Grossmächte in unserer Gebirgsregion: Einblick in eine dramatische Zeit

SCHWYZ/URI ⋅ Im Forum Schweizer Geschichte wurde gestern eine Ausstellung über den Kampf der Grossmächte in unserer Gebirgsregion eröffnet. Sie thematisiert auch den Alltag von damals.
13. April 2018, 04:39

Franz Steinegger

redaktion@urnerzeitung.ch

«Die Einheimischen litten unter dem Kampf der Giganten, waren Schauplatz eines Krieges europäischen Ausmasses, obwohl sie daran keinen Anteil hatten. Doch General Suworow ist ihnen für das Erlebte erstaunlich positiv in Erinnerung geblieben»: Projektleiterin Pia Schubiger eröffnete die Ausstellung «Grossmächte im Hochgebirge» im Forum der Schweizer Geschichte in Schwyz mit einer spannenden Frage.

Wer sich zwei Stunden Zeit nehmen kann, der findet im Forum Schweizer Geschichte interessante Einblicke in den Alltag einer dramatischen Zeitenwende. Generalissimus Alexander Suworow führt wie ein roter Faden durchs «Forum», wo in drei Etappen die dramatische Geschichte des Jahres 1799 und die Zeit danach erzählt wird.

Die Katastrophe begann kurz vor dem Wintereinbruch

Die erste Etappe beginnt mit der Lagebesprechung in Italien, wo Suworow den Befehl erhielt, den französischen Truppen in den Rücken zu fallen. Er brach mit 21000 Soldaten auf. Sie marschierten über den Gotthard, den Kinzig, den Pragel und den verschneiten Panixerpass, viele von ihnen ohne Schuhe. Nach 21 Tagen und 300 Kilometern Marsch kamen sie in Chur mit 15000 Mann an, 5000 von ihnen schwer verletzt. Die Artillerie hatte man zurückgelassen, die Hälfte der Tiere fehlten.

Die Ausstellung geht jedoch noch weiter. Sie zeigt die Auswirkungen dieser Heerscharen – ihnen standen 17000 Franzosen gegenüber – auf die einheimische Bevölkerung: Diese musste in diesen Novembertagen Essen für Menschen und Tiere zur Verfügung stellen, Holz zum Heizen, Lager zum Übernachten. Brücken, Kirchen, Häuser wurden verwüstet, die Auswirkungen waren danach noch Jahrzehnte spürbar. Die ansässige Bevölkerung war beeindruckt von den russischen Soldaten, ihrer Religiosität und Extravaganz. «Das Leid der französischen Besatzung und die Hoffnung auf einen Verbündeten prägten die Erinnerung an Suworow», erklärt Kurator Severin Rüegg.

Im dritten Teil der Ausstellung tritt man auf den Dorfplatz von Schwyz, wo die weitere Entwicklung erzählt wird: von der napoleonischen Zeit bis zur Gründung der modernen Schweiz im Jahr 1848. Die Ausstellung wird bereichert durch zeitgenössische Berichte, alltägliche Gegenstände der damaligen Epoche, Funde, ergänzt durch interaktive Stationen.

Hinweis

Die Ausstellung «Grossmächte im Hochgebirge» im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz dauert von 14. April bis 30. September. Weitere Infos: www.nationalmuseum.ch/schwyz


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