Buchautor José Amrein: «Ich habe Uri immer lieber gewonnen»

ERSTLINGSROMAN ⋅ Bekannt ist José Amrein für sein erfolgreiches Buch «Vom Leben der Urner Älpler». Nun veröffentlicht er seinen ersten Roman – der ebenfalls viel Uri enthält.
13. November 2017, 08:16

Interview: Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Der gebürtige Hildisrieder José Amrein ist 52 Jahre alt und wohnt in der Stadt Luzern, wo er eine Praxis für Logopädie betreibt. 2001 hat er das Buch «Vom Leben der Urner Älpler» veröffentlicht, das sich in vier Auflagen über 7000-mal verkauft hat. Es folgten zwei weitere Sachbücher über das Stottern. «Das Geheimnis der Katzenfrau» ist Amreins erster Roman und handelt von der Urnerin Helen Arnold, die sich nach einem traumatischen Erlebnis nur noch in Katzenlauten artikulieren kann – aber durch konsequente Vergangenheitsbewältigung nicht nur ihre Sprache, sondern auch die Freude am Leben wiederfindet.

José Amrein, Uri spielt in Ihrem Roman eine wichtige Rolle. Weshalb?

Das stimmt, die Hälfte des Romans spielt im Kanton Uri. Zu ihm habe ich seit je eine enge ­Beziehung. Bereits als kleiner Bauernjunge besuchte ich jedes Jahr die Alp Gitschenen, wo unser Vieh jeweils den Sommer verbrachte. Fasziniert haben mich schon damals die Geschichten, die Älpler bei Kaffee und Käse austauschten. Aber auch die Bergwelt hat mich beeindruckt; ihre Erhabenheit und Ruhe. In meiner Jugend half ich dann regelmässig auf einer Urner Alp aus, und auch meine Lehrerseminar-Diplomarbeit handelt vom Leben der Urner Älpler und ihrer Sagenwelt. Für mein Buchprojekt «Vom Leben der Urner Älpler» habe ich schliesslich rund 70 Urner Alpbetriebe systematisch erwandert. So habe ich den Kanton Uri immer lieber gewonnen.

Die Urner Älpler in Ihrem neusten Buch sind oft sehr wortkarg. Entspricht das der Realität?

In einsamen und abgeschiedenen Bergtälern sind Leute tatsächlich oft schweigsam. Man arbeitet viel und redet wenig. Häufig wird das auch über Generationen weitergegeben. Aber pauschalisieren möchte ich nicht. Es gibt nämlich auch viele redselige Urner – und viele humorvolle noch dazu. Ihnen bin ich sehr dankbar, dass sie mir ihre Geschichten und Ansichten anvertraut haben. Diese archaischen und teils mystischen Weltbilder, gepaart mit der unglaublich schönen Natur, fesseln mich noch heute.

Bisher haben Sie drei Sachbücher geschrieben, von welchen Ihr erstes «Vom Leben der Urner Älpler» besonders erfolgreich war. Warum wechseln Sie nun in die Belletristik?

Mich haben Geschichten seit jeher interessiert: Anekdoten, Biografien, aber auch Arme-Seelen-Erzählungen. Ebenfalls fasziniert mich, wie Personen mit Krisen umgehen – und sie schliesslich überwinden. Zudem hatte ich schon immer das Ziel, einmal im Leben einen Roman zu veröffentlichen. Es ist also auch ein Experiment. Eines, das die meisten der rund 40 Testleser für sehr gelungen halten.

Worin liegen die Tücken, einen Roman zu schreiben?

Eine Erzählung muss glaubwürdig wirken – auch wenn Personen und Handlungen frei erfunden sind. Das ist nicht einfach. Zudem muss die Handlung bis zum Schluss die Spannung aufrechterhalten. Was ich auch gemerkt habe: Es ist eine Herausforderung, seinen Humor so in die Erzählung einzuweben, dass der Leser ihn auch richtig versteht. Das Schreiben selber war hingegen weniger ein Problem. Nach fünf Tagen stand die erste Rohversion. Das war vor gut zwei Jahren. In dieser knappen Woche habe ich bloss geschrieben, gegessen und geschlafen. Plötzlich bist du im Schreibfluss – das ist ein ganz besonderes und auch befriedigendes Erlebnis. Danach habe ich vieles überarbeitet, ergänzt – oder ganz gestrichen.

Wie viel José Amrein steckt tatsächlich in der Erzählung?

(Denkt lange nach.) Auch wenn vieles erfunden ist: Es fliessen viele persönliche Erlebnisse und Gefühle in den Text ein. Einerseits sind das Erfahrungen, die ich mit meinen Klienten gemacht habe. Andererseits habe ich selber mit Sprachproblemen gekämpft. Bis ich fünf Jahre alt war, habe ich kein Wort gesprochen. Zudem war ich lange Zeit sehr schüchtern – wie die Hauptperson meines Romans. Wie ihr hat auch mir in dieser Beziehung ein Aufenthalt in Südamerika sehr gut getan. Ich habe die dortige Lockerheit, den Humor und die Spontaneität schätzen gelernt.

Hatten Sie beim Schreiben eine bestimmte Leserschaft vor Augen?

Meine Erzählung habe ich für alle jene geschrieben, die sich für Lebensgeschichten interessieren. In erster Linie will ich mit meinem Buch unterhalten. Wie geht die Geschichte aus? Von dieser Neugier getrieben soll der Leser Seite um Seite umblättern. Daneben soll mein Roman aber auch aufzeigen, wie man mit Schwierigkeiten im Leben umgehen kann. Dies wird im Buch durch viele lehrreiche und witzige Zitate unterstützt.

Tatsächlich haben Sie viele Lebensweisheiten von bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten in Ihren Roman eingewoben.

Ich bin einfach begeistert von Zitaten. Sie bringen eine Sache prägnant auf den Punkt. Von diesen Weisheiten und Erkenntnissen kann ich profitieren. Auch in meiner Praxis habe ich viele Sprüche aufgehängt. Das bewegt die Leute – und führt zu vielen Gesprächen.

Sie haben 3000 Exemplare Ihres Romans in Eigenregie herausgegeben. Das ist ambitiös!

Durchaus. Ich hoffe aber, meine Kritiker behalten unrecht, und ich muss nicht allzu viele Bücher mit ins Grab nehmen (schmunzelt).

Hinweis

«Das Geheimnis der Katzenfrau» kann man ab sofort auf www.praxis-amrein.ch bestellen. Das Buch kostet 20 Franken.


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