Vermigelhütte im Urner Oberland ist für den Winter gerüstet

ANDERMATT ⋅ Im Urner Oberland, hoch über Andermatt, kann der Winter Einzug halten: Der Ausbau der auf 2050 Meter über Meer gelegenen Vermigelhütte konnte vor wenigen Tagen planmässig abgeschlossen werden.
15. November 2017, 07:22

«Es war nach der Elektrifizierung der Hütte 2015/16 bereits der zweite grosse Ausbauschritt», erklärt Beat Weber, Präsident der SAC-Sektion Zofingen. Mit der nun abgeschlossenen Erweiterungsetappe sei die Hütte gerüstet, um weiterhin als erster Etappenort auf dem beliebten Vierquellenweg rund um das Gotthardmassiv eine entscheidende Rolle zu spielen. Rund 800000 Franken hat der SAC Zofingen in die sektionseigene Hütte investiert.

Die 1972 bis 1974 in Fronarbeit nah der Quelle der Unteralp-Reuss gebaute Unterkunft erfreut sich seit der Eröffnung des Weitwanderweges 2012 nämlich immer grösserer Beliebtheit. Die Besucherfrequenz ist seither stetig gestiegen.

Eigene Zimmer für die Hüttencrew

Im Zentrum der nun abgeschlossenen Bauetappe steht der auch von aussen gut sichtbare Anbau, der zwei neue Zimmer für die Hüttencrew beherbergt. Sie bilden die Basis dafür, dass auf der Hütte ab sofort wieder sämtliche ursprünglich für Hüttengäste geplanten Schlafplätze von Tourengängern genutzt werden können. Damit steigt die Kapazität der Hütte – nach einer vorübergehenden Reduktion wegen des Küchenausbaus – wieder auf 36 Plätze. Es versteht sich von selbst, dass die abwechselnd auf der Hütte arbeitenden Teams für diese beiden «Privatzimmer» genauso dankbar sind wie für die im Hüttenwartbereich realisierten sanitären Anlagen mit eigener Toilette und Dusche.

Dass auch Hüttengäste nach einem strengen Tag – gegen einen separaten finanziellen Beitrag – eine warme Dusche geniessen und sich rundum frisch machen können, ist auf einer SAC-Hütte nicht selbstverständlich. «Wir hatten dazu einige Diskussionen, glauben aber, dass mit dem neuen auf eine Dusche begrenzten Angebot einem wahren Bedürfnis entsprochen werden kann», erklärt Bauleiter Ernst Stalder. Die Hüttengäste profitieren von der Neugestaltung des Untergeschosses: Neue, nach Geschlecht getrennte Waschräume und Toiletten und ein mit einem elektrischen Trockner ausgerüsteter Schuh- und Gepäckraum haben die bisher düsteren und oft feuchten Kellerräume spürbar aufgewertet.

Dreistufige Kläranlage leistet gute Dienste

All das möglich gemacht hat – neben dem Anschluss ans öffentliche Tessiner Stromnetz vor bald zwei Jahren – eine biologische, von aussen nicht mehr sichtbare und frostsichere dreistufige Kläranlage für das Hüttenabwasser. Dafür musste auf der Westseite der Hütte ein grosses Absetzbecken in den Untergrund gesprengt werden. Die Bakterien im nachgeschalteten «biologischen Reaktorbecken» geniessen die menschlichen Rückstände bereits seit mehreren Wochen und sorgen für sauberes Hüttenabwasser, erklärt der Präsident der Baukommission, Robert Matter. Mit der Erweiterung musste die Baukommission nach Matter auch die Brandsicherheit der neuen Gesetzgebung anpassen: Brandschutztüren, feuerhemmende Innenverkleidung im Treppenhaus und eine Feuermeldeanlage sorgen auf der Vermigelhütte für mehr Sicherheit.

50 Freiwillige packen kräftig mit an

Möglich gemacht haben diese Grossinvestition neben einer Bankhypothek vor allem rund 50 freiwillige Helferinnen und Helfer, die wochenweise oder sogar noch länger ihre berufliche Kompetenz als Schreiner oder Baufachmänner aus verschiedenen Branchen gratis in den Dienst des SAC und bergbegeisterter Menschen gestellt haben. «Entstanden ist so ein Juwel, von dem wir lange geträumt haben, und eine Hütte, die in die Zukunft weist und lange gute Dienste leisten wird», sagt Robert Matter nicht ohne Stolz.

Die Verantwortlichen haben bei der Planung nämlich auch in die Zukunft geschaut: Sollte in ferner Zukunft einmal ein weiterer Ausbau und eine Erhöhung der Bettenzahl zum Thema werden, so ist schon heute – verborgen in den Wänden – alles vorbereitet. Die Zofinger Hütte im Gotthardmassiv ist so von einer der einfachsten zu einer der bestausgerüsteten Aargauer SAC-Hütten im Alpenraum geworden.

 

Tommy Dätwyler

redaktion@urnerzeitung.ch


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