedes Spiel», sagte Servette-Fan Pascal Frei. Und sein Kollege André Eigenmann ergänzte: «Leider war die Stimmung hier in Altdorf aber nicht so feurig. Doch wir dürfen nicht vergessen, das war die erste Cup-Runde. Die Stimmung wird in der Regel mit jeder Runde besser.»

Mit von der Partie war auch der Seedorfer Renato Walker, ein eingefleischter Servette-Fan (siehe unsere Zeitung vom 10. August). «Ich war etwas enttäuscht vom Zuschaueraufmarsch, und auch von der Stimmung auf der Schützenmatte», meinte er nach dem Match. «Aber Servette ist halt nicht GC oder Basel.» Im Gegensatz zum grössten Teil der übrigen Zuschauer durfte Walker aber immerhin mit dem Resultat zufrieden sein. «Das 6:0 ist deutlich mehr, als ich erwartet habe. Und wenn man schaut, wie hoch andere Mannschaften gegen Challenge-League-Klubs verloren haben, dürfen die Altdorfer Fussballer trotzdem zufrieden sein. «Sie haben sich wirklich tapfer gewehrt, bis zum Schluss gekämpft und auch recht guten Fussball gezeigt», sagte Walker.


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