Koffermarkt: Flüchtlinge präsentieren ihre Produkte

ALTDORF ⋅ Unter dem Motto «Ich packe meine Koffer» fand am Flüchtlingstag im Mehrzweckgebäude Winkel ein Koffermarkt der besonderen Art statt. Er zeugte von den besonderen Fähigkeiten und Talenten der Ausstellenden.
19. Juni 2017, 07:55

Paul Gwerder

redaktion@urnerzeitung.ch

 

Der vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) organisierte Flüchtlingstag hat im Kanton Uri Tradition. Er bietet jeweils die Möglichkeit, auf die Nöte der Menschen aufmerksam zu machen, die auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Es besteht aber auch die Chance, auf den kulturellen Reichtum dieser Menschen hinzuweisen.

Am Wochenmarkt vom vergangenen Samstag erhielten die Besucher auf dem Unterlehn nicht nur interessierte Informationen zum Thema Flüchtlinge, es wurde auch Musik und Unterhaltung geboten. Am Nachmittag zeigten die Flüchtlinge, die vorwiegend aus dem afrikanischen Raum stammen, ihre Produkte. Leider war das Wetter fast zu schön, denn nur wenige Einheimische nutzten die Gelegenheit, diesen Anlass zu besuchen, den die ausländischen Gäste in unserem Kanton mit viel Liebe zum Detail vorbereitet hatten.

Hilfswerk der Kirchen sucht Freiwillige

Die Projektverantwortliche Helen Furrer zeigte sich trotzdem positiv gestimmt: «Ich bin überrascht, mit welcher Freude die Flüchtlinge hier mitmachen, und ich hatte auch keine Probleme, über ein Dutzend Helferinnen und Helfer für diesen Anlass zu rekrutieren.»

Iris Mulle vom Hilfswerk der Kirchen Uri hat es da schon etwas schwieriger: «Wir suchen Freiwillige, die den Flüchtlingen oder Asylsuchenden im Alltag bei administrativen Belangen, bei der Verbesserung der Deutschkenntnisse, bei Kontakten mit der Schule oder bei der Arbeits- und Wohnungssuche behilflich sind», erklärte sie.

Koffermarkt der besonderen Art

Koffermärkte liegen im Trend, denn in der Schweiz gibt es sehr viele kreative Menschen, die gerne ihre handgefertigten Waren nicht nur Freunden und Bekannten, sondern auf einer anderen Plattform anbieten möchten. Dafür wurden Koffermärkte initiiert. Die Aussteller bringen ihre Waren direkt im Koffer mit. Dies hat den Vorteil, dass der Koffer gleichzeitig auch als Ausstellungsraum dient und keine langen Aufbauten nötig sind.

Im Winkel zeigten und verkauften die geflüchteten Menschen ihre selber hergestellten Waren, die häufig von besonderen Fähigkeiten und Talenten der Ausstellenden zeugen. Ein Mann aus Sri Lanka präsentierte beispielsweise perfekte Fotos aus seinem Land, in das er nicht mehr zurückkehren kann. Gleich ne­benan knüpfte eine Frau jungen Urner Mädchen wunderschöne Zöpfe in die langen Haare. An einem anderen Stand zeigten Frauen viele selber genähte wundschöne Sachen. Diese haben sie in der Kreativ- und Nähwerkstatt bei Astrid Arnold hergestellt. «Das Hope-Team arbeitet jeden Dienstag mit 15 bis 20 Migrantenfrauen, die zu uns kommen, um zu nähen, zu stricken, zu flicken oder zu häkeln», erklärte Astrid Gisler. «Wir hoffen, den ausländischen Frauen damit auf ihrem Lebensweg ein Stück weiterzuhelfen und ihnen auch einen eventuellen Arbeitseinstieg zu erleichtern.» Weiter gab es im Winkel selber genähte Taschen, Babyfinken, Plüschtiere oder Esswaren zu kaufen.

«Mit diesem Anlass wollen wir auf die Probleme der Flüchtlinge aufmerksam machen», sagte Kurt Strehler vom SRK. «Und bei dieser Gelegenheit können die Asylbewerberinnen und -bewerber, die es in ihrem Leben nicht leicht haben, ihren Beitrag leisten und der hiesigen Bevölkerung zeigen, was sie können.»

«Aufnahme ist in der reichen Schweiz Pflicht»

Ab 18 Uhr gab es kulinarische Spezialitäten aus verschiedenen Ländern, die von vielen Urnerinnen und Urnern degustiert wurden. Danach sprach Landrats­vizepräsident Christoph Schillig zu den Gästen, unter denen auch Gesundheitsdirektorin Barbara Bär, Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti und der Altdorfer Gemeinderat Urs Kälin anzutreffen waren. «Auf der ganzen Welt sind über 60 Millionen Menschen auf der Flucht», erklärte Schillig. «Diese konnten nicht mehr als einen Koffer aus der alten Heimat mitnehmen und mussten alles andere zurücklassen. Deshalb ist es unsere Pflicht, ein paar davon in der reichen Schweiz aufzunehmen und diesen armen Leuten eine Perspektive für ein besseres Leben zu geben.» Danach spielten noch die beiden Bands Azul und Rumpus auf.


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