Fussballfan will nicht schuld sein an Schlägerei bei Gotthard-Raststätte

LANDFRIEDENSBRUCH ⋅ Im Februar 2013 war es bei der Gotthard-Raststätte zu Tumulten zwischen Fans zweier Fussballvereine gekommen. Ein Aargauer wurde vom Urner Landgericht verurteilt, dieser will das aber nicht auf sich sitzen lassen.
16. Juni 2017, 05:00

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Am 23. Februar 2013 hielten sich Fans der Fussballklubs Aarau und Bellinzona gleichzeitig bei der Gotthard-Raststätte in Schattdorf auf. Die Kantonspolizei Uri konnte zwar das Zusammentreffen der Fans und damit Schlimmeres verhindern. Folgenlos blieb der Tumult jedoch nicht: Wegen einer Leuchtpetarde musste die Autobahn für 20 Minuten gesperrt werden, ausserdem wurde in der Unterführung eine Notlampe zerstört.

Die Schuldigen der Sachbeschädigungen konnten nie ausfindig gemacht werden. Einzig der damalige Betreuer der Aarau-Fans musste sich für den Vorfall verantworten. Er wurde 2014 vom Urner Landgericht wegen Landfriedensbruch zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 160 Franken und einer Busse von 1280 Franken verurteilt. Der Aargauer zog das Urteil weiter, weshalb der Fall am vergangenen Mittwoch vor dem Obergericht behandelt wurde.

Vorfall gemäss Verteidigerin «aktenwidrig rekonstruiert»

Der 38-Jährige zeigte sich einsichtig, was sein Gebaren in der Gotthard-Raststätte angeht. Er sei an jenem Abend stark alkoholisiert gewesen und habe einen «nicht so tollen Auftritt» geliefert. Ihn dafür wegen Landfriedensbruch zu verurteilen, sei nicht rechtens, so seine Verteidigerin. Die Untersuchungen hätten keine genügenden Erkenntnisse darüber ergeben, was sich am besagten Abend genau zugetragen hat. Wegen Landfriedensbruchs mache sich nur strafbar, wer an einer öffentlichen Zusammenrottung teilnehme, bei der gemeinsam gegen Menschen oder Sachen Gewalt angewendet werde. Das sei hier nicht der Fall gewesen, so die Verteidigerin. Es hätten sich maximal sechs Aarau-Fans zu den Bellinzona-Fans begeben, was nicht als Zusammenrottung gelte. Ihr Mandant habe sich als Fanbetreuer ausserdem nicht als Teil der Gruppe verstanden, sondern schlichten wollen. Seine mündliche Provokation könne nicht als Gewalttätigkeit aufgefasst werden.

Natürlich sei es ärgerlich, dass die Schuldigen für die Sachbeschädigung nicht gefunden werden konnten, hielt die Verteidigerin fest. «Ärgerlich ist aber auch, dass ausgerechnet mein Mandant, der sich als Fanbetreuer als Einziger der Polizei zu erkennen gegeben hat, nun dafür büssen soll.» Sie habe den Eindruck, dass die Staatsanwaltschaft und auch das Landgericht den Vorfall «aktenwidrig rekonstruiert» haben, um einen Schuldigen zu finden. Die Verteidigerin verlangt stattdessen einen Freispruch für ihren Mandanten. Sollte ihn das Obergericht schuldig sprechen, sei eine Geldstrafe von maximal 30 Tagessätzen ausreichend.

Staatsanwältin glaubt nicht an Schlichtungsversuch

Staatsanwältin Beatrice Kolvodouris hingegen blieb dabei: Der Beschuldigte hat sich am besagten Abend in der Gotthard-Raststätte des Landfriedensbruchs schuldig gemacht. Dass nun nur er den Kopf hinhalten müsse, sei zwar unschön. Der Beschuldigte hätte aber die Möglichkeit gehabt, die Namen weiterer Beteiligter zu nennen, was er erwartungsgemäss nicht getan habe.

Kolvodouris ist überzeugt, dass es der Beschuldigte auf eine Schlägerei mit den Bellinzona-Fans abgesehen hatte. Dass er nun sagt, er habe als Fanbetreuer nur schlichten wollen, glaubt ihm die Staatsanwältin nicht. «Im Gegenteil: Er hat die Bellinzona-Fans lautstark provoziert und sich als regelrechter Rädelsführer hervorgetan.» Schliesslich musste der Beschuldigte als Einziger der Gruppe von der Polizei weggewiesen werden. Ausserdem sei er nur drei Wochen später erneut straffällig geworden, als er in einem Stadion eine Leuchtpetarde gezündet habe. Deshalb seien die Busse und die Tagessätze aus Uri als Zusatzstrafen zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau auszusprechen und deshalb «nicht übermässig hoch», so Kolvodouris.

Nach den rund 90 Minuten langen Vorträgen von Verteidigerin und Staatsanwältin hatte der Beschuldigte das letzte Wort. Er habe nichts Falsches getan, betonte er. «Wenn ich aber gewusst hätte, dass sich das Ganze so in die Länge zieht, hätte ich den Strafbefehl damals wohl besser einfach akzeptieren sollen.»

Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Tagen im Dispositiv zugestellt.


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