«Haldiberg-Schwinget ist einfach ein wunderschönes Fest»

URI ⋅ Andi Imhof feierte beim 40. Haldiberg-Schwinget gleich einen Doppelsieg – und zwar beim Schwingen und beim Steinstossen. Denn der Anlass ist ein eigentliches Volksfest mit viel Folklore.
18. Juni 2017, 21:58

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

16 Jahre ist es her, dass letztmals ein Urner den Haldiberg-Schwinget gewinnen konnte. Ambros Arnold hiess der Sieger damals. Andi Imhof war da gerade einmal 17 Jahre alt und noch lange kein Böser. Doch gestern liess der inzwischen 33-jährige Bürgler, der in Attinghausen wohnt, nichts anbrennen: Kurz nach 16 Uhr bettete er seinen Schlussganggegner Marco Wyrsch aus Attinghausen ins Sägemehl. Er machte damit nicht nur den Urner Fans und den Organisatoren vom Schwingklub Schattdorf eine Freude, sondern auch seinen beiden Töchtern Malia (4) und Dina(3). Für seinen Sieg erhielt er schliesslich das Rind Vigora überreicht.

Imhof feierte am Sonntag aber gar einen Doppelsieg. Er gewann nicht nur das Schwingfest, sondern gleich auch noch das traditionelle Steinstossen – und dies nicht ganz unerwartet. Immerhin gehört Imhof seit Jahren zu den stärksten Nationalturnern der Schweiz und entschied bereits zweimal das Eidgenössische Turnfest für sich. Gestern stiess er nun den 22,5 Kilogramm schweren Stein beinahe 5 Meter weit und deklassierte seine Konkurrenz damit relativ deutlich. Der zweitplatzierte Dominik Meienberg kam lediglich auf 4,36 Meter und der Einheimische Adrian Zgraggen auf 4,21 Meter. Die beste Frau war Heidi Helfenstein.

Organisatoren präsentieren reichhaltigen Gabentempel

Gestern fand der traditionelle Haldiberg-Schwinget bereits zum 40. Mal statt. Der Schwingklub Schattdorf or­ganisiert das kleine Bergfest seit 1938 ­regelmässig, in der Regel alle zwei Jahre – alternierend mit dem Urnerboden-Schwinget. Und der Anlass hat ei­gent­lichen Volksfestcharakter. Denn auf dem Haldi geht es längst nicht nur ums Schwingen, sondern um die ganze Ambiance. Dabei gehören die Darbietungen des Jodlerklubs Bärgblüemli Schattdorf ebenso dazu wie die Einlagen der Alphornbläser- und Fahnenschwingervereinigung Uri. Auch der Berg­gottesdienst gehört fest zum Programm. Zudem sorgte gestern das Ländlertrio Armin, Bruno und Michi für musikalische Unterhaltung – während des Wettkampfs, aber auch noch danach.

Rund 950 Zuschauer verfolgten gestern das Geschehen im Sägemehl – und dies trotz schönsten Badewetters. Dass gestern fast die ganze Innerschweizer Elite fehlte, weil die besten Schwinger am Schwarzsee-Schwinget im Einsatz standen, tat der Stimmung keinen Abbruch – im Gegenteil. Stattdessen konnten sich vor allem auch die jungen Urner Nachwuchshoffnungen von ihrer besten Seite zeigen.

Die 60 angetretenen Schwinger durften denn am Abend alle eine Gabe nach Hause nehmen. Denn die Gabenchefs Stefan Arnold, Damian Gisler und Flavio Gisler hatten einen eindrücklichen Gabentempel zusammengestellt. Darin konnten die Schwinger verschiedenste Preise aussuchen – etwa Treicheln, Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Sportutensilien, Gutscheine und sogar einen Fernseher. «Viele junge Schwinger durften wirklich eine schöne Gabe mit nach Hause nehmen», sagte Flavio Gisler. «Das dürfte viele sicher wieder zusätzlich motivieren.»

Petrus sei nun Mitglied des Schwingklubs Schattdorf

OK-Präsident Beat Arnold zeigte sich durchaus zufrieden mit der 40. Ausgabe des Haldiberg-Schwingets. «Das Wetter hätte nicht besser sein können», sagte er. Das sei bei den drei bisher letzten Austragungen nicht so gewesen. Vor zwei Jahren hatte es nicht nur stark geregnet, sondern es war auch relativ kalt, sodass damals das Mittagessen gar in der Mehrzweckhalle serviert wurde. Platzspeaker Hanspeter Kempf witzelte daher: «Petrus ist jetzt Mitglied des Schwingklubs Schattdorf.» Der Mitgliederbeitrag habe er jedenfalls bezahlt.

Solche Feste seien wichtig für die Vorbereitung

Auch der Eidgenosse Martin Grab, der regelmässig auf dem Haldi in die Hosen steigt, rühmte den Anlass. «Der Haldiberg-Schwinget ist einfach ein wunderschönes Fest», sagte er. «Die Organisatoren geben sich immer riesige Mühe.» Und für ihn als Spitzenschwinger seien solche Wettkämpfe immer auch Vorbereitungen auf grosse Schwingfeste.

  • Andi Imhof gewann das Rind Vigora – sehr zur Freude seiner beiden Kinder Malia (rechts) und Dina. (© Elias Bricker)
  • Andi Imhof vom Schwingklub Bürglen (links) bodigte im Schlussgang Marco Wyrsch aus Attinghausen. (© Elias Bricker)
  • Bei Sonnenschein überzeugte der Haldiberg-Schwinget mit seiner einmaligen Bergkulisse. 950 Zuschauer kamen. (© Elias Bricker)

Erstmals seit 2001 hat wieder ein Urner den traditionellen Haldiberg-Schwinget gewonnen. Der «Eidgenosse» Andi Imhof vom Schwingklub Bürglen bezwang im Schlussgang den Attinghauser Marco Wyrsch.


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