Die Unterschiede bei den Kirchen sind bezüglich Gleichstellung sehr gross

ALTDORF ⋅ Die katholische Kirche verhält sich punkto Gleichstellung deutlich anders als die reformierte. Die Hoffnung auf eine baldige Gleichstellung ist gering, wie eine Podiumsdiskussion zeigte.
14. April 2018, 05:00

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

Die Kommission für die Gleichstellung von Frau und Mann veranstaltete am Donnerstag im Mehrzweckgebäude Winkel in Altdorf eine Podiumsdiskussion, der rund drei Dutzend Interessierte beiwohnten. Unter der Leitung von Florian Arnold, stellvertretender Redaktionsleiter der «Urner Zeitung», erörterten Li Hangartner, feministische Theologin, Daniel Krieg, römisch-katholischer Pfarrer in Altdorf, Felicitas Schweizer, Präsidentin der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Uri, und Frank Stüfen, evange­lisch-reformierter Theologe und Gefängnisseelsorger, das Thema «Gleichstellung in der Kirche».

Los ging es mit einer Standortbestimmung. Li Hangartner, selber Katholikin, sprach gleich Klartext: «In der katholischen Kirche sind wir in Bezug auf die Gleichstellung noch nicht weit. Aber immerhin sind wir diesbezüglich schon deutlich weiter als katholische Kirchen in anderen Ländern. Es ist inzwischen üblich, dass Frauen die Gemeindeleitung innehaben, was ein Sonderfall ist.» Ganz anders sieht es bei der evangelisch-reformierten Kirche aus, wie Felicitas Schweizer erklärte: «Wir kennen die Gleichberechtigung schon sehr lange. Pfarrerinnen gibt es in der Schweiz schon seit 50 Jahren. Präsidentinnen noch nicht ganz so lange.» Frank Stüfen sprach über seine Erfahrungen im Kanton Zürich. Dort sind alle seine Vorgesetzten Frauen. «Ich bin es gewohnt, dass Frauen leitende Funktionen in der Kirche übernehmen», sagte Stüfen und fügte an: «Im Vordergrund steht nicht die Gender-Frage, sondern ob jene Personen, die sich für leitende Funktionen bewerben, die nötigen Kompetenzen mitbringen und auch über die entsprechende Persönlichkeit verfügen.»

«Machtgefälle» bei der katholischen Kirche

Die Frage, ob er sich eine Bischöfin oder gar Päpstin vorstellen könnte, beantwortete Pfarrer Daniel Krieg so: «Ich hätte keine Mühe damit. Aber man muss die Sache realistisch einschätzen. Ich glaube kaum, dass ich eine Bischöfin oder Päpstin noch erleben werde.» Die jetzigen Strukturen seien historisch gewachsen. Und wenn die katholische Kirche etwas als Wahrheit deklariere, werde es sehr schwierig, darüber zu diskutieren. Aber: «Man darf und soll darüber diskutieren. Denn gesellschaftlichen Fragen kann sich die Kirche nicht entziehen.»

Krieg wies darauf hin, dass die katholische Kirche hierarchisch aufgebaut sei. Es gebe ein Machtgefälle. Anders sehe es in der reformierten Kirche aus. Felicitas Schweizer dazu: «Wir sind demokratisch, von unten her aufgebaut. Jede Landeskirche hat ihr eigenes Organisationsstatut und ihre eigenen Normen.» Frank Stüfen hingegen schätzt die Situation etwas anders ein. Er betonte: «In Deutschland geht es auch bei den Reformierten ganz schön hierarchisch zu und her. Die Schweiz ist diesbezüglich eine positive Insel.»

Papst Franziskus als Hoffnungsträger?

Im Verlaufe der Diskussion wurde auch die Rolle von Papst Franziskus thematisiert. Für viele ist er ein Hoffnungsträger. Doch Li Hangartner sieht es differenzierter: «Papst Franziskus spricht immer dann Klartext, wenn es um wirtschaftspolitische Angelegenheiten geht. Bei anderen Fragen, wie beispielsweise beim Mutter-Gottes-Verständnis, ist er hingegen sehr traditionell, was ich gar nicht teilen kann. Für mich ist ganz klar, dass auch der aktuelle Papst den Weg zum Priestertum für Frauen nicht öffnen wird.» Nach Einschätzung von Krieg hat Franziskus schon einiges bewegt: «Er setzt ganz starke nonverbale Zeichen und wettert gegen den Klerikalismus.» Kirchenpolitisch sei es für den Papst sehr schwierig, etwas zu ändern. Er sei verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es zu keiner Spaltung komme.


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