Neues Theaterstück bietet einen etwas anderen Kongressbesuch

SCHATTDORF ⋅ Nach einem Jahr Pause wird in Schattdorf wieder Theater gespielt. «Room Service» heisst der neue Schwank. Die Premiere am Samstag hat bewiesen, dass ein Kongress alles andere als langweilig sein muss.
14. November 2017, 08:04

Robi Kuster

redaktion@urnerzeitung.ch

Nicht selten gibt es bei grossen Kongressen auch Nebenerscheinungen, die nicht für die Mehrheit gedacht sind. So auch am WEF in Davos, wenn dem Autor des Stücks «Room Service» R. E. Britting Glauben geschenkt werden soll. Ob er allerdings Davos im Auge hatte, ist fraglich, denn der Kongress dient lediglich dazu, den nötigen Hintergrund zur Geschichte zu liefern. Weit wichtiger als die ernsten Themen am Kongress waren dem Autor wohl die Vorkommnisse rund um die Veranstaltungen im Hotel. Genau hier setzt der Schwank an, dem die Schattdorfer Theaterleute auch nach dem einjährigen Unterbruch treu geblieben sind.

Beat Josef Brunner, der schon 2015 Regie geführt hatte, machte daraus eine fulminante Geschichte für Schattdorf. Die Dialektbearbeitung stammt von Erwin Britschgi und Fritz Klein, Helena Wolf hat das Stück an die Urner Verhältnisse angepasst.

Die Höhenluft als Auslöser versteckter Gefühle

Wenn Dr. Hanspeter Kessler (Werner Gisler) als Gastreferent über globale Gleichberechtigung zur Konferenz gerufen wird und dabei noch rein private Absichten bekundet, in denen seine Vorliebe für neue weibliche Bekanntschaften im Vordergrund steht, dann muss es ja zu Komplikationen kommen, zumal ihn für einmal seine Frau begleitet. Dass gerade Georg Fink (Thomas Bär) als Kesslers rechte Hand die richtigen Fäden ziehen sollte, der aber selber zwei linke Hände besitzt und unbeholfen und überfordert ist dabei, macht die Sache nicht einfacher.

Georg Fink kann die Gedanken seines Chefs nicht nachvollziehen. Er stammt aus einem Haus, wo die Mutter Rosa (Brigitte Inderkum) als Frauenrechtlerin das Sagen hatte. Ihre Forderung «Alle Macht der Frau!» erlebte der verklemmte Sohn nur zur Genüge. Das Unheil beginnt schon, als er für Dr. Kessler ein zweites Zimmer auf einen falschen Namen im Hotel bestellen muss, das sich zu allem Unheil noch direkt neben demjenigen von Hanspeter und Tina Kessler (Alexandra Gamma) befand. Da waren die ungewollten Begegnungen vorprogrammiert. Jede erzwungene Ausrede und Notlüge entpuppt sich schon bald als Bumerang und führt die Beteiligten in scheinbar unlösbare Verstrickungen.

Es ist nicht der Doktor allein, bei dem die Gefühle für das andere Geschlecht überborden. Auch seine Frau Tina findet Gefallen an Kesslers Assistenten und sieht eine Möglichkeit für einen Seitensprung, während ihr Ehemann am Kongress Referate hält. Die beiden haben sich diesbezüglich nichts vorzuwerfen, sind aber doch nicht ehrlich genug, ihre Absichten kundzutun. In diesem Spannungsfeld zwischen Rosa Fink und den beiden Kesslers ist Georg Fink hoffnungslos überfordert. Thomas Bär spielt diese sehr anspruchsvolle Rolle hervorragend. In diesem Umfeld gibt es aber noch die Frauen, die zur Verwirrung und zum lustigen Geschehen beitragen. Die Vorsteherin von «Bagge», der Gesellschaft für Gleichberechtigung, Gerda-Maria Lü­thenegger (Jolanda Gisler), ist eine richtige Emanze. Ihre Mitarbeiterin Jessica Jakob (Nadia Gisler) findet Gefallen an Dr. Kessler und das Zimmermädchen Roswitha (Rebeka Welti) an dessen Assistenten Georg Fink. Die Hoteldirektorin Annabella Roggenmoser (Vanessa Mauri) ist auf den guten Ruf des Hotels bedacht. Wie sollen da noch ge­ordnete Verhältnisse herrschen? Giovanni (Jonas Kempf), der italienische Hotelkellner, der als Einziger Einsicht in die Geschehnisse hätte, nützt das Verwirrspiel, um Trinkgeld zu machen. Reporter Heinrich Jakob (Toni Welti) hätte mit einem gebrochenen Bein einen Arzt nötig, der aber unter dem falschen Namen «Dr. Himmelfahrt» auch nicht helfen kann.

Regisseur: «Das war profimässig»

Sämtliche Rollen sind gut verteilt und werden optimal, mitunter auch etwas überspitzt, verkörpert. Regisseur Beat Brunner zeigte sich am Samstag nach der Premiere sehr erfreut: «Das war eine sehr gute Vorstellung meiner Spielerinnen und Spieler. Ich bin auf alle stolz, weil sie mit viel Engagement und Drive gespielt haben. Das war profimässig.»

Wie sich das Wirrwarr lösen lässt, bleibt den Theaterbesuchern vorbehalten. Die Geschehnisse versprechen einen unterhaltsamen Theaterabend in ei­nem neu gestalteten Theatersaal, wo nicht mehr in Stuhlreihen, sondern an Tischen mit Getränken das Geschehen verfolgt werden kann. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, den Kongress zu be­suchen.

Hinweis

«Room Service» wird am 15., 17., 18., 22., 24., 25. und 29. November und am 1. Dezember jeweils um 20 Uhr, am 19. November um 18 Uhr und am 26. November um 14 Uhr aufgeführt. Reservationen sind möglich unter www.theater-schattdorf.ch oder telefonisch unter 079 330 95 50 (Montag bis Samstag von 17 bis 18.30 Uhr).


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