Geschlossen wie noch nie auf den Pass

GOTTHARDMARSCH ⋅ Bereits zum 15. Mal organisierte Paul Dubacher die Wanderung von Seelisberg auf den Gotthardpass. 78 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreichten nach 17 Stunden überglücklich den Gotthardpass.
19. Juni 2017, 08:01

Georg Epp

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Der Gotthardmarsch ist die wohl anstrengendste Konditionsprüfung für Wanderer in Uri. Er führt die Teilnehmer vom nördlichsten Ende von Uri in Seelisberg frühmorgens über das südliche Ende hinaus bis zum Gotthardpass. «Zuerst haben alle gesagt, da macht niemand mit bei dieser verrückten Idee», erinnert sich Paul Dubacher an den ersten Gotthardmarsch im Jahre 2003. Damals schafften zehn Teilnehmer die ganze Strecke, inzwischen sind es regelmässig um die 80 Personen.

Genau 81 Personen starteten am vergangenen Samstag um 2.40 Uhr beim Tanzplatz in Seelisberg. Bei idealem Wetter und angenehmen Temperaturen marschierte die Gruppe nach Bauen, Isleten, Seedorf, Attinghausen, Erstfeld und Silenen zum ersten Halt beim Kraftwerk Amsteg. Hier hatte man bereits ohne zu forcieren einen Vorsprung von 15 Minuten auf die Marschtabelle herausgeholt.

Umgerechnet zwei Marathonläufe

Etwas verrückt muss man schon sein, um die 70 Kilometer und rund 2000 Höhenmeter – umgerechnet 85 Leistungskilometer oder zwei Marathondistanzen – an einem Tag zu absolvieren. Rund ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war erstmals, aber gut vorbereitet, am Start, so auch Heiri Stadler, der Präsident des Feuerwehrverbands Uri. Er wollte sich und seinem Umfeld beweisen, dass ein Feuerwehrmann fit ist, um jedes Ereignis zu bewältigen. Allerdings wartete er mit der Anmeldung bis am letzten Dienstag zu, denn letzte Zweifel über das Durchstehvermögen blieben trotz guter Vorbereitung.

Auf dem Hospiz empfingen diverse kleine Fangruppen die Leistungswanderer lautstark, und Marzio Eusebio, der Betriebsleiter des Restaurants des bekannten Gotthardmuseums, überraschte Paul Dubacher mit einem Glas Sekt.

Streckenrekord wird egalisiert

Beim Nachtessen lobte Paul Dubacher die hervorragende Leistung der Läuferschar. Ohne zu forcieren, war man 30 Minuten schneller, als es die errechnete Marschtabelle vorgesehen hatte. Damit egalisierte man den letztjährigen Streckenrekord. Dubacher lobte den Durchhaltewillen, die Disziplin und vor allem die Geschlossenheit während des Marsches. Noch nie war man so kompakt unterwegs: Beim Hospiz kamen fast alle gleichzeitig an. Nur drei Teilnehmer mussten wegen Blasen an den Füssen oder Beinkrämpfen den Marsch vorzeitig abbrechen. Am Ziel war auch Heiri Stadler überglücklich. «Zwei- oder dreimal musste ich schon den inneren Schweinehund bekämpfen», meinte er. «Am Schluss ging es aber wieder sehr gut.» Ein versprochenes Bier von Robi Indergand, einem der Fahrer der drei Begleitfahrzeuge, motivierte zusätzlich zum Durchhalten. Die Teilnehmer bauten sich aber auch gegenseitig auf. Vor allem Schlussmann Hansruedi Grütter gelang es einige Male, kleine Leistungsdurch­hänger der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit gutem Zureden zu überbrücken.

Paul Dubacher war jedes Mal dabei

Die Frauen waren erneut in der Überzahl. Auf dem Hospiz durften 41 Frauen und 37 Männer für ihre Leistung aus den Händen von Organisator Paul Dubacher das Diplom entgegennehmen. Mit einem Kuss und einer gebackenen Goldmedaille gratulierte auch Mary Russi dem «Urner Wanderpapst» Paul Dubacher. Er war der Einzige, der alle bisherigen fünfzehn Gotthardmärsche absolviert hat. Schlussläufer Hansruedi Grütter war schon elf Mal dabei, und das Ehepaar Hans und Emilie Walker aus Erstfeld absolvierte den Leistungsmarsch bereits zum neunten Mal.

Mit 72 Jahren war Paul Dubacher der älteste Teilnehmer, der Jüngste war wohl der 22-jährige Jan Beaud aus Stansstad. Er liess sich von Markus Gisler aus Erstfeld überreden und hatte grossen Spass am Gesellschaftserlebnis. Der Gotthardmarsch ist längst über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. 54 Teilnehmer waren Urner, der Rest kam aus benachbarten Kantonen und Elke Dietsche sogar aus Todtnau im deutschen Schwarzwald. Ob Paul ­Dubacher auch den 16. Marsch anführen wird, liess er am Samstag noch offen. Er versicherte jedoch, dass am 16. Juni 2018 ziemlich sicher der 16. Gotthardmarsch stattfinden werde.


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