Fotograf sucht das Abenteuer – auch in Uri

PROJEKT ⋅ Der Bergführer und Fotograf Thomas Ulrich folgt von der französischen Grenze aus strikt einer geraden Linie quer durch die Schweiz. Morgen wird er beim Klein Furkahorn den Kanton Uri erreichen und durchqueren.
17. Juli 2017, 05:00

Hans Ambühl

redaktion@urnerzeitung.ch

Thomas Ulrich sucht das Abenteuer abseits der offiziellen Pfade. Am 3. Juli ist er an der französischen Grenze auf seine Direttissima durch die Schweiz gestartet: 330 Kilometer quer durch die Schweiz, genau auf einer Linie, 45000 Höhenmeter, rauf und runter. Der Abenteurer und Fotograf aus Beatenberg, der an allen möglichen Orten der Welt bereits auf Expeditionen war, will sich auf diese Art und Weise in der Schweiz umsehen: Wo kommt man überall durch, wenn man einem schnurgeraden Strich folgt? Was bietet die eigene Heimat, wenn man sie anders betrachtet?

Ulrich geht seinen Weg mit aller Konsequenz. Er hat sich vorgenommen, nicht mehr als 500 Meter nach links oder nach rechts von seiner Linie, dem Kilometer 1160 auf der Schweizer Landkarte, abzuweichen. An den Korridor hält sich Ulrich, auch wenn Flüsse, Berge, Felswände oder unangenehmes Dickicht im Wege stehen.

Eine Idee von vor 34 Jahren wird wiederholt

Die Idee zu dieser Art von Direttissima stammt von einer Gruppe Bergsteigern rund um Markus Liechti, die 1983 auf der gleichen Linie die Schweiz durchquert hatten. Die bestechend einfache Idee, die eine Menge Abenteuer vor der eigenen Haustüre bietet, hat Ulrich schon damals beeindruckt. 34 Jahre später tritt er zur Wiederholung an und will sich ein Bild machen, wie sich die Schweiz seither verändert hat.

Ulrich ist zwar solo unterwegs, ganz alleine ist er aber selten: Auf den alpinen Etappen wird er von Bergsteigerkollegen begleitet, auf anderen Teilstücken von Freunden oder Journalisten. Und während der ganzen Tour leistet ihm seine Lebenspartnerin Sylvia Grütter Support: Sie fährt mit dem Camperbus zu den Punkten auf der Route, wo Ulrich eine Strasse kreuzt, und versorgt ihn mit Proviant und Ausrüstung für die nächste Etappe. Zudem verarztet sie fachmännisch die kleinen Blessuren, die sich nicht vermeiden lassen.

Bisher hat Ulrich bereits den Jura, das Waadtland, die Freiburger Voralpen und die Berner Alpen durch- beziehungsweise überquert. Immer zu Fuss. Ausser bei einigen Abstiegen, wo der professionelle Gleitschirmflieger seinen Schirm benutzte.

Zuletzt ging es quer über den Eiger und vorbei am Schreckhorn. Letzteres bei sehr garstigem Wetter. «Es herrschten geradezu patagonische Verhältnisse, sprich: Es war nass, kalt und windig», beschreibt Ulrich die Verhältnisse am Berg.

Ab heute im Kanton Uri unterwegs

Gestern Sonntag hat er mit seinem Begleiter, Bergführerkollege Kurt Knöri, den Räterichsbodenstausee am Grimselpass erreicht, wo die beiden im Hotel Grimsel Hospiz mit einem fürstlichen Frühstück auf der Staumauer überrascht wurden.

Ab heute Montag wird Ulrich beim Rhonegletscher die Durchquerung des Kantons Uri in Angriff nehmen. Von der Furka geht es dann durchs Urserntal ins Bündnerland.

 

Hinweis

Wo genau der Abenteurer und Fotograf Thomas Ulrich gerade unterwegs ist, kann man live auf www.thomasulrich.com verfolgen.


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