Die Spurensuche führt ins Riedertal

BÜRGLEN ⋅ Eduard, Max und Ernst Gubler haben mit Malereien, Zeichnungen und Skulpturen das Riedertal und seine Bewohner festgehalten. Jetzt zeigt eine Ausstellung, wo und wie die drei Künstler-Brüder damals gelebt haben.
17. April 2018, 05:00

Im Haus «In der Weid» im Riedertal in Bürglen, in dem die Familie Gubler vor 100 Jahren viele Sommer ihre Ferien verbrachte, sieht es noch immer fast so aus wie damals. «Das ist einmalig», sagt Anna-Katharina Keller Manhart von der Gubler-Stiftung in Zürich erfreut. «Auch einige Malereien und Zeichnungen im Haus erinnern noch heute an die damalige künstlerische Arbeit der Familie Gubler.»

Die Gubler-Stiftung hat nun eine Ausstellung im Aussenraum im Riedertal realisiert. Auch das alte Haus, in dem die Familie Gubler einst wohnte, etwas oberhalb der Kapelle gelegen, kann besichtigt werden. Das schlägt einen Bogen zur aktuellen Ausstellung im Haus für Kunst Uri in Altdorf. Dort sind zurzeit in der Ausstellung «Frühlingserwachen» das Frühwerk von Heinrich Danioth sowie Frühwerke von Eduard, Ernst und Max Gubler zu sehen.

Vaters Restaurationsauftrag machte den Anfang

Alles begann 1905. Vater Heinrich Eduard Gubler hatte als Dekorationsmaler und Restaurator den Auftrag erhalten, die Fresken der Rückwand der Kapelle im Riedertal freizulegen und zu restaurieren. «Die Gublers haben das Tal in der kargen Bergwelt und seine Menschen schnell liebgewonnen», erklärt Anna-Katharina Keller. «Und so kam es, dass die Familie Gubler bis 1928 jeden Sommer im Riedertal verbrachte.» Eduard Gubler sei zudem auch ein paar Mal im Winter im Riedertal gewesen. «Dabei erlebte er auch die verheerende Lawine von 1917. Er hielt die Eindrücke in Malereien und Zeichnungen fest, auf denen Menschen mit besorgten Gesichtern zu sehen sind.»

Alle drei Brüder wurden durch ihre regelmässigen Aufenthalte im Riedertal zu Malereien, Zeichnungen und Skulpturen inspiriert. «Ein Bub der Sigristenfamilie ist damals Modell gestanden», weiss Anna-Katharina Keller. «Er war beeindruckt von der künstlerischen Arbeit und ging stets mit Freude zur Familie Gubler.» Vielfach hätten die Gubler-Brüder aber auch nur Skizzen angefertigt. «Die Werke entstanden dann im Atelier in Zürich, dort hatte es mehr Platz für grosse Leinwände.»

Gubler-Geschichte wird auf einem Spaziergang lebendig

Das Haus «In der Weid», später «Oberwiler» genannt, stand leer, als die Familie Gubler es jeweils im Sommer mietete. Später wurde das Domizil von den Besitzern, der Familie Gisler-Muoser, selber bewohnt. Die Nachkommen Alois und Hans Gisler sind bis heute diesem Wohnort verbunden. Nun öffnen die Brüder Gisler an einigen Sonntagen bis Mitte Juli die Stubentür und gewähren den Besuchern Einblick. Wer sich das anschauen möchte, muss sich vorgängig anmelden.

Die Ausstellung der Gubler-Stiftung beginnt aber bereits im Aussenraum. Der Spaziergang auf dem steilen Weg durch die idyllische ursprüngliche Landschaft soll den Besucher in die Welt entführen, die einst die jungen Brüder Gubler inspiriert hat.

Auf sieben sogenannten Bild-Stelen wird mit kurzen Texten, Bildern, Zeichnungen und Malereien die Zeit lebendig, als die Brüder Gubler und ihr Vater im Riedertal künstlerisch tätig waren. Zu sehen sind verschiedene Schätze aus dem Gubler-Archiv. Erstmals bekommt der Besucher auch Fotografien zu Gesicht, die Vater Heinrich Eduard Gubler im Riedertal gemacht hat.

«Die drei Brüder pflegten ihr ganzes Leben einen regen Austausch untereinander», so Anna-Katharina Keller. «Dabei ging es auch um die damals aktuellen Bewegungen in der internationalen Kunstszene, denn alle drei waren in der Kunstgeschichte bewandert und nahmen aktuelle Strömungen in ihre eigenen Arbeiten immer wieder auf.»

Eines blieb aber beständig: Bei allen drei Gubler-Brüdern war das karge Bergtal in Bürglen mit den steilen Hängen ein ­Thema. Die Kapelle im Riedertal kommt überall vor – manchmal nur ganz klein auf einem Bild, dann wieder gross und im Zentrum des Werks.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch


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