Heimweh-Urnerin Pia Amstutz: «Die Sonne scheint hier deutlich länger»

URI ⋅ Pia Amstutz ist vor neun Jahren nach Neuenkirch am Sempachersee gezogen. Der berufliche und private Lebensmittelpunkt der 60-Jährigen bleibt aber in Uri.
09. August 2017, 05:00

Carmen Epp
carmen.epp@urnerzeitung.ch 

Über 50 Jahre lebte Pia Amstutz im Kanton Uri, zuerst in Altdorf, wo sie als ledige von Rotz aufgewachsen ist und ihre Schulzeit verbrachte, dann zuletzt 20 Jahre in Seedorf. Bis sie beim Tanzen einen Luzerner kennen lernte und zum zweiten Mal heiratete.

Die Entscheidung, zusammen mit ihrem Ehemann in Neuenkirch am Sempachersee Fuss zu fassen, sei ihr nicht schwergefallen, sagt Amstutz. «Mein Mann arbeitet in Ruswil und ist beruflich viel unterwegs. Da mussten wir etwas in der Mitte finden.» Ganz ohne Verzicht blieb der Kompromiss für Amstutz jedoch nicht. So habe sie den Turnverein verlassen, in dem sie über 30 Jahre tätig war, erzählt Amstutz. In vielerlei Hinsicht ist die 60-Jährige ihrer Heimat aber treu geblieben. So pendelt sie noch immer zwei- bis dreimal pro Woche ins Kantonsspital nach Altdorf, wo sie seit über 35 Jahren als Medizinische Praxisassistentin in der Röntgenabteilung arbeitet.

Auch ihr Mann trägt den Uristier-Aufkleber mit Stolz

In Neuenkirch ist Amstutz näher zu ihrer Tochter gerückt, die im Dorf nebenan wohnt. Ansonsten habe sie wenig soziale Kontakte in der Umgebung geknüpft, sagt Amstutz. Das ist auch nicht nötig, hat doch ihr privates Umfeld noch immer seinen Mittelpunkt im Kanton Uri: Ihr Sohn und zwei Geschwister wohnen im Urnerland, genauso wie ehemalige Schulkollegen und Freunde. Mit letzteren treffen sich die Exil-Urnerin und ihr Mann denn auch häufig in Uri. «Zum Jassen oder zum Wandern», erklärt Amstutz. 

Das Pendeln zwischen alter und neuer Heimat macht Amstutz denn auch an ihrem Auto sichtbar – mit einem Uristier-Aufkleber neben der Luzerner Nummer am Autoheck. Schon an ihrem vorherigen Auto habe sie so einen angebracht, nun ziert ein Aufkleber auch schon das neuste Auto. Sie werde des Öftern auf den Uristier am Heck angesprochen, sagt Amstutz. «Die Leute werden neugierig und wollen wissen, was es damit auf sich hat.» So ergeht es auch Amstutz’ Ehemann. «Auch er trägt einen Uristier-Aufkleber mit Stolz», wie sie sagt – und werde immer mal wieder darauf angesprochen. «Dann erzählt er jeweils gerne, dass er ‹eine Frau von den Länderen› hat», sagt Amstutz mit einem Lächeln. 

Beste Voraussetzungen also, dereinst gemeinsam in den Kanton Uri zu ziehen? «Sag niemals nie», so die 60-Jährige. Doch vorher geniesst sie in Neuenkirch die Vorzüge ihrer Wahlheimat: «Die Sonne scheint hier deutlich länger. Da kann Uri leider nicht mithalten. Und auch den Föhn vermisse ich nicht.»


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