Das Dorf im Göscheneralpsee: Viele wollen das Bilderbuch

GÖSCHENEN ⋅ Der Bildband «Alte Göscheneralp» ist längst vergriffen. Doch das Werk mit der dazugehörigen CD stösst nach wie vor auf sehr grosses Interesse. Deshalb gibt es nun eine dritte Auflage.
10. Oktober 2017, 04:39

Fast zehn Jahre ist es her: Im Herbst 2008 veröffentlichte der damals 32-jährige Martin Steiner das Buch «Alte Göscheneralp». Mit dem rund 140-seitigen Ton- und Fotoband machte der Aargauer Kantonsschullehrer bisher noch unveröffentlichte Fotografien vom einstigen Dorf in der Göscheneralp einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Zudem sprach er mit verschiedenen Zeitzeugen, welche das Dorf wegen des Stauseebaus Ende der Fünfzigerjahre hatten verlassen müssen. Sie erzählten von einem kargen Leben in der Abgeschiedenheit und im Wechsel mit der Natur. Aus diesen Gesprächen entstand eine CD zum Buch. Zusätzlich konzipierte Steiner eine einjährige Wanderausstellung über die Göscheneralp.

«Ursprünglich wollte ich es nur für mich machen»

Das Buch mit der dazugehörigen CD wurde ein voller Erfolg. Innert weniger Wochen waren 1000 Stück verkauft. Und auch die zweite Auflage von 500 Exemplaren war bald vergriffen. «Mit dem Ende der Ausstellungsreihe war das Projekt für mich abgeschlossen», erinnert sich Martin Steiner. Trotzdem erhält er bis heute regelmässig Anfragen von Personen, die das Buch kaufen wollen. Dies hat den Aargauer schliesslich dazu bewogen, das Buch noch einmal neu aufzulegen. Ab Mitte November soll die dritte Auflage wieder erhältlich sein. 500 Stück beträgt die dritte Auflage. «Hundert Exemplare wurden bereits vorreserviert», verrät Steiner. Mit einer derartigen Nachfrage hatte er nie gerechnet, erzählt der Buchautor. «Ursprünglich wollte ich ja das Projekt nur für mich machen», so der Lehrer.

«Ich wollte mehr über meine eigene Geschichte erfahren.» Denn Steiners Mutter kam in der Göscheneralp zur Welt und musste als fünfjähriges Mädchen das Tal wegen des Stauprojekts verlassen. «Leider konnte ich sie nicht mehr fragen, wie die Leute damals mit dem Verlust ihrer Heimat umgegangen sind», sagt er. Steiners Mutter starb, als er sieben Jahre alt war.

Deshalb begann der Aargauer Fotos zu sammeln vom Dorf, das vor rund sechzig Jahren dem Stausee weichen musste. Dabei spürte er einstige Bewohner der Göscheneralp auf und sprach mit ihnen über das Leben im versunkenen Bergdorf. Die Fotos in seinem Buch stammen daher auch fast ausschliesslich aus privaten Fotoalben, in denen Steiner während dreier Jahre blättern durfte. «Es war wohl eine der letzten Gelegenheiten, etwas über das alte Dorf zu erfahren», sagt der Aargauer. Inzwischen seien weitere Zeitzeugen, die er vor zehn Jahren besucht hatte, verstorben.

«Lebensumstände haben sich stark verändert»

«Offenbar habe ich mit meinem Projekt viele Menschen berührt», sagt Steiner, «und zwar nicht nur Leute, die einen direkten Bezug zur Göscheneralp haben.» Viele ältere Leute hätten sich interessiert. «Viele von ihnen sind in einer ganz ähnlichen Lebenswelt aufgewachsen, wie sie im Buch dargestellt wird», sagt Steiner. Andererseits habe die Thematik der verlorenen Heimat auch andere fasziniert. Das Projekt zeige auch auf, wie stark sich die Lebensumstände in den vergangenen sechzig Jahren verändert hätten, so Steiner.

 

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Hinweis: «Alte Göscheneralp» ist ab Mitte November wieder erhältlich. Vorbestellungen unter www.galp-projekt.ch, persönlich bei Martin Steiner, Depotstrasse 1, 5620 Bremgarten, oder telefonisch unter 079 665 32 25.


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